Donnerstag, 25. Januar 2018

Harry Potter und das verwunschene Kind


 
Allgemeines:
 
Titel: Harry Potter und das verwunschene Kind
Autor: J.K. Rowling (und John Tiffany,‎ Jack Thorne)
Verlag: Carlsen (24. September 2016)
ISBN-10: 3551559007
ISBN-13: 978-3551559005
ASIN: B01H746EXS
Seitenzahl: 336 Seiten
Preis: 14,99€ (Kindle-Edition)
19,99€ (gebundene Ausgabe)
Weitere Bände: Harry Potter - und der Stein der Waisen
- und die Kammer des Schreckens
- und der Gefangene von Askarban
- und der Feuerkelch
- und der Orden des Phönix
- und der Halbblutprinz
- und die Heiligtümer des Todes
 
 
 
Inhalt:
 
Es war nie leicht, Harry Potter zu sein – und jetzt, als überarbeiteter Angestellter des Zaubereiministeriums, Ehemann und Vater von drei Schulkindern, ist sein Leben nicht gerade einfacher geworden.
Während Harrys Vergangenheit ihn immer wieder einholt, kämpft sein Sohn Albus mit dem gewaltigen Vermächtnis seiner Familie, mit dem er nichts zu tun haben will. Als Vergangenheit und Gegenwart auf unheilvolle Weise miteinander verschmelzen, gelangen Harry und Albus zu einer bitteren Erkenntnis: Das Dunkle kommt oft von dort, wo man es am wenigsten erwartet.
 
 
Bewertung:
 
Dieses Buch war natürlich für mich als Harry Potter Fan ein absolutes Muss, also habe ich es gleich gekauft, als es vor gut einem Jahr auf dem Markt erschien. Leider ist es aufgrund mangelnder Zeit und den vielen negativen Meinungen lange unangetastet auf meinem SuB liegen geblieben- was ich vor zwei Tagen endlich geändert habe. Die Spannbreite der Meinungen zu dieser nachfolgenden Geschichte zu DER Bestseller-Reihe schlechthin war riesig - von 0 Sternen bis zu 5 lassen sich in den Online-Welt jede Menge Verfechter finden. Auch wenn ich mit dieser Rezension ein ganzes Jahr am Hype vorbei treffe, hier noch kurz meine eigene Meinung, die wohl wie so oft irgendwo mittendrin liegt.
 
Die Gestaltung des Buches finde ich sehr ansprechend. Im Zentrum des in warmen Orange-, Braun-, Beige-Tönen gehaltenen Covers ist das Logo des Theaterstücks zu sehen: ein dunkel gefiedertes Nest aus Stöcken, dass ein zusammengekauertes Kind beherbergt. Auch die Gestaltung der Buchdeckel unter dem Einband sieht wunderschön aus - ganz schwarz mit demselben Logo als goldener Umriss. Wenn man den Buchdeckel aufschlägt zieren ein verschnörkelter Flügel und ein Farbverlauf die Innenseite der Buchdeckel. Leider wurde mir aber der Titel nicht so ganz klar. Dass der Roman nach der Reihe und dem Titelheld "Harry Potter" benannt werden musste, ist klar, aber die Unterüberschrift wirft bei mir Fragen auf. Vielleicht kann mir da jemand helfen: Wer zum Teufel ist das verwunschene Kind? Albus vielleicht, aber der ist ja nicht verwunschen? Delphi, aber die ist mit 20 Jahren kein Kind mehr? Ich verstehe es nicht ;-) Kritisieren muss ich auch, dass meiner Meinung nach zu viel auf dem Cover draufsteht. Die vielen Namen in verschiedenen Größen wirken zu unübersichtlich, womit ich gleich zum Inneren des Buches komme.
 
 
Erster Satz:
ALBUS: "Dad. Er sagt es andauernd."
 


Bevor ich mit der eigentlichen Bewertung beginne soll eines gesagt sein: Es ist nicht zu vergessen, dass wir es hier mit einem verschriftlichten Theaterstück zu tun haben. Das sollte man unbedingt beim Bewerten des Stils, der Handlung als auch allen anderen Kriterien im Kopf behalten und es nicht mit einem Roman vergleichen. Demnach ist der Plot in zwei Teile und 4 Akte eingeteilt, die jeweils in einzelne Szenen aufgespalten sind. Außer der wörtlichen Rede der Protagonisten und vereinzelten Regieanweisungen haben wir keine weiteren Anhaltspunkte, um der Handlung folgen zu können. Das ist natürlich zuerst nicht einfach und ein wenig gewöhnungsbedürftig, ich konnte aber schnell in die Geschichte einfinden.
Was mich an der Gestaltung jedoch durchweg gestört hat, ist die Nerv tötende Unübersichtlichkeit. Regieanweisungen, eingerückte, nicht eingerückte Sätze, kursiv, fett, Großbuchstaben, alles fliegt durcheinander über die Seite, sodass man schnell den Überblick verliert und sich sehr konzentrieren muss. Mir hätte eine konsequent linksgebundene Formatierung eher behagt.
 
Die Geschichte beginnt mit einer schon bekannten Szene: dem Bahnhof-Epilog des Siebten Teiles, in der Harry und Ginny ihre Kinder James, Lily und Albus zum Hogwarts-Express begleiten. So oft hatte ich mir gewünscht, noch ein wenig mehr Epilog bekommen zu können, nur noch ein paar Seiten und Informationen mehr - jetzt habe ich ein ganzes Buch bekommen - 300 Seiten Epilog zu "Harry Potter". Dass ich unglaublich gespannt auf die Geschichte war, ist denke ich klar.
 
 
"Und dann steigt ein Flüstern auf und senkt sich auf alle herab. Worte gesprochen von einer unverkennbaren Stimme. Der Stimme VOLDEMORTS...
Haaarry Pottttter..."
 
 
Der Plot an sich ist nicht unbedingt herausragend einfallsreich - eher ein gekonnter Mix aus altbekannten Motiven mit neuen Charakteren in einer anderen Zeit. Das ist natürlich ein großer Kritikpunkt, jedoch hatte ich auch nicht erwartet, dass die Geschichte mir etwas komplett Neues präsentiert, dafür war "Harry Potter" viel zu erfolgreich und ein Experiment zu waghalsig. Wenn man das Buch also als Art Epilog betrachtet (und das tue ich), dann erfüllt es genau das, was ich von ihm erwarte: es unterhält mich, proträtiert das Leben der Charaktere nach dem Ende der vorhergegangenen Geschichte und führt den Horizont des Lesers ein wenig weiter.
 
Wer jedoch auf eine vollwertige Fortsetzung der Harry-Potter-Reihe hofft, kann nur bitter enttäuscht werden. Weder Plot noch Erzählstil lassen sich mit den Romanen der Reihe vergleichen. Ich denke jedoch, dass der Hinweis, dass es sich hier um ein verschriftlichtes Theaterstück handelt, genügt um von dieser Erwartung absehen zu können und verstehe somit die viele Kritik nicht so ganz. Verblüffend wie viele Leser nicht in der Lage sind zu lesen. Wer ein Skript eines Theaterstückes kauft, bekommt – ja tatsächlich – das Skript eines Theaterstückes und eben keinen neuen Potter-Roman. Und das Theaterstücke einer eigenen Logik folgen, andere Dramaturgie besitzen, einen eigenen Erzählstil verwenden müssen ist ja eigentlich logisch. Deshalb sollte man dieses Buch auf keinen Fall an einem Roman messen und es dafür verurteilen, keine Fortsetzung zu sein.
 
 
DELPHI: "Albus braucht dich, Scorpius. Und das ist etwas Wundervolles."
SCORPIUS: "Er braucht mich - wozu?"
DELPHI: "Genau das ist die Frage, nicht wahr? Das ist Freundschaft."
 
 
Ich stimme jedoch allen kritischen Stimmen zu, dass durch  Theaterform das Aufbauen einer Bindung zu den Charakteren deutlich erschwert wird und außerdem einfach die typische magisch-düster-ausführliche Atmosphäre der Welt fehlt, in die mich Harry Potter Bücher sonst immer versetzen. Um das spüren zu können fehlen der Geschichte einfach Details. Das ist zum Teil der Dialogform geschuldet, aber auch die reine Handlung geht sehr schnell und oberflächlich vorbei. Ich könnte mir vorstellen, dass das auf der Bühne, wo es ja eigentlich hingehört, schon wieder ganz anders aussieht. Die Details sind dann Interpretation der Schauspieler, Gefühle können besser erfasst werden, die Handlung bekommt noch mal eine ganz andere Ebene.
 
