Dienstag, 30. Mai 2017

Ein schwarzes Feuer



Allgemeines:
 
Titel: Ein schwarzes Feuer
Autor: Sarah Marie Keller
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform (21. Juni 2014)
Genre: Fantasy
ISBN-10: 1500174025
ISBN-13: 978-1500174026
Seitenzahl:  284 Seiten
Preis: 9,99€ (Taschenbuch)
3,99€ (Kindle-Edition)
Weitere Bände: Ein dunkler Funke;
Eine weiße Glut
 
 
Inhalt:

"Der Brand lodert", dachte Dagul und versuchte, sein Zittern unter Kontrolle zu bekommen. Er konnte den Anblick nicht ertragen und wandte sich vom Fenster ab. "Ich bete, dass uns der Erlöser vergeben wird!"
 
Der zweite Weltenbrand ist entfacht.
 
Unaufhaltsam erobert die Wolfsarmee unter der Führung von Xendors Herrscherin Elara ein Königreich nach dem anderen. Als Elara dann die Kontrolle über den Dritten Todesengel erlangt, einer der schrecklichsten Vernichtungswaffen aller Zeiten, scheint die Lage hoffnungslos.
In einem fremden Land gestrandet, entscheiden sich Garian, Taya, Uruk und Noa zu kämpfen, und zu tun, was in ihrer Macht steht, um Elaras Streitkräfte aufzuhalten.
Doch dazu sind die vier Freunde gezwungen, sich voneinander zu trennen.
Und so führen ihre Wege sie in die lebensfeindlichen Eiswüsten des Ewigen Winters und auf die blutigen Schlachtfelder von Berial. Ob sie einander wiedersehen werden, ist fraglich. Denn der Kampf gegen die Xendorier wird einen hohen Preis von ihnen fordern...
 
 
 
Bewertung:
 
DICLAIMER: Da dieses Buch der zweite Teil einer Trilogie ist, sind mögliche Spoiler über den ersten Teil nicht auszuschließen.
 
Als ersten ein riesen großes Dankeschön an Sarah Keller, die uns ihr Roman als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt und uns somit an diesem wunderbaren Abenteuer teilhaben lassen hat!


Erster Satz:
"Prinzessin Elara befand sich im sonnenerfüllten Morgensalon von Königin Lyndira."


So beginnt die Geschichte gleich angeschlossen an den ersten Teil: Die größenwahnsinnige Gebieterin von Xendor, Elara, hat das Königreich Minaskai erobert und im Epilog des ersten Teiles den Paladin Kelrik Dalaros mit Hilfe einer Sklavenkrone gefügig gemacht.
Unsere drei Freunde Freunde Garian, Uruk, Taya und Noa befinden sich nun im Reich der Elfen, nachdem sie durch die Invasion der Xendorier gezwungen waren, aus Minaskai zu flüchten. Währenddessen kommen Elara und ihre Wolfsarmee dem Todesengel immer näher und besetzten bald auch weitere Königreiche des großen Menschenkontinents Berial. Als der Orden der Schenra-Vey dann den dritten Todesengel ausgegraben und funktionstüchtig gemacht hat, gibt es für Elara kein Halten mehr. Ihr Ziel: Die ganze Welt erobern.
Um den zweiten Weltenbrand zu stoppen beschließt Noa, zusammen mit Taya zu seinen Leuten zurückzukehren, während Garian und Uruk sich den weißen Rittern anschließen, die versuchen, Minaskai wieder zurückzuerobern. Doch um den Kontinent zu retten und die verrückte Kinderkönigin aufzuhalten, sind einige Opfer nötig...


"Du hast vieles verloren", antwortete der Schamane, "doch nicht alles. Und du bist nicht allein. So lange wir zusammenhalten, ist keiner von euch alleine. Das dürft ihr niemals vergessen. Im Miteinander liegt Hoffnung!"


Wieder ist das Buch von der ersten bis zur letzten Seite mitreißend und spannend. Eigentlich hat das Buch mit knapp 220 Seiten nur sehr wenig Umfang, umso beeindruckender ist es, was in den wenigen Seiten alles beschrieben wird. Jedes Ereignis scheint genau abgewägt und mit richtiger Länge ausgearbeitet, sodass keine Stelle langatmig wirkt, aber auch nirgends Löcher entstehen.

Dazu hat auch wieder der gut ausgearbeitete Schreibstil der Autorin beigetragen. Die Wörter fließen geradezu präzise über die Seiten, sodass eine spannende und mitreißende Atmosphäre geschaffen und jedem Ereignis oder Gefühl einen super Schliff gegeben wird.


"Wir haben ihm seine Identität genommen, all seine Erinnerungen, und ihn zu dem gemacht, was er am meisten verachtet. Wenn er die Wahl hätte, wofür würde er sich entscheiden: so weiterzuleben – oder zu sterben?"Aber er glaubte, die Antwort zu kennen."


In vielerlei Hinsicht entwickelt sich das Buch während dieses zweiten Teiles weiter. Die Charaktere machen einen großen Sprung, die Handlung wird gewaltiger und auch das Setting wird mehrgeteilt. Insgesamt ist der Fokus, der während des ersten Teiles noch sehr auf Minaskai und Dayrelia lag, nicht mehr wirklich zu spüren, stattdessen tauchen drei neue Handlungsorte auf: Medoran, das Land des ewigen Winters, in die Noa und Taya reisen um die Schenra-Vey aufzusuchen, die Elfenstadt Beschar, in der Uruk und Garian zur Kriegern weitergebildet werden und ... das Innere des Todesengels, mit dessen Hilfe Elara die ganze Welt zu zerstören droht. Mir hat es sehr gefallen, dass auch hier wieder die Perspektiven aufgeteilt sind, vor allem, da das diesmal auch für die Standorte der Hauptpersonen gilt. So ist es sehr spannend, wenn auch manchmal einfach zum Verrücktwerden, dass die unterschiedlichen Figuren an unterschiedlichen Orten Dinge erfahren, aufeinandertreffen, wieder getrennt werden und ganz verschiedene Sichtweisen auf die globalen Ereignisse vermitteln.

Gut gefallen hat mir hier vor allem, dass die Autorin sich in ihrem Weltenaufbau - in Band ein noch klar an Fantasy-Größen wie J.R.R. Tolkien und Christopher Paolini orientiert - immer mehr von typischen Fantasywelten gelöst und eigene kreative Ideen auf den Weg gebracht hat. So etwas wie einen riesigen Todesengel auszugraben, habe ich noch nie in einem Fantasy Roman gelesen, obwohl mich das palastähnliche, tödliche Flugungeheuer ein wenig an die Todesterne aus Star Wars erinnert hat...


"So wie die Zukunft, die du durch die Magie siehst, nicht unveränderlich ist, genauso wenig ist dein Leben von vornherein festgelegt. Natürlich macht das all die Schmerzen und Ungerechtigkeiten noch sinnloser. Aber das ist der Preis dafür, frei zu sein und nicht der Spielball irgendwelcher Götter!"


Auch wenn die Charaktere für mich insgesamt immer noch ein bisschen distanziert blieben, mochte ich die Entwicklungen, die die einzelnen Figuren durchmachten, sehr spannend!

Wir lernen nun auch endlich mehr über den geheimnisvollen Noa, besuchen den Orden der Schenra-Vey und auch Dagul wird ein kleines bisschen besser verständlich. Was im ewigen Winter noch so alles ans Licht kommt, ist einfach unglaublich! Noa und die Schenra-Vey bringen durch ihre Denk- und Glaubensart eine ganz neue Dimension in diese Geschichte. Vor langer Zeit vor seiner eigenen Bestimmung und Rolle in der Erfüllung von Dalans Prophezeiung geflohen, erkennt der junge Magier, dass nun, wo alle Zeichen auf den Beginn eines zweiten Weltenbrandes hindeuten, an der Zeit ist, zu seiner Familie zurückzukehren und alles in seiner Macht stehende zu tun, um die Welt zu retten. Doch was ihm nicht klar ist: während er nicht an so etwas wie Schicksal glaubt und denkt, jeder ist seines Lebens eigener Herr, würden die Ordensmitglieder alles tun, damit Dalans Prophezeiung in Erfüllung geht. Sogar einen ganzen Weltenbrand nur deswegen zu entfachen...? Als Noa und Taya langsam hinter alle Geheimnisse kommen, ist es längst zu spät.
Die beiden sind durch ihre gemeinsame Gabe und die Reise zu einem wirklich guten Team geworden, auch wenn von Taya aus, etwas mehr zu erkennen ist, wie Freundschaft. Sie beginnt so langsam, ihre Gabe zu akzeptieren und damit zu leben, eine Magierin zu sein.


"Es ist nicht wichtig, was die Welt von dir denkt. Wichtig ist nur, was du selbst von dir denkst." (...) "Ich werde niemals ein normales Leben führen können! Die Magie wird mich immer brandmarken! Ich will nicht allein sein!" (...)
"Willst du wirklich wie alle anderen sein, Taya? Willst du dein ganzes Leben damit verbringen, es anderen recht zu machen? Darauf angewiesen sein, was die anderen von dir denken? Willst du austauschbar sein?"


***Spoiler Warnung***

Ich hoffe wirklich, dass Noa Seele nach der Zeremonie nicht wirklich vollständig verloren ist und bin schon total gespannt, ob die Übernahme von Dalans Seele klappt, wie geplant. Wird er glücklich sein, auferweckt zu werden? Kann er die Welt überhaupt retten? War Noas Opfer nötig? Ich bin wirklich sehr gespannt, wie sich dieser Handlungsstrang entwickelt, genau wie Kelriks Geschichte und hoffe sehr, dass es für die beiden ein gutes Ende nimmt!
Was mich übrigens wirklich extrem aufgeregt hat, ist der Tod Daguls, den ich viel zu cool fand, um einfach in einem Luftschiff in die Luft zu fliegen *schmoll*.

***Spoiler Ende***


"Es gab keine Gerechtigkeit im Krieg", hatte Kelrik einst gesagt. "Nur Wahnsinn und Zerstörung." "Warum habe ich ihm nicht geglaubt?", fragte sich Garian.


 Doch nicht nur Taya und Noa riskieren ihr Leben für ihre Welt, sondern auch Uruk und Garian kämpfen für die Rettung von Berial. Die beiden Jungs, so unterschiedlich stark sie auch sein mögen, sind beide gleich unvorbereitet für einen echten Kampf und im Krieg total verloren. Uruk, der leicht dickliche aber große Ork, der sich mehr für Bücher, als für Schwerter interessiert, hat große Angst vor dem Kämpfen und überwindet diese nur für seinen besten Freund - Garian. Der trainierte und ausgebildete Krieger der Sturmklingen ist zwar für einen Krieg gewappnet, doch innerlich absolut nicht auf die Grausamkeit und Hektik der verheerende Schlacht vorbereitet, in die die beiden verwickelt werden und aus der nur wenige Überlebende hervorgehen. Wir hatten die beiden als starke Heranwachsende kennengelernt, doch in dieser Schlachtszene kamen sie mir vor, wie verlorene Kinder, die man unbedingt vom Schlachtfeld retten sollte. In vielen Dingen haben sich die beiden also schon weiterentwickelt, sind erwachsener, autonomer und selbstsicherer geworden, doch durch die vielen schrecklichen Ereignisse sind sie auch gezeichnet worden. Und das wird auch nicht vernachlässigt!


"Bis zu diesem Zeitpunkt seines Lebens war Garian immer überzeugt gewesen, die langen Jahre des Trainings und der unendlichen Übungskämpfe, all die Worte seines Vaters über Taktik und Kampfkunst hätten ihn auf diesen Augenblick vorbereitet, als die Welt zerriss und sich Wahnsinn und Chaos aus ihren Trümmern erhoben. Doch er hatte sich geirrt. NICHTS hatte ihn darauf vorbereitet!"


Wieder werden die brutalen Kämpfe nicht romantisiert, sondern die Szenen detailliert und voll unnötiger Grausamkeit beschrieben, die einem klar macht, dass dieser Krieg zu nichts führen wird, was gut oder heldenhaft ist, sondern bloß tausenden Menschen, Orks und Elfen den Tod bringt. Furchtbar - aber leider realistisch.

Wer sich in meiner Vorstellung immer mehr gewandelt hat, war Elara, die jugendliche Herrscherin von Xendor und bald des ganzen Kontinents. Sie ist eine labile und grausame Göre, deren Stimmungsschwankungen ein ganzes Land und später einen ganzen Kontinent knechten. Sie sucht nach Macht, Zerstörung und vor allem nach Belustigung, die ihre schreeeeckliche Langeweile vertreibt. Während des Buches bekommen wir ihre heftigen Stimmungsumschwünge immer stärker zu spüren, bekommen aber für kurze Augenblicke auch einen Einblick in die Schwäche der Königin, die Mängel, die die bunt geschminkte, wunderschön gekleidete, machtvoll gebärende Fassade verstecken: von Geburt an fehlen ihr die Beine, deshalb der schwebende Thron, ihr durchschnittliches Gesicht lässt sie mit kunstvollen Bildern bemalen, eigene Unsicherheit wird zur Knechtschaft für alle "Rassen". Wirklich spannend, ihre Geschichte mit zu verfolgen.


"Elara spürte die Wellen aus purer Macht und Zerstörungskraft, die von dem finsteren Gebilde ausgingen. Sie war nicht fähig, auch nur ein Wort zu sagen. Ehrfurcht ließ sie erzittern. Sie war vollkommen gefangen von der dunklen, abstoßenden Schönheit der Himmelsfestung. "Der Dritte Todesengel, Eure Hoheit", sagte Dagul. "Er gehört nun Euch!"


Interessant fand ich auch, dass mehrmals der freie Wille und das Schicksal angesprochen wurden und die Vorstellungen der Charaktere dazu ganz unterschiedlich sind. Insgesamt wird aber ganz schön vermittelt, dass keine Prophezeiung der Zukunft, keine genau Weltvorstellung, kein Plan jemals in Stein gemeißelt ist, stattdessen jeder seines eigenen Glücks Schmied ist und seine eigenen Entscheidungen treffen kann und soll. Das Schicksal steht nicht als etwas Absolutes da, sondern etwas, zu was man sich willentlich entscheiden kann, wie zum Beispiel eine vorbestimmte Rolle einzunehmen, wie Noa, oder seinem besten Freund in die Schlacht zu folgen, wie Uruk. Ich finde das sehr aufmunternd und Mut machend.


"Du bist verrückt", wiederholte er. Die beiden Freunde fielen sich in die Arme und klopften sich gegenseitig auf den Rücken. "Wenn ich schon sterben muss, dann neben dir", sagte Garian.


Tja, das Ende kam mal wieder viel zu schnell - und mit einem miesen Cliffhanger!!!
Jetzt bin ich einfach total gespannt auf den nächsten Teil und hoffe auf einen epischen aber auch gefühlvollen Abschluss, der dieser Reihe würdig ist.
 
 Abschließend noch ein paar Worte zum Cover und der sonstigen Aufmachung. Zusehen ist ein Mann in Kriegsmontur - eine Rüstung mit Kettenhemd, ein Schwert, das er vor seinem Gesicht nach oben hält, ein Schild mit dem Wappen der Silberwölfe (Xendor) und .... eine dunkle Krone, die wahrscheinlich die Sklavenkrone darstellen soll. Ich vermute, dass das Cover demnach den neuen Kriegsmeister der xendorischen Armee zeigen soll: Kelrik Dalaros. Insgesamt in braun, gelb und rot-Tönen gehalten und mit den umherfliegenden Funken und Staubpartikeln wirkt das Bild eher weniger magisch und mehr kriegerisch. Ein bisschen gestört hat mich, dass man das Gesicht des Mannes sehen kann, da ich mir Kelrik ganz anders vorgestellt hatte. Doch insgesamt ist es ein schönes Cover, was definitiv neugierig auf die Story dahinter macht. Auch der Titel passt wieder perfekt. Er klingt interesseweckend, ist nicht allzu gewöhnlich, spielt gut auf die Handlung an und bildet mit dem ersten eine Einheit. Leider habe ich hier einige Rechtschreibfehler entdeckt, die mich aber nicht sonderlich gestört haben.

 
"Es ging ihnen nur darum, ihre Feinde zu vernichten. Nur hatten die meisten vergessen, warum sie mit ihnen verfeindet waren, um was es in diesem Krieg überhaupt ging, wie und warum er begonnen hatte."

 
Fazit:

Eine wunderbare Fortsetzung zu einer vielversprechenden neuen Fantasy Reihe, die in eine Welt voller Magie, Intrigen, Krieg und Freundschaft entführt!




Und zum Abschluss noch mein Lieblingszitat:

"Liebe gibt und viel", dachte Taya, "aber sie kann uns auch mehr verletzten als alles andere."
 


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