Donnerstag, 8. November 2018

Was würde Miss Austen sagen? oder: Die Kunst sich selbst im Weg zu stehen


 
Allgemeines:
 
TitelWas würde Miss Austen sagen? oder: Die Kunst sich selbst im Weg zu stehen
Autor: Pia Kovarik
Verlag: Independently published (19. Oktober 2018)
Genre: Liebeskurzroman
ASIN: B07JKHYX9L
ISBN-10: 1728995485
ISBN-13: 978-1728995489

Seitenzahl: 231 Seiten
Preis: 9,99€ (Taschenbuch)
0,99€ (Kindle-Edition)
 

 
Inhalt:
 
 London, die Liebe und Literatur.

Um ihre Doktorarbeit in Literaturwissenschaften mit dem Titel „Was würde Miss Austen sagen“ zu schreiben, mietet sich die junge, begabte und etwas unterkühlte Studentin Violet in einem Bed&Breakfast im Londoner Stadtteil Bloomsbury ein. Ihr erster Weg führt sie in die British Library und dort soll sie nicht nur Bekanntschaft mit den alten Büchern machen. George, ein wahnsinnig gutaussehender und auch noch warmherziger Brite – wenn auch mit einem kleinen Geheimnis – verliebt sich auf den ersten Blick in die angehende Wissenschaftlerin. Es folgen romantische Picknicks in Parks, Zitate aus Jane Austens Romanen, leidenschaftliche Tanzabende ganz im Motto der Regency Ära und auch so manches Missgeschick.

Dumm nur, wenn frau nicht erkennt, was im Leben wirklich wichtig ist. Welcher Rat es wert ist, ihn zu befolgen und wann die Liebe bedeutender sein sollte als die Karriere. Denn aus diesem Grund steht Violet zwei Jahre später vor einer geplatzten Hochzeit.
Ob es da wohl möglich ist, seine Fehler wieder gut zu machen und doch noch auf ein Happy End zuzusteuern?
 
 
Bewertung:
 
"Ich denke, dass jeder das Recht hat, einmal im Leben aus Liebe zu heiraten."
- Jane Austen -
 
Auf dieses Zitat der wohl berühmtesten Schriftstellerin für Liebesromane folgt eine wunderbar unterhaltsame, romantische und märchenhafte Geschichte, die man nicht verpassen sollte!
Wie schon in ihren Kurzgeschichten "Die wahre Geschichte des Froschkönigs" und "Die wahrhafte Prinzessin auf der Erbse" oder in ihrem ersten Liebesroman "Ein Gentleman im Schottenrock" verzaubert Pia Kovarik mit einer eigentlich absurden Romanidee und entführt mit einem romantischen Neuzeit-Märchen in die Welt der echten Gentlemen.

Das typisch für die Autorin gestaltete Cover schafft mal wieder den Spagat zwischen hinreißendem Kitsch und Londoner Bodenständigkeit wunderbar. Das Bild der beiden herbstlich gekleideten Verliebten vor dem Stadthintergrund passt dabei super zum dezent-blauen Grund und dem verschlungenen Titel. Für meinen persönlichen Geschmack ist es mit den Herzchen, dem Amor, der Feder und dem Liebespaar etwas zu mädchenhaft und kitschig, aber durchaus zur Geschichte passend und insgesamt sehr stimmig gestaltet. Der Titel passt natürlich wie die Faust aufs Auge und ist definitiv originell. Das rechtstehende Cover ist die Winterversion, ab dem Frühjahr wird wieder das etwas sommerlichere Cover, das oben auf meinem Coverbild zu sehen ist, den Roman zieren. An der Gestaltung super ist auch der Anhang, in dem eine Kurzzusammenfassung von Jane Austens Bücher für alle zu finden ist, die sich bis lang noch nicht mit diesen Romanen beschäftigt haben (zum Beispiel ich, was rückblickend wohl ein Fehler war ;-)) 

Erste Sätze: "Vielleicht ist es falsch, solch eine Geschichte mit den Worten "Es war einmal" zu beginnen, denn selbst wenn es sich um eine Geschichte der Liebe und der Hoffnung handelt, kann man wohl kaum von einem Märchen sprechen. Vielmehr ist es eine Erzählung von den Irrungen des Menschen und davon, dass wir uns und unserem kleinen, glänzenden Stück Glück, nur zu oft selbst im Wege stehen und dabei die traurigen Folgen meist erst viel zu spät erkennen."
 
 
Das Buch beginnt relativ flott mit der Ankunft der jungen, angehenden Literaturwissenschaftlerin Violet in London, die dort ihre Doktorarbeit über den Mythos der Jane Austen schreiben will. Um alles über ihre Werke, ihr Leben, ihre Briefe, ihre Liebe, ihre Zeit zu erfahren begibt sie sich zuerst in die British Library. Dass sie dort jedoch Bekanntschaft mit einem jungen Mann machen wird, der ihre Welt auf den Kopf stellen wird, ahnt sie noch nicht...
 
Trotz dass die Handlung alles in allem recht vorhersehbar ist, hat der Plot durchaus sehr viel Charme und verliert nie die Spannung. Dafür sorgt neben dem angenehmen, blumigen Schreibstil vor allem die wunderbaren Darstellung des netten Settings: London mit seinen Wolkenkratzern und historischen Gebäuden, Gentlemen und Hipstern, Touristenattraktionen und Überbleibsel der vorigen Jahrhunderten. Ich war vor ein paar Jahren schon mal in dieser wundervollen, magischen Stadt und kann mich noch sehr gut an die Faszination erinnern, die auch ich für diesen Ort verspürt habe.

 
"Ist es nicht genau das, was Frauen an Mr. Darcy so sehr lieben und schätzen? Dass er schwach und unbeholfen in Elizas Nähe wird. Kein Mädchen und keine Frau - außer vielleicht eine besonders geldgierige - findet ihn anfänglich interessant. Erst nach seinen tollpatschigen Versuchen, seine Liebe zu gestehen wird er epochal." (…) "Dann habe ich vielleicht mehr mit ihm gemeinsam als ich dachte", nun kam er ihr endgültig so nahe, dass seine Lippen fas die ihren berührten. "Ich verliere nämlich auch ständig den Boden unter den Füßen, wenn du in meiner Nähe bist."

 
Zusätzlich wird die Spannung auch durch die Einschübe eines rätselhaften Hochzeitstags, der sich zwei Jahre nach dem gegenwärtigen Plot ereignet und denkwürdig schief läuft, der also auch ein paar Fragen aufwirft, aufrecht erhalten. So fragt man sich ständig, wie zum Teufel die Handlung an diesen Punkt gelangen soll. Vielleicht durch überspitzen Stolz und Vorurteile oder durch Überredungen anderer Personen oder wenn die Protagonisten mehr nach ihrem Verstand als nach ihren Gefühlen handeln... Fans der Austen-Romane werden hier bestimmt meine Anspielungen verstehen und solche auch immer wieder in der Geschichte wiederfinden. Die vielen Parallelen, Anspielungen, Zitate und Ausschnitte aus Jane Austens Romanen, die wunderbar eingebettet die Handlung ergänzen sind hier wirklich super eingesetzt. So hat es mir sehr viel Spaß gemacht hat, mich in dem kleinen Büchlein zu vertiefen, das nicht zuletzt durch die magische Atmosphäre mitreißt.

Wunderbar unterhaltsam ist auch, wie Pia Kovarik mit zahlreichen Klischees über Briten spielt, ohne sie zu ernst zu nehmen. Die unumgängliche Tea-time am Nachmittag, die übersteigerte Höflichkeit und der lebendige Mythos des perfekten Gentlemans - hier kommt alles vor und wird durch den flüssigen und mit so viel Witz und Charme geschriebenen Stil auf den Punkt gebracht. An vielen Stellen ist es nur der lockere Ton und der unterhaltsame Witz, der immer über allem schwebt, der gerade noch so verhindert, dass einige Szenen kitschig werden. Obwohl die Handlung mit knapp 130 Seiten (Kindle-Edition) relativ kurz ist, beschreibt sie sehr bildhaft und eindrücklich, was gerade so passiert. Dennoch hätte man mit ein bisschen mehr Zeit und Ausführlichkeit bestimmt noch mehr aus der Geschichte herausholen können.
 
 
 "George hielt ihr die Hand entgehen. "Darf ich nochmals bitten?" "Aber mein Herr", dabei tat sie so, als würde sie vor Scham erröten und sich kühle Luft ins Gesicht fächern, "das wäre dann unser dritter Tanz, was sollen nur die Leute denken", dabei kicherte sie furchtbar los, sprang von der Steinbrüstung und ergriff seine Hand, bereit für den nächsten Kotillon.
"Was würde nur Miss Austen dazu sagen?"
 
 
Wieder mal hat die Autorin die personale Erzählperspektive genutzt, die ab und an auch mal wechselt, um uns die Gefühle der Protagonisten näher zu bringen. So tauchen wir ein in die Gefühlswelt von Violet, die zwischen beruflichem Erfolg, also ihrer Vernunft und dem süßen Gefühl der Liebe, ihrem Herz, hin und her gerissen ist und erleben mit, wie sie sich auf spektakuläre Art und Weise immer wieder selbst im Weg steht. Außerdem lernen wir George kennen, der natürlich der perfekte Gentlemen ist, jedoch mehr zu verbergen hat, als scheint...
 
Natürlich wartet die Geschichte auch wieder mit einem hübschen Happy End auf und schließt somit eine wunderschöne kleine Geschichte für zwischendurch ab, die durch ganz viele romantische Szenen zum Träumen bringt.

 
Fazit:
 
"Was würde Miss Austen sagen?" beinhaltet die Hochs und Tiefs einer guten Liebesgeschichte in einem kurzen, knappen Format - perfekt für einen stürmischen Herbstabend!
Ein romantisches Neuzeit-Märchen!
 
 
Vielen Dank übrigens an Pia Kovarik für das Rezensionsexemplar!

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