Dienstag, 30. Januar 2018

Unverwüstlich

 
 
Allgemeines:
 
Titel: Unverwüstlich
Autor: Clemens Blaim
Verlag: Selfpublished (7. März 2017)
Genre: Science-Fiction
ASIN: B06XGMSRBT
Seitenzahl: 389 Seiten
Preis: 0,99€ (Kindle-Edition)
15€ (Taschenbuch)
 
 
 
Inhalt:
 
"Vielleicht fürchten sich die Menschen deshalb so sehr vor dem Tod, weil sie es hassen an ihre Sterblichkeit erinnert zu werden."
 
Aaron ist eigentlich ein ganz normaler Junge, aber die Menschen haben ihn nie so gesehen. Seit seiner Geburt sitzt er im Rollstuhl und die Krankheit, an der er leidet, droht ihn allmählich umzubringen. Doch ein glücklicher Zufall rettet Aaron nicht nur das Leben, sondern verleiht ihm auch noch Superkräfte, die ihn von seiner Behinderung befreien. Unterstützung erhält er von der außerirdischen Kriegerin Milena, die als Flüchtling auf der Erde lebt und eine persönliche Bindung zu Aarons neuen Kräften hat. Gemeinsam fliehen sie vor einer hinterhältigen Verschwörung, in dessen Visier der Junge gerät. All das zwingt Aaron zu lernen, was für eine Art Mensch er wirklich ist: Held oder Feigling?
 
 
Bewertung:
 
DISCLAIMER: Vielen Dank an Clemens Blaim für das (sogar signierte ^^ ) Rezensionsexemplar!!!

Es gibt viel über dieses Buch zu schreiben, das doch etwas ganz besonderes ist, bevor ich mit der Rezension beginne, will ich jedoch noch kurz darauf hinweisen, dass der Autor an der im Roman dargestellten Krankheit selbst erkrankt ist - Muskeldystrophie, Muskelschwund. Als Ganzes betrachtet wird klar, dass Clemens Blaim uns in seiner Geschichte einen kleinen Einblick in seine Gedanken, Hoffnungen und Träume gibt und hat mich damit sehr berührt! Doch statt eine deprimierende Biografie zu schreiben, verpackt er seine Botschaft in einem wunderbaren Science-Fiction-Roman. Getrennt vom Schicksal des Autors betrachtet ist das Buch eine witzige, actiongeladene und abwechslungsreiche Geschichte, die zwar etwas schräg wirken kann, aber immer aufs Neue zu verblüffen weiß. Wie man es liest, ist also absolut dem Leser überlassen. Ich bin insgesamt ziemlich beeindruckt, dass der Autor es geschafft hat, sein Debütroman zu veröffentlichen, auch wenn er körperlich eigentlich nicht dazu in der Lage ist. Ich habe sehr großen Respekt vor ihm und der Stärke, die so etwas braucht!
 
 
"Ich will nicht schlafen!", Aarons Stimme klang auf einmal hektisch. "Warum nicht?", wollte Milena verwundert wissen.
"Ich habe Angst, nicht mehr aufzuwachen."
 
 

Das Cover finde ich einfach wunderbar! Auf den ersten Blick fällt die große weiße Silbe "UN" auf, die sich sehr stark vom schwarzen Hintergrund abhebt. Erst auf den zweiten Blick offenbart sich der ganze Titel "Unverwüstlich" zusammen mit dem in grau angedeuteten Wasserzeichen eines Jungen in einem Rollstuhl. Das Besondere ist, dass aus seiner Brust, etwa auf der Höhe des Herzens, ein helles Licht austritt, das das Cover in zwei Hälften zu teilen scheint. Insgesamt wird durch die starken Kontraste ein Science-Fiction-Feeling hervorgerufen, der Junge und das Licht deuten aber auf eine Geschichte dahinter hin. Mir gefällt es wirklich sehr gut! Super sind auch die Charakterkarten, die im selben Stil dazu gestaltet worden sind und von denen ich Jason Woolfe, den bald verhassten Lieutenant der US Army, erwischt habe. Der Titel passt natürlich super und da ich die weichen, leicht cremefarbenen Seiten sehr mag, auf die die Story im Eigenverlag gedruckt wurde, gebe ich der Gesamtkomposition auf jeden Fall einen dicken Daumen nach oben!
 
