Dienstag, 12. Dezember 2017

Klassiker Challege: Dr. Jekyll und Mr. Hyde


 


Allgemeines:

 
Titel: Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde
Autor: Robert Louis Stevenson (1850–1894)
Genre: Horror Novelle
Originaltitel: Strange Case of Dr Jekyll and Mr Hyde
Erstveröffentlichung: 5. Januar 1886
 
 


Inhalt:

 
 
Als ein kleinwüchsiger Mann mit erschreckend bösartigen Gesichtszügen in seinem Umfeld auftaucht, der ein ausgesprochen schlechtes Benehmen an den Tag legt, auch vor Gewalt nicht zurück schreckt und mit seinem respektablen, gutherzigen Freund Dr. Henry Jekyll verbunden zu sein scheint, wird der Anwalt Gabriel Utterson neugierig und macht sich daran, dem dunklen Geheimnis nachzuspüren, dass hinter den beiden Figuren Mr. Hyde und Dr. Jekyll steckt. Bald bestätigt sich der schaurige Verdacht: die beiden gegensätzliche Charaktere sind zwei Seiten derselben Münze - das personifizierte Gute und das Böse ein und dieselben Person, die sich beide im Gleichgewicht befinden. Während Utterson dem Geheimnis immer näher kommt, gewinnt jedoch die Person des Mr. Hydes die Oberhand, was dunkle Konsequenzen hat...
 
 


Diskussion:


Wie seid ihr mit der Sprache klargekommen?

Sophia: Grundsätzlich muss beim Lesen eines "Klassikers" immer klar sein, dass man sich mit Literatur aus vergangenen Jahrhunderten befasst und nicht den neusten Nicolas Sparks Roman in der Hand hält. Die Sprache ist also selbstverständlich anspruchsvoller und erscheint dem Durchschnittsleser eher altertümlich in der Wortwahl und Satzstrukturierung. Das ist auch bei diesem Werk eindeutig festzustellen, wobei ich hier kein wirkliches Problem hatte. Natürlich muss man sich im Lesetempo etwas zurücknehmen, die Formulierungen sind aber so elegant und wunderbar geschliffen, sodass man das auch aus heutiger Sicht als angenehmen Stil bezeichnen kann. Viele seltsame Konstruktionen dienen außerdem anspruchsvolle dem Aufbau einer gruseligen Atmosphäre, zu der die düstere Sprache natürlich wunderbar passt. Wenn man also mit der Einstellung an den Roman heran geht, sich genügend Zeit zu lassen um die Sprache einfach auf sich wirken zu lassen, hat man - denke ich - keine größeren Verständnisprobleme zu erwarten.
 
Magda: Mir war natürlich schon vorher klar, dass die Sprache bei einem Buch aus 1886 nicht mehr ganz standartgemäß ist. Dennoch war ich tatsächlich überrascht, wie gut sich die Geschichte hat lesen lassen! Wenn man erstmal durch die ersten paar Seiten durch ist, merkt man schon fast gar nicht mehr, dass man es mit einem Klassiker zu tun hat und die aufrechterhaltene Spannung hat es mich persönlich schon fast vergessen lassen.


Wie fandet ihr die Konstruktion der Handlung (Spannung, Charaktere, Twists...)?

Sophia: Insgesamt ist die Handlung wunderbar konstruiert. Zwar besteht nicht lange ein Zweifel daran, dass es sich bei dem angesehenen Dr. Jekyll und seinem dunklen Begleiter Dr. Hyde um ein und die selbe Person handelt, doch die Hintergründe und die Entwicklung des Doppelgängers offenbaren sich dem Leser erst im Verlaufe der Seiten. So wird eine grundsätzliche Spannung aufrechterhalten, die Stevenson versteht, durch verschiedene Erzählperspektiven aufzubauen. Die Charaktere sind dabei sehr gegensätzlich und für die wenigen Seiten der Novellen überraschend authentisch gezeichnet. Der Rechtsanwalt Utterson ist ein sehr interessanter Protagonist, der jedoch Großteils nur die Rolle der erzählenden Instanz einnimmt. Der wahre Hauptcharakter der Geschichte ist Dr. Henry Jekyll, der mit einer gespaltenen Persönlichkeit zu kämpfen hat und somit sein böses Abbild Mr. Hyde erschafft. Der gutherzige Arzt ist hoch angesehen und erfolgreich, während sich Edward Hyde aufbrausend und ungezügelt allen Lastern hingibt. Der Zwiespalt der Charakter und ihre Gefühle dabei konnte ich erstaunlich gut nachvollziehen.
 
Magda: Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich mir unter der Geschichte von Dr. Jekyll und Mr. Hyde immer ein bisschen etwas anderes vorgestellt hatte. Ich hätte gedacht, dass insgesamt mehr passiert und dass es gruseliger ist. Vielleicht setzen die heutzutage sehr aufwendig produzierten Horrorfilme, einen zu hohen Maßstab, sodass ein Gruselroman aus dem 19. Jahrhundert einfach nicht mehr genug ist um mich aus der Fassung zu bringen. Die Atmosphäre des Romans ist meiner Meinung nach jedoch sehr finster und mysteriös, was definitiv seinen Reiz hat und mir auch wirklich gut gefallen hat! Ich hätte erwartet, dass die Handlung aus der Perspektive von Dr. Jekyll erzählt wird, weshalb es mich natürlich sehr überrascht hat, als dem nicht so war. Nichts desto trotz finde ich, dass die Erzählperspektive einen sehr guten Einblick in die Geschichte gibt und sie um einiges interessanter und vor allem spannender macht.

 
Ist das Thema des Romans noch zeitgemäß? Inwiefern lässt es sich auf die heutige Zeit beziehen?
 
Sophia: Ich finde eindeutig ja! Das Thema des Bösen im Menschen und der zwei Gesichter in einer Person wurde seit der ersten Veröffentlichung oft in anderen Romanen thematisiert, stellt aber bis heute viele modernere Gruselgeschichten in den Schatten. Das "Doppelgängermotiv" zeigt einen grundlegenden Konflikt des Individuums in der Gesellschaft, den man gut mit Sigmund Freuds Psychoanalyse beschreiben kann: das "Ich" findet keine stabile Mitte zwischen "Es" (Mr. Hyde) und "Über-Ich" (Dr. Jekyll), sodass es unter Kontrollverlust leidet.
So haben sich auch Komponisten, Comiczeichner und Regisseure durch die Gedanken des Buches inspirieren lassen, Auch an den weit über 100 filmischen Adaptionen sieht man denke ich sehr gut, dass das Thema die Menschen durch die Epochen beschäftigt hat und auch heute noch als zeitgemäß betrachtete werden kann.
 
Magda: Auf jeden Fall! Die Menschen waren schon immer fasziniert von der Vorstellung, dass ein Mensch gleichzeitig gut und böse sein kann. Ich denke das Buch zeigt sehr gut, dass man Dinge eben nicht nur in schwarz und weiß einteilen kann, sondern dass in jedem Menschen auch etwas nicht so Gutes schlummert. Dem Bösen eines Menschen in Form von Mr. Hyde Ausdruck zu verleihen, finde ich eine wirklich gelungene und auch immer noch sehr zeitgemäße Idee, welche ganz eindeutig viele weitere Werke inspiriert hat.
 
 


Gesamteindruck: Ein Klassiker und must-read?


Sophia: Über die Geschichte von „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ hat bestimmt jeder allein aufgrund der zahlreichen Verfilmungen schon mal was gehört und weiß grob, um was es sich handelt. Dass das Buch literarisch gesehen aufgrund des Alters und der Wirkung auf die Nachwelt eindeutig als "Klassiker" bezeichnet werden kann, leuchtet bestimmt jedem ein. Ob das die Geschichte aber zum "Must-Read" macht, darüber kann man sich streiten. Ich finde, dass man für dieses schmale Büchlein unbedingt ein wenig Zeit aufwenden sollte, das Stevensons anspruchsvolle und düstere Sprache eine wunderbare Gruselatmosphäre kreiert!

Magda: Eine Gruselgeschichte, die so bekannt ist und so viele Autoren inspiriert hat, kann man meiner Meinung nach definitiv als Klassiker bezeichnen, allein schon wenn man sich die Epoche ansieht, aus der das Buch stammt. Außerdem gehört die Geschichte vom Doktor mit gespaltener Persönlichkeit für mich auch irgendwie zur Allgemeinbildung.


 

Was haltet ihr von der Geschichte?


Jetzt wollen wir natürlich wissen, was ihr von dieser Geschichte haltet.

Kennt ihr sie in einer filmischen Form, habt ihr das Werk gelesen und wenn nicht, würdet ihr euch nach diesem kurzen Meinungsbild heranwagen?
 
Wir würden uns freuen, wenn ihr durch uns die Motivation findet, auch mal einen Klassiker zu lesen und ihn auf euch wirken zu lassen.
Falls ihr also Lust bekommen habt, ganz unverbindlich bei dieser Challenge mitzumachen, lasst einen Kommentar da und ihr seid dabei.
Hoffentlich ergibt sich viel Diskussionsbedarf :-)
 
Liebe Grüße
Magda und Sophia

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