Montag, 19. November 2018

Montagsfrage 19.11.18

Scan (verschoben)
 
Hallöchen zusammen,
 
heute morgen hatte es bei mir doch tatsächlich minus 1 Grad Celsius, also "hallo Winter", würde ich sagen ;-) Er hat ja ganz schön lange auf sich warten lassen und nachdem der Rekord-Sommer nun endgültig Geschichte ist kann ich mich ein wenig auf Weihnachten, kuschelige Abenden mit einem Buch vor dem Ofen und Skifahren freuen. Doch erstmal die heutige Montagsfrage, aka Gruppentherapiestunde für Buchtraumata, wie Antonia sie selbst so passend nennt. Denn heute geht es um die Enden von Büchern...
 
 

Hat dich schon mal das Ende eines Buches wütend gemacht?

 
Oh ja! Ein Ende einer Geschichte ist immer etwas besonderes, was damit zusammen hängt, dass die letzten Sätze eine riesige Verantwortung tragen: in einem letzten Showdown mitzureißen, die Geschichte logisch zu vollenden, alle losen Fäden aufzulösen, den Charakteren eine angemessene Auflösung zu kommen zu lassen und dem Leser einen letzten Denkanstoß mitgeben. Warum schreibe ich das? Es gibt zwei Arten auf die mich ein Ende frustrieren und in den Wahnsinn treiben kann:
 
Erstens: es ist einfach unglaublich schlecht gemacht, es fehlt die Hälfte, es ergeben sich riesige Logiklücken, alles geht viel zu schnell, die Wendung zum Guten (oder zum Schlechten) kommt unbegründet aus dem Nichts und man steht am Ende mit einem unguten Gefühl da und würde die Geschichte am liebsten umerzählen und einen richtigen Abschluss schaffen. Dieses Gefühl hatte ich bei Veronica Roths "Die Bestimmung - letzte Entscheidung", wo am Ende alles recht oberflächlich, überhastet und nicht gerade glorreich gelöst wird. Oder bei einem anderen Science-Fiction-Roman, den ich aus Spoilergründen nicht betiteln möchte, bei dem die ganze Handlung auf die Rettung der Erde abzielt und am Ende doch alles Leben zerstört wird und wir keinen Grund dafür erkennen können. Oder bei (tut mir leid, hier muss ich es einfach spoilern) "Bartimäus", welches schlicht und komplett aus dem Zusammenhang gegriffen mit den Worten "und dann starb ich" endet. Aber das ist natürlich alles Geschmacksache...
 
Die andere Art von Ende, die Frustration und Wut hervorrufen kann sind die, die sie unsagbar gut gemacht sind und so schmerzhaft ans Herz gehen, da man sich unbedingt ein anderes Ende gewünscht hätte, insgeheim aber weiß, dass dieses fiese Ende eine gewisse Wahrheit und Genialität in sich birgt. Und das sind die wirklich ärgerlichen, frustrierenden, da man sich hier nicht einmal beschweren kann, weil es wirklich gut gemacht ist und den Nagel auf den Kopf trifft. Ein solches Ende, das mein Happy-End-liebendes Herz zum bluten gebracht hat, im Rückblick jedoch zu einer der intelligentesten Abschlüssen einer Jugendbuchreihe gehört, ist "Die Tribute von Panem- Flammender Zorn". Diese Reihe wurde ja schon mehrmals in anderen Antworten genannt, was ich unbedingt nachvollziehen kann, da man als Leser natürlich sehr darunter leidet, dass am Ende sehr viele der liebgewonnenen Protagonisten sterben und die depressive Stimmung kaum einen Lichtblick zulässt, doch ich möchte nochmal hervorheben, dass ich genau das so gelungen finde (auch wenn mir mein Herz etwas anderes sagt). Gerade dass die Autorin verdeutlicht, dass die Protagonisten nach den traumatischen Ereignissen nicht einfach wieder zur Normalität zurückkehren können sondern irgendetwas in ihnen irreparabel gebrochen ist, macht dieses Ende so schmerzhaft realistisch und somit das, was alle verurteilen zur wahren Stärke der Reihe. Ein anderes Ende, das ich fast nicht ertragen konnte war "Gen-Tattoo" von L. J. Adlington, wer es gelesen hat, weiß was ich meine. Ich habe die letzten zwei Seiten gelesen und war so unglaublich wütend auf die Protagonisten, die Autorin, die Welt, die Ungerechtigkeiten, dass das definitiv ein Aus-dem-Fenster-Werf-Moment war!
 
Zur Bewertung von Enden in Rezensionen bin ich mir aus diesen Gründen immer total unsicher. Auf der einen Seite bin ich natürlich ein totaler Befürworter von Happy Ends, auf der anderen Seite sind gerade die Abschlüsse, die aus der traurigen Realität kommen könnten, die uns wütend machen, aufwühlen, an der Ungerechtigkeit verzweifeln und uns wünschen lassen, es hätte anders geendet die Enden, die uns am meisten beschäftigen, am tiefsten schürfen, den Weltschmerz am besten ausdrücken und uns am längsten in Erinnerung bleiben.
 
Wie seht ihr das? Fallen euch spontan Bücher mit schlecht gemachten oder gut gemachten Enden, die euch unfassbar beschäftigt und frustrieret haben?
 
Liebe Grüße
Sophia

Kommentare:

  1. Huhuu,

    das kann ich absolt nachvollziehen ^^. Schlechte über das Knie gebrochene Enden zupfen auch gehörig an meinen Nerven. Besodners da es doch das ganze Buch sehr runterziehen kann. Auch gibt es Bücher ohne Happy End, die gerade deswegen der Knüller sind! Ich sage nur "Ein ganzes halbes Jahr". Oder Bücher wo schnell noch alles gut gemacht wurde, und man beim lesen nur denkt "jaaa.... is klar." ^^

    Tintengrüße von der Ruby

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    1. Hey Ruby,

      Danke für den Kommentar! Ohja solche Geschichten, in denen plötzlich doch alles noch eine Wendung zum Guten nimmt und man gar nicht nachvollziehen kann, wie das jetzt plötzlich zustande kam, während man vor dem überhasteten Happy End sitzt kann wirklich nerben! "Ein ganzes halbes Jahr" ist wie " Das Schicksal ist ein mieser Verräter" wirklich ein gutes Beispiel für eine Geschichte, die anders ausgeht, als man das als Leser gerne hätte, es ber trotzdem in Ordnung und einfach passend ist.

      Liebe Grüße
      Sophia

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  2. Hallo Sophia,

    für mich ist ein Ende eigentlich nur dann ärgerlich, wenn es entweder nicht zur Geschichte passt, meine Erwartungshaltung massiv enttäuscht wird oder es das gesamte Buch verdirbt. Sonst kann ich mich mit fast allem arrangieren. Tritt einer dieser Fälle ein, kann ich aber auch schon mal einen wahren Wutanfall erleben und jahrelang schmollen.

    Montagsfrage auf dem wortmagieblog
    Viele liebe Grüße,
    Elli

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    1. Hey Elli,

      Ja da stimme ich dir zu. Ich habe von ganz vielen gelesen, dass sie selten über ein Buch wütend werden aber ich denke da Lesen eine so emotionale Angelegenheit ist, ist es durchaus gerechtfertigt das ein oder andere mal einem klitzekleinen Wutanfall zu bekommen ;-) Man muss sein Buch ja nicht gleich aus dem Fenster werfen wie in "Silver Linings"....

      Liebe Grüße
      Sophia

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