 
Erster Satz: "Die Vögel zwitscherten vor Freude über den Sonnenschein und badeten quietschvergnügt im nahegelegenen Teich."
 
 
Nach einem kurzen Vorwort beginnt die Geschichte ohne Umschweife mit dem jungen behinderten Aaron Ditko bei einer Sitzung mit seiner Psychologin Dr. Hill. Auch wenn er seinem sicheren Tod entgegen blicken muss, hat er seinen Humor nicht verloren, wirkt aber trotzdem klein und zerbrechlich. Ganze 10 Seiten währt eine tragisch traurige, wenig heldenhafte Geschichte eines behinderten Jungen an der Schwelle zum Tod und seiner Familie, bevor wir in einer abrupten Wendung die beiden Außerirdischen Raora und Milena kennenlernen, die vor politischer Verfolgung auf ihrem Planeten Vanya geflohen hier auf der Erde Zuflucht suchen. In dem geheimen Forschungsministerium, in dem die beiden Alien-Frauen unterkommen, dem Institut, arbeitet auch Aarons Vater, Dr. Ditko und forscht an neuen Waffensystemen und allerlei anderen technischen Innovationen.
 
 
"General Decker stampfte verärgert durch die Gänge und fluchte leise in seinen Bart hinein, bis er den richtigen Raum erreicht hat. "Was zum Teufel machen Sie da?", rief er, während er herein stürmte. "Lieutenant Woolfe schien einen Moment überrascht, doch dann kam er langsam auf seinen Boss zu. "Wir schreiben Geschichte, Boss."
 
 
Als die blauhaarige Raora in einem hinterhältigen Angriff einiger abtrünniger Militärs getötet wird, sieht der Arzt die Chance gekommen, seinem schwachen, herzkranken Sohn das Leben zu schenken. In einer Notoperation pflanzt der verzweifelter Vater seinem Sohn das Herz der toten Außerirdischen ein, ohne zu wissen, was daraufhin mit ihm geschehen wird: wie durch ein Wunder vollständig geheilt entwickelt er auch noch Superkräfte. Die mächtige Kriegerin Milena bildet den Jungen aus, seine Kräfte beherrschen zu lernen und während der skrupellose General Decker und sein Superkrieger Lieutenant Woolfe das Institut einnehmen und weitere Anschläge planen, beginnen Milena und Aaron ihren Rachefeldzug...
 
 
"Aaron war dem Tode geweiht. Das war so sicher wie der Sonnenaufgang am Morgen. Doch jetzt, in den Augenwinkeln, entdeckte er ganz am Ende des Horizonts einen Schimmer von Hoffnung."
 
 
Einmal gestartet läuft die Geschichte in einem Rutsch auf ihr Ende zu. Größere Pausen gibt es nicht, eine brenzlige Szene reiht sich an die nächste. Ob ein Kampf mit ausgebildeten Soldaten, die ersten Schritte des Lebens, vom Lastwagen überfahren werden oder die ganze Menschheit retten - irgendetwas abstruses gibt es für die Protagonisten immer zu erledigen, sodass die 389 Seiten wie im Fluge vergehen. Dazu tragen auch nicht zuletzt die witzige, lockere Atmosphäre und der angenehm flüssige Schreibstil des Autors bei. Wunderbar sind auch die ganzen Marvel-Anspielungen auf Superhelden, die die Stimmung zusätzlich auflockern, vorausgesetzt man versteht sie. Etwas schade fand ich gelegentliche Tippfehler und Dreher in Namen, die man durch ein einfaches Lektorat vielleicht hätte ausbügeln können.
 
 
"Was zur Hölle bin ich?", flüsterte Aaron leise zu sich. Er hatte nicht vor, diese Worte auszusprechen, doch jetzt, da er es getan hatte, schwebt sie wie ein Fragezeichen über ihm und wollte ihn nicht mehr loslassen."
 
 
In 26 recht kurze Kapitel geteilt bekommen wir jede Menge einzelne Szenen häppchenweise präsentiert und da auch die Erzählperspektiven ab und zu wechseln, bleibt immer eine Grundspannung erhalten. Von ausgefeilten Actionszenen über dramatischen Wendungen bis zu berührenden Aussprachen gibt es in der abwechslungsreichen, spannungsgeladenen Story eine große Bandbreite an verschiedenen Szenen und Gefühlen, die alle wunderbar greifbar vermittelt werden. Insgesamt ergibt sich eine berührende Geschichte, in die spannende Science-Fiction-Elemente super mit eingeflochten wurden.
 
"Sie haben ein Monster aus mir gemacht.", sagte er ganz ruhig.
Der General presste die Lippen aufeinander. "Ich habe Sie besser gemacht"
 

Das Beste am Buch sind jedoch die Charaktere. Aaron ist zwar ganz klar der Protagonist, neben ihm kommen aber auch noch eine Menge anderer Personen zum Zug. Vom Rollstuhl ins Weltall - nach diesem Motto wird der Charakter des Siebzehnjährigen gestaltet. Eine ziemliche Herausforderung würde ich sagen, immerhin müssen seine Gefühle und Gedanken während der rasanten Entwicklung immer nachvollziehbar und authentisch bleiben. Von der Lösung, die uns hier präsentiert wird, bin ich wirklich überzeugt. Auch wenn er viel zu kämpfen hat, verliert er nie die Zuversicht, auch wenn er Angst hat, schafft er es sie zu besiegen und auch wenn er Fehler macht, biegt er sie wieder gerade. Es wurde ein Charakter erschaffen, mit dem sich wohl jeder Teenager identifizieren kann und der auf der Suche nach sich selbst eine ordentliche Portion Mut findet. (Die tollen Illustrationen sind übrigens von Verena P., welche ihr auf Instagram unter @veratricapilla findet)
 
"Sie wussten nicht, ob es der richtige Weg war, doch sie wussten, dass es eine Chance gab, Erfolg zu haben. Jetzt war es an der Zeit für die beiden Frauen in den krieg zu ziehen und das zu tun, was sie immer taten: Siegen."
 
 
Auch die mächtige Kriegerin Milena mit der silbernen Haut und den goldenen Locken konnte mich sehr überzeugen. Sie ist nur ein Beispiel für die Darstellung von Power-Frauen in diesem Buch, die endlich mal reale Eigenschaften und eine wichtige Rolle zu spielen haben und nicht einfach nur Abziehbilder von Wunschvorstellungen und Vorurteilen sind, die Männer vom weiblichen Geschlecht leider manchmal haben.
 
 
"Ich heile schnell, aber meine Wut kennt keine Grenzen." (...) Der Feind wird mich nicht sehen, wenn ich zuschlage. Ich werde wie ein Schatten in der Dunkelheit sein. Ein tödlicher Schatten."
 
 
Das Ende ist sehr offen gehalten und macht Hoffnung auf eine Fortsetzung, in der Aaron das Universum entdecken und vielleicht auch Vanya besuchen darf. Mich würde es auf jeden Fall sehr freuen, noch mehr von Milena und Aaron lesen zu dürfen.

 
Zum Abschluss noch mein Lieblingszitat:
 
"Wenn jeder Mensch das einmal sehen könnte, wäre die Welt ein besserer Ort.", überlegte Aaron und war davon tief überzeugt. "Ein schöner Gedanke.", stimmte Milena zu. "Auch wenn die Welt zu kompliziert ist, um Menschen durch den Anblick von Schönheit zu verändern."
 
 
Fazit:
 
 Ein spannender wie berührender Roman für junge Erwachsene, welcher die Hoffnung schenkt, dass allem etwas Positives abgewonnen werden kann und jedes Leben lebenswert ist. Spannend, unkonventionell und definitiv lesenswert!
 
 
(Quelle der Bilder: clemens-blaim.com)

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