Donnerstag, 25. Mai 2017

Feuerprüfung


Allgemeines:

Titel: Feuerprüfung - Wenn Freundschaft keine Regeln kennt
Autorin: Brigitte Blobel
Verlag: Arena (4. Januar 2016)
Genre: Roman
ISBN: 978-3401508535
Seitenzahl: 240 Seiten
Preis: 6,99€ (Taschenbuch und Kindle-Edition)



Inhalt:

Früher waren Coco und Nelly ein Herz und eine Seele. Doch seit Cocos Unfall dreht sich alles nur noch um die ältere Schwester. Da kommt Nelly die neue Aufmerksamkeit von Mädchenschwarm Tomke gerade recht. Voller Hoffnung schließt sie sich seiner Clique an und gerät dabei nach und nach in einen Strudel aus Mutproben, Erpressung und Gewalt, aus dem nur Coco sie befreien kann.


Bewertung:

Dieses Buch habe ich durch Zufall gelesen, als ich gerade nichts anderes hatte. Ich hatte noch nie etwas von dem Roman oder der Autorin gelesen, doch der Klapptext klang spannend....
...und er hielt, was er versprochen hat.
Erster Satz: "Obwohl Coco es längst raushat, wie sie mit dem Fahrrad die meisten roten Ampeln umfahren kann, klappt es nicht immer."
So beginnt das Buch aus Cocos Sicht mit einem kurzen Prolog, der zeigt, was vor dem Unfall geschah. Dann geht die Geschichte wirklich los und Coco erwacht aus dem Koma. Unmenschlicher Schmerz empfängt sie – und die Gewissheit, dass sie ihre große Liebe Tomke verloren hat. Das Letzte, woran sich Coco erinnern kann, ist die hässliche Szene vor dem Lagerfeuer, als sie die Clique zur Rede gestellt hat.    
Seit ein paar Stunden hatte sie gewusst, dass die Clique systematisch jüngere Schüler drangsalierte, sie beklaute und um Bargeld erpresste. Sie wollte weg, die Clique verlassen. Da flippte Tomke aus. Coco landete im Feuer und später mit schwersten Verbrennungen im Krankenhaus. Es dauert eine ganze Weile, bis Coco weiß, was anschließend mit der Clique passiert ist und erst mal aufatmet. Tomke wird künftig eine andere Schule besuchen, Coco muss ihm nicht mehr täglich begegnen. Wenn sie denn erst überhaupt wieder in die Schule gehen kann. Vorläufig muss sie im Krankenhaus bleiben und Operation um Operation über sich ergehen lassen. Die Eltern machen sich große Sorgen um sie. So große, dass sich die jüngere Schwester Nelly zurückgesetzt fühlt. Nelly kann damit nicht recht umgehen. Da ist es für sie wie eine Offenbarung, dass Tomke, für den sie schon immer heimlich geschwärmt hat, sich für sie interessiert.
Nelly ist noch nicht so reif, wie es Coco war. Sie will nicht sehen, dass die Clique um Tomke sie mit in den Abgrund reißt. Je länger Nelly mit ihr verkehrt, desto stärker verstrickt sie sich in den Machenschaften der Jugendlichen. Gewalt beginnt, Nellys Leben zu beherrschen. Coco ist die Einzige, die die Gefahr, in der Nelly steckt, richtig einordnen kann. Sie muss versuchen, ihre Schwester aus den Fängen von Tomke und seiner Clique zu befreien.


Das Buch beinhaltet insgesamt drei Teile, das jeweils aus verschiedenen Sichten geschrieben ist. Der erste und der letzte stellt Coco in den Mittelpunkt, im zweiten geht es um ihre 14jährige Schwester Nelly. Ich muss zugeben, dass das Buch wirklich hart zu lesen war. Nicht nur, weil man mit den Charakteren mitleidet und zusehen muss, wie die beiden Mädchen immer wieder ins offene Messer laufen, sondern auch weil die Typen am Schluss alle davon kommen (Tschuldigung für den Spoiler). Man fühlt sich einfach unglaublich hilflos gegenüber der übermächtigen Clique und kann gut nachvollziehen, wie es Coco und Nelly gehen muss. Dabei passiert während der Geschichte nicht unendlich viel, doch da die Gefühle und Gedanken der Mädchen im Vordergrund stehen, bleibt es immer spannend und ich habe die 240 Seiten in wenigen Stunden durch.
Coco steht ein kleines bisschen mehr im Vordergrund wie ihre kleine Schwester Nelly und mit ihr konnte ich mich auch besser identifizieren. Ich mochte sie grundsätzlich sehr, auch wenn sie am Anfang sehr unreif und naiv wirkte. Wie sie sich nüchtern und konsequent der ganzen Clique entgegen stellt und viel Mut aufbringt, um ihre kleine Schwester zu verteidigen, hat mir sehr gut gefallen. Sie macht sich selbst zur Außenseiterin, zum potentiellen Opfer und das nach alles, was sie über die Clique weiß - sie schrecken vor nichts zurück - weshalb es umso erstaunlicher ist, dass sie sich freiwillig in die Schussbahn begibt. Gut nachvollziehbar und wirklich ergreifen fand ich auch die Ängste von Coco, die durch ihre Verbrennungen verunstaltet ist und sich davor fürchtet, nie wieder anziehend zu sein. Während die Ärzte und Schwestern versuchen, dem Mädchen Mut zu machen, sich mit ihrem Körper auseinander zu setzen, blockt sie ab und sieht hinter jeder Geste ein mögliches Indiz dafür, dass ihr die Heilungschancen viel zu rosig geschildert werden.
Auch Nelly ist verständlich und begründet aufgebaut. Auch wenn ich ihre Entscheidungen oft nicht nachvollziehen konnte, da sie 14 und sehr unreif und naiv ist, war es spannend, ihre Gedanken zu verfolgen. Denn den Drang dazuzugehören, anerkannt zu werden, kennt wohl jeder Jugendliche, auch wenn vielleicht nicht jeder soweit gehen würde, wie Nelly.
Besonders auch die Beziehung zwischen den beiden Schwestern war hervorstechend gut beschrieben. Die beiden sind zwar oft nicht einer Meinung, meinen sich zwischenzeitlich sogar etwas zu hassen, doch dennoch verbindet sie etwas ganz besonderes, das auch bis zum Ende überlebt und den Roman zu einer schönen Geschwistergeschichte macht.
Als großen Logikkritikpunkt muss ich aber anführen, dass die Story viel zu sehr auf die beiden Schwestern polarisiert ist. Warum bemerken Eltern und Lehrer keine Veränderungen und greifen ein? Muss das wirklich in der Verantwortung einer jungen Schwester liegen? Manchmal treten ganze Löcher in der Erzählung auf, in die eine andere Person gepasst hätte. Meiner Meinung nach ist der Fokus nicht ganz richtig gewählt.
Kurz vor Schluss noch einige Worte zur äußerlichen Gestaltung. Das Cover ist ganz in Schwarz-weiß gehalten und zeigt ein Mädchen in einem Top mit einem Flammen - Tattoo. Eigentlich passt das Cover sehr gut, auch durch die Flammen, was eine Anspielung auf den Titel und den Inhalt ist, ist mir aber doch etwas zu trist und langweilig. Vielleicht hätte man es etwas spektakulärer gestalten und auch den Titel mehr hervorheben können. Denn dieser passt wirklich perfekt!
Die Autorin verwendet einen ganz einfachen, dennoch angenehmen Schreibstil, der gut zu den Jugendlichen passt. Mit Feuerprüfung wendet sich Autorin Brigitte Blobel ganz klar an die Gesellschaft. Sie erzählt auf eine sehr eingängige Art, wie sich Gruppendruck aufbaut und wie schwer es ist, dem entgegen zu treten. In diesem Roman katapultiert es Coco von einem Moment auf den anderen aus der Gruppe hinaus in die Position der Gegnerin. Dies, obwohl sie sich lediglich distanzieren wollte, also die Gruppe selber (noch) nicht unter Druck setzte, um die gestohlenen Dinge zurück zu geben.
Es geht um Manipulation, Gruppenzugehörigkeit, Freundschaft  und Mobbing, Themen, die hochaktuell sind.


Fazit:

Ein spannender und nachdenklicher Roman, der definitiv mehr Aufmerksamkeit verdient!

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