Trotz dieser Tatsachen, die man auf die ein oder andere Weise bewerten kann, ist die Story unanfechtbar spannend und gut ausgearbeitet. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, die ganzen Charaktere wieder zu sehen und neue kennenzulernen. Neunzehn Jahre nach der Reihe ist Harry Potter erwachsen und seine beiden Kinder, James und Albus, besuchen mittlerweile Hogwarts. Doch gerade Albus hat große Probleme, da er die Berühmtheit seines Vaters als Last sieht und darunter zu zerbrechen droht. Sowohl seine schulischen Leistungen als auch sein Verhältnis zu seinem Vater leiden darunter. Zusammen mit seinem besten Freund Scorpius Malfoy will Albus sich nach einem schlimmen Streit beweisen, in dem er sein eigenes Abenteuer erlebt und einem Vater sein Kind zurück bringt. Als die beiden dabei die Vergangenheit versehentlich umschreiben und somit die Zukunft komplett verändern, droht Voldemort wieder zurückzukommen und der Frieden der Welt liegt ein weiteres Mal in den Händen eines Potters...
 
 
ALBUS: "Ich wünschte nur, du wärst nicht mein Vater."
HARRY: "Tja, und es gibt Augenblicke, da wünschte ich, du wärst nicht mein Sohn."
 
 
Mit diesem kurzen Wortwechsel wird das Vater-Sohn-Problem, das hier auftaucht eigentlich ganz gut dargestellt. Anders als Harry, hat Albus einen Vater und einen ganz berühmten noch dazu. Doch statt glücklich zu sein, fühlt er sich unter Druck gesetzt und nicht wahrgenommen. Die bei entfremden sich immer mehr, bis Harry irgendwann nicht mehr weiß, wie er seinen Sohn erreichen kann. Ich finde den Konflikt der beiden sehr authentisch dargestellt, auch wenn Harry manchmal etwas trottelig da steht und das schwer in das Bild passt, dass die vorhergegangene Reihe von ihm zeichnet.
 
Wenn man sich auf diese Geschichte vollkommen einlässt und akzeptiert, dass es kein Nachfolger sein will, sondern einfach nur eine kurzweilige Entführung ins Harry-Potter-Universum, kann man durchaus sehr viel Spaß haben. Um die alten Charaktere noch einmal zu treffen, Neues über sie zu erfahren und eine Art Alternativausgang zur Schlacht um Hogwarts präsentiert zu bekommen, lohnt sich das Lesen dieses Buches oder Ansehen des Theaterstücks auf jeden Fall. Besonders gut hat mir gefallen wie dargestellt wurde, welche Kleinigkeiten wie die Vergangenheit beeinflussen können und wie die Welt aussehen würde, wenn Harry Potter Voldemort nicht besiegt hätte. Die dargestellte Welt war sowohl kreativ als auch verstörend. Auch die Darstellung der einzelnen Charaktere, die in den verschiedenen Versionen der Zukunft ganz andere Rollen einnehmen, hat mir gut gefallen. So sehen wir zum Beispiel Hermine einmal als Lehrerin, als Untergrundkämpferin und als Zaubereiministerin. Herzergreifend war auch dass die Leser Hass-Liebe Nummer 1 Severus Snape noch einmal einen Auftritt als tragischer Held bekommt und wenigstens in einer Parallelzukunft eine angemessene Rolle zu spielen hat.
 
 Am Ende geht natürlich alles noch einmal gut - auch wenn alles ziemlich schnell und einfach aufgelöst wird - und die Geschichte bleibt für mich als schöner, abgeschlossener Epilog zurück.
 
Zum Abschluss noch eine schöne Lebensweisheit Dumbledores:
 
DUMBLEDORE: "Harry, in dieser chaotischen, emotionalen Welt wird es nie eine perfekte Antwort geben. Perfektion ist der Menschheit nicht gegeben und der Zauberei auch nicht. Jeder leuchtende Glücksmoment enthält auch einen Tropfen Gift: das Wissen, das der Schmerz zurückkommen wird. Sei ehrlich zu denen, die du liebst und zeige deinen Schmerz. Zu leiden ist so menschlich, wie zu atmen."
 
 
Fazit:
 
Eine kleine aber feine Comeback-Reise von Gleis 9 3/4 über Hogwarts bis nach Godrick´s Hollow - J. K. Rowling schrieb hier keinen 8. Harry-Potter-Roman, aber für Fans ein wunderbarer und spannender Einblick in die Welt nach Harrys heldenhafter Schlacht gegen Voldemort.
 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen