Dienstag, 26. Februar 2019

Brave


 
Allgemeines:

Titel: Brave - Eine Liebe zwischen Licht und Dunkelheit
Autor: Jennifer L. Armentrout
Verlag: Heyne Verlag (11. Februar 2019)
Genre: Fantasy
ISBN-10: 345331977X
ISBN-13: 978-3453319776
Originaltitel: Brave - A Wicked Trilogy Book 3
Preis: 14,99€ (Broschiert)
11,99€ (Kindle-Edition)
Seitenzahl: 448 Seiten
Weitere Bände: Wicked, Torn
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Inhalt:
 
 Zwar konnte sich Ivy aus der Gewalt des dunklen Fae-Prinzen befreien, doch sie hat sich verändert: Etwas Dunkles und Gefährliches scheint in ihr zu wohnen und die Beziehung zu Ren, dem Mann, den sie liebt, zu zerstören. Ren wiederum würde alles tun, um Ivy von ihrem dunklen Fluch zu befreien. Doch Ivy ist klar, dass sie Ren verlassen muss – zumindest für kurze Zeit –, um sich den Fae ein für alle Mal zu stellen. Denn nur wenn sie den dunklen Prinzen und seine Königin besiegen kann, hat sie eine Chance, ihr Leben zu retten. Und ihre Liebe zu Ren …

 
Bewertung:

Obwohl mich die Wicked-Reihe nach einem eher mäßigen Band 1 nicht unbedingt begeistert hatte, musste ich natürlich weiterlesen und der Autorin noch eine Chance geben. "Torn" konnte wieder einiges gutmachen, was "Wicked" liegen gelassen hatte, sodass ich sehr gespannt auf den dritten Teil gewartet habe und noch Hoffnungen hegte. Doch mit einem eher mittelmäßigen Finale wird das Schicksal der Wicked-Reihe besiegelt: sie bleibt im unspektakulären Mittelmaß und kommt an meinen Favorit von Jennifer L. Armentrout -"Dark Elements"- leider absolut nicht heran.

Doch beginnen wir wie immer mit dem Cover. Auch wenn die Gestaltung nicht wirklich outstandig besonders ist, gefällt mir die kräftige violette Farbe, sowie die feine Oberfläche des goldenen Flügelpaars, das als Hauptmotiv abgedruckt ist. Zusammen mit dem leuchtenden Gelb des Titels und der schön geschwungenen Schrift ergibt sich eine runde Gestaltung, die gut in die Reihe passt. Die New-Orleans-Karte in der vorderen Lasche ist diesmal nicht ganz so hilfreich da die Handlung größtenteils in anderen Städten oder in einem Gebäude spielt. Im hinteren Teil des Umschlages ist nochmal ein Rückblick auf die drei Teile der Trilogie gedruckt. Nachdem ich "Wicked" (=böse) als eher mäßigen Titel gesehen habe und "Torn" (=zerrissen) schon viel besser zum Inhalt passte, ist "Brave" wieder nicht unbedingt die einfallsreichste und außergewöhnlichste Wahl. Mein Fazit zur Gestaltung lautet also: ganz nett aber absolut nichts Besonderes - genau wie die Geschichte, die sich hinter den Buchdeckeln versteckt.

Erster Satz: "Das Zimmer war so dunkel, dass ich nichts als einen schwachen Silberstreifen Mondlicht zwischen den dicken Vorhängen erkennen konnte."

Der abschließende Band der Trilogie knüpft ohne große Umschweife direkt an die Handlung des zweiten Teiles an. Ivy ist der Gefangenschaft des Prinzen entflohen doch damit ist sie noch nicht außer Gefahr. Im Gegenteil: sie ist immer noch der Halbling, der für den Winterprinzen das Apokalypse-Baby zur Welt bringen soll, wird vom Orden gesucht, lebt in einer misstrauischen Gemeinschaft von Fae und muss um ihr Leben fürchten während sie mit den traumatischen Ereignissen im Haus des Prinzen noch lange nicht fertig geworden ist. Sie fühlt sich verfolgt, schwach und muss gegen die neue Art von Hunger ankämpfen, die an ihr nagt, seit sie dazu gezwungen wurde, sich zu nähren. Diese Dunkelheit in ihr und ihre Erinnerungen machen ihr fast so sehr zu schaffen wie die reale Bedrohung für sie und alle die sie liebt. Um ihre Liebe zu Ren zu retten muss sie sich schließlich entscheiden, was sie bereit wäre für die Welt zu opfern. Doch dann taucht eine neue Bedrohung auf und alles scheint verloren...

Anders als ich es mir von einem abschließenden Finalband erhofft hatte, werden wir hier nicht durch spannende Handlungsstränge, neue Erkenntnisse und die Vorbereitung auf die alles entscheidende Schlacht unterhalten - die Autorin setzt auf eine ganz andere Karte und konzentriert sich in der ersten Hälfte des Romans komplett auf ihre Protagonistin. Wir erleben mit, wie Ivy unter ihren Veränderungen leidet und wie das Dunkle, Gehetzte, Hungrige in ihr ihre Beziehung zu Ren langsam zerstört. Da eigentlich genug in der Außenwelt los wäre und nach dem recht flotten und spektakulären Mittelteil viele offene Fragen im Raum stehen, ist dieser Start mit der angezogenen Handbremse äußerst unbefriedigend. Statt Action, Entscheidungen, Planung und Bündnisse bekommen wir eine depressive Protagonistin, die in ihrem eigenen Leid vor sich hindümpelt und mit dem Leser zusammen darauf wartet, dass endlich etwas passiert. Als die Handlung dann etwas an Fahrt aufnimmt, wird es jedoch keineswegs besser. Im Gegenteil: Jennifer L. Armentrout schickt ihrem verschlafenen Beginn einen total überhasteten, überhetzten Mittelteil hinterher, der mit dem Tod und Verrat von Protagonisten genauso verschwenderisch umgeht wie mit 180-Grad-Wendungen die für sich gesehen vielleicht spannend wären, jedoch in der Summe hier recht unglaubwürdig wirken und nicht mal halb so gut ausgeschlachtet werden, wie sie hätten können. Als wäre das an Konstruktionsschwächen der Handlung noch nicht genug lässt auch der erhoffte Showdown lange auf sich warten und nimmt dann läppische 12 Seiten ein nur um uns am Ende mit einem Haufen unbeantworteter Fragen und einer nicht beendeten Aufgabe sitzen lässt. Für die fragwürdige Konzeption dieser Handlung muss ich definitiv mindestens 2 Sterne abziehen.


"Ivy." Es folgte eine Pause, in der ich seinen durchdringenden Blick auf mich spürte. "Ich vermisse dich." "Ich bin die ganze Zeit hier", antwortete ich (…) "Körperlich bist du hier, aber das ist auch schon so ziemlich alles." Er wartete auf eine Antwort, und als keine kam, atmete er tief ein und dabei hoben sich seien Schultern leicht. Er stand auf, und als er sprach, zog sich mir bei seinem Ton schmerzhaft die Brust zusammen, denn da war diese... unermessliche Kluft zwischen uns, und sie wuchs immer weiter, dehnte sich aus, bis ich mir Sorgen machte, dass es keine Brücke gehen würde, die lange genug war, dass einer von uns sie überqueren konnte."


Seltsam ist auch, dass die Lovestory hier zwar weiter zugunsten von Zerrissenheit, einigen actionreichen Szenen und vielen neuen Protagonisten ein wenig in den Hintergrund tritt, die Erotikszenen gleichzeitig aber mehr werden und irgendwie unpassend zwischenreingestreut werden. Brenzlige Situation nur knapp überlebt?- Super, danach ein bisschen Abreagieren im Pool. Gefangenen gefoltert? - Kein Problem, ein bisschen Ablenkung ist doch immer gut. Wichtige Diskussion über Leben und Tod geführt - Ach egal, die kann man auch mal mittendrin unterbrechen. Und Schlaf wird natürlich auch total überbewertet. Für die vielen Kopfschüttel-Momente, die dadurch entstehen ziehe ich noch einen weiteren halben Stern ab.

Ansonsten ist alles wie gehabt: auch der schlimmste Mord und Totschlag hält Jennifer L. Armentrout nicht davon ab, uns mit einem humorvollen Unterton ab und zu zum Lachen zu bringen. Zwischen all den romantischen, actionreichen und erschreckenden Szenen nimmt sie mit ihrem treffenden Humor vielen Problemen die Spitze und macht die Geschichte trotz ihrer vielen Schwächen unglaublich unterhaltsam. Wir bekommen es hier wieder mit einer Menge wohlplatzierter Anspielungen auf Disney- Filme, "Harry Potter", "Der Herr der Ringe", "Twilight", "Supernatural" und "The Walking Dead" vorgesetzt. Rens und Ivys Sarkasmus, ihre Zweideutigkeiten, die vielen Insiderwitzen und vor allem die unglaublich lustigen und auch oft peinlichen Konversationen haben mir zusätzlich praktisch ein Dauergrinsen ins Gesicht tapeziert. Wortgewandt, witzig, dabei voller Andeutungen, Metaphern und mit grandiosen Beschreibungen von Gegebenheiten, Ereignissen, Emotionen und magischen Elementen führt sie uns durch die Geschichte, sodass die fast 500 Seiten wie im Flug vergehen


"Ich liebte diesen Mann. Ich liebte ihn, weil er mir hinterherjagte, wenn ich wegrannte. Ich liebte ihn, weil er mich niemals aufgab, nicht mal, als ich gefangen gehalten worden war und auch nicht, als ich dichtgemacht und alle ausgeschlossen hatte. Ich liebte ihn, weil er ein guter Mensch war und selbst wenn mir all das hier egal gewesen wäre und ich hätte abhauen wollen, wäre er bei mir geblieben. Ich liebte ihn, weil ich wusste, dass er nachher neben mir stehen würde, bereit, an meiner Seite zu kämpfen. Ich liebte ihn einfach."


Auch die Protagonisten, die mir doch sehr ans Herz gewachsen sind haben dafür gesorgt, dass die Geschichte kein absoluter Reinfall wird. Die junge Ivy ