Sonntag, 14. Januar 2018

Doppelt verlobt hält besser

 
 
Allgemeines:
 
Titel: Doppelt verlobt hält besser
Autor: Lia Haycraft
Verlag: Forever (9. Februar 2018)
Genre: Roman
ISBN-10: 3958189490
ISBN-13: 978-3958189492
ASIN: B077YRP1DV
Seitenzahl: 224 Seiten
Preis: 3,99€ (Kindle-Edition)
12€ (Taschenbuch)
 

 
Inhalt:
 
-Eine Liebe an der Côte d'Azur-
 
Isobel Rain liebt ihren Job als Geschäftsführerin der exklusiven Dating-Agentur Diamond Love. Sie liebt auch ihr Leben im französischen Küstenstädtchen Antibes. Doch dann macht ihr ausgerechnet ihr geliebter Onkel einen Strich durch die Rechnung. Und das aus dem Grab heraus: In seinem Testament verfügt er, dass Isobel Diamond Love nur weiterführen darf, wenn Sie innerhalb von sechs Monaten heiratet. Ein Verlobter muss also her. Und dabei hat Isobel zurzeit nicht mal einen Freund. Vielleicht ist es Schicksal, dass sie kurz darauf Jean-Luc trifft und es zwischen den beiden heftig funkt. Nur dass der smarte Immobilienmakler nichts von Isobels Erbe weiß und auch nicht vorhat in nächster Zeit jemandem das Ja-Wort zu geben. Aber dann kommt sowieso alles ganz anders…
 
 
Bewertung:
 
DISCLAIMER: Bevor ich mit der Rezension beginne, möchte ich noch zwei Dinge loswerden.
Erstens: vielen vielen Dank an Lia Haycraft und den Ullstein Verlag, dass wir auch dieses Buch wieder lesen durften!!!
Und Zweitens: Wer die "Die Nacht der Elemente"-Reihe nicht kennt, schaut am besten gleich mal bei meiner Rezension zum ersten Teil "Mondtochter" vorbei und ändert das. ;-)
 
 
Erster Satz: "Über den leuchtend blauen Himmel zog ein Muster aus fliegenden Schwalben und nicht zum ersten Mal verwandelten sich die fliegenden Pünktchen in Isobels Kopf in einen einzigen Satz: Die Dating Agentur Diamond Love darf nur von einer verheirateten Frau geleitet werden."
 
 
 Mit diesem Satz beginnt der erste Liebensroman von Lia Haycraft, die mich schon zuvor im Genre Romantasy mit ihrer wunderbaren "Die Nacht der Elemente" - Reihe und zwei Novellen "Feuerküsse" und "Flammenseele" begeistert hat. Auch in diesem neuen Genre konnte sie mich
wieder absolut überzeugen und mit dem herzzerreißenden Hin und Her einer Liebesgeschichte an der Côte d'Azur ein wunderbares Leseerlebnis schaffen: süß und verlockend, wie das Eis, dass Isobel so gerne mag, sprudelnd und lebendig wie der Champagner, den die beiden immer trinken, ein wenig melancholisch wie das Meer bei Nacht.
 


"Sie klingelte dreimal kurz. Er hatte sie nie gefragt, was das bedeuten sollte, aber möglicherweise heiß es einfach das, was er hoffte. Ich liebe dich."
 
 
Das Cover ist wohl der Inbegriff eines locker, leichten Sommerromans - ein azurblauer Himmel über einer verlockend glitzernden Meeresbucht und einem malerischen Städtchen an der Küste. Als wäre das nicht schon genug um eine romantische Stimmung aufkommen zu lassen, umrahmen blühende Zweige die Szenerie einer Frau in einem weißen Kleid, die verträumt in die Ferne blickt. Der Titel "Doppelt verlobt hält besser", der farblich perfekt ins Bild passt, wird bald Programm, als sich Isobel in der Not wiederfindet, einen Bräutigam zu finden, um Chefin ihres Unternehmen bleiben zu können. Etwas seltsam jedoch finde ich die zwei unterschiedlichen Schrifttypen, in denen der Titel gehalten ist, doch ich will nicht so pingelig sein. Insgesamt finde ich das Cover sehr passend gestaltet, in sich stimmig und durchaus ansprechend, leider fallen mir aber auch auf Anhieb zig weitere ein, die im praktisch selben Stil gestaltet sind. Ich halte viel von unkonventionellen Coverbildern, die sich von der Masse abheben und an das man sich auch noch nach Jahren erinnert. Dieses ist einfach nur hübsch, was jedoch eigentlich genügt.
 
 
"Jean-Luc verschlug es den Atem. (...) Sie sah aus wie der Frühling persönlich. Und ihr Lächeln berührte irgendetwas tief in seinem Inneren. Vielleicht sollte er sie einladen. Einfach so."
 
 
Nach einem schnellen Einstieg, der in wenig Worten die Problematik erklärt, in der sich die junge Geschäftsführerin Isobel befindet. Wenn sie Chefin ihrer exklusiven Dating Agentur "Diamond Love" bleiben will, muss sie die Bedingung im Testament ihres Onkels erfüllen: einen Mann finden und heiraten und das auch noch möglichst bald. Die Lösung des Problems scheint erstmal näher als sie in ihrer Lieblingsbuchhandlung im französischen Küstenstädtchen Antibes den smarten Immobilienmakler Jean-Luc trifft und sie sich rasend schnell näher kommen. Doch will sie sich wirklich aufgrund eines Testaments dazu zwingen lassen, übereilt die wichtigste Entscheidung ihres Lebens treffen? Trotz ihres geschulten Blicks, für ihre Kunden den richtigen Partner zu finden, der perfekt zu dem jeweils anderen passt, weiß sie gar nicht mehr, was sie denken soll. Dass Jean-Luc nichts von Heirat hält während ihre übereifrige Tante Vivienne schon ihre Traumhochzeit plant, macht die Situation auch nicht besser. Bald findet sich Isobel in einem Gefühlschaos wieder und auf einem Weg, der sie beide in unterschiedliche Richtungen zieht...
 
Die Geschichte wird dem wunderschönen Setting schnell gerecht, die abwechselnd aus den beiden Perspektiven von Jean-Luc und Isobel geschilderte Story trieft gerade nur von abwechslungsreichen Gefühlen, ohne kitschig zu werden. Trotz der romantischen Dinners, Theaterbesuche, nächtlichen Picknicks oder Liebesnächten sorgen die vielen verhexten Schicksalswindungen, die die beiden durch haarsträubende Zufälle, dumme Missverständnisse und überkochende Emotionen immer wieder auseinander bringen dafür, das die Geschichte auf dem Boden bleibt. Die Handlung entwickelt sich also trotz der vielen Wiederholungen, die sich leider finden lassen, stets weiter, so wie es auch die Charaktere tun.
 
 
"Sie liebte jede Art von Geschichte, kaufe mal einen Krimi, mal einen aktuellen Roman und manchmal auch Liebesromane. Aber diese stellte sie einfach nur in ihr Buchregal. Sie mochte die Titel, die Schriftarten und die Namen der Hauptfiguren. Lesen wollte sie die Bücher nicht. Liebensgeschichten machten Isobel traurig. Besonders, wenn
 sie gut ausgingen. Anders als ihre eigene..."
 
 
Isobel ist eine lebensfrohe Frau, die mitten im Leben steht und sich selbst schon gefunden hat. Sie hat einen Job, der sie erfüllt, einen wunderschönen Ort zum Leben, viele gute Freundinnen, die immer für sie da sind und eigentlich ihren Traummann: Jean-Luc. Ihm gefallen ihre Liebe zu Büchern, ihre lockere, selbstbewusste Art und ihr Lächeln, ihr gefallen an ihm seine Art zu gehen, seine charmante Unvoreingenommenheit und seine überlegte Attitüde.
Bei ihrer Begegnung kollidieren zwei Menschen, die eigentlich wie geschaffen füreinander, aber noch nicht ganz bereit für eine wirkliche Beziehung mit Zukunft sind. Im Laufe des Buches, der ganzen Entscheidungen, die sie treffen müssen und vor allem der Erfahrungen, die sie machen, lernen beide, was für sie wirklich wichtig im Leben ist und verändern vielleicht auch langsam ihre Lebenseinstellung.
 
 
"Es ist viel zu früh." Bei diesen Worten musste er erneut an Isobel denken. Zu früh, zu spät. Die meisten Dinge waren eins von beidem, stellte Jean-Luc fest. Heute war es für ihn jedenfalls definitiv zu spät."
 
 
Durch die abwechselnde Sicht auf beide kann man die ganzen Gefühle wunderbar nachvollziehen und ich konnte mich mit beiden identifizieren, auch wenn ihr Alter und ihre Lebenssituation mit der meinigen absolut nicht übereinstimmen. Schön ist auch, dass beide auch mal über reagieren, gemein sein und Fehler machen dürfen, was ihrem sonst so glatten Charakter eine wunderbare Authentizität verleiht. Gegen Ende habe ich immer mehr mit gefiebert und wollte den beiden am liebsten in den Hintern treten, dass sie sich endlich eingestehen, was sie am liebsten wollen: den jeweils anderen und endlich den entscheidenden Schritt gehen bevor sie wieder eine weitere Verstrickung auseinander reißt.
 
 
"Der Wind spielte mit den Ästen und blies die Strähnen aus ihrem Gesicht, die sich aus ihrer Frisur gelöst hatten. Beinahe wie ein liebevoller Mann. Neue Tränen liefen über Isobels Wangen, und sie wunderte sich, wo all diese Tränen herkommen mochten. Innerlich fühlte sie sich so leer wie lange nicht. Es war vorbei."
 
 
Wieder einmal kann ich nur den Schreibstil der Autorin loben. Diesmal beschreibt ihre fließende, bildhafte und romantische Art, Emotionen und Orte auszudrücken, zwar keine Fantasywelt, dennoch erschafft sie eine knisternde, gefühlsgeladene und irgendwie magische Atmosphäre, die schnell mitreißt und ans malerische Meer in die Provence entführt. So wird die Geschichte nicht nur authentisch und mit nötigem Witz erzählt, sie reißt auch durch viele Emotionen mit und lässt uns nachdenken, was wir im Leben noch erreichen wollen: lieber Sicherheit und Geborgenheit oder Abenteuer und Leidenschaft - oder vielleicht sogar beides zusammen...? Einige Metaphern und Anekdoten erzählen dem Leser, was Liebe alles bedeuten kann und inspirieren zum Nachdenken.
 
 
"Es war lächerlich sich an Statistiken zu halten, wenn es um die Liebe ging. Und nur weil sich viele Menschen trennten, hieß das ja nicht, dass sie vorher keine glücklichen Jahre gemeinsam verbracht hatten. Was war besser: Sich nie ernsthaft auf jemanden einzulassen, damit man nicht verletzt werden konnte, oder ein paar Monate, Jahre oder sogar Jahrzehnte glücklicher Zweisamkeit?"
 
 
Das Ende kommt dann etwas schnell aber mit dem einzigen akzeptablen Ausgang, welcher die Geschichte fürs Herz abrundet.


 
Fazit:

Ein schöner Sommerroman zum mitfühlen, mitfiebern und komplett abschalten. Lia Haycraft zeichnet das authentische Bild einer zarten Liebe, die trotz vieler Umwege schließlich zum Ziel findet und lässt uns von Sommer, Urlaub, Sonne und Liebe träumen.

 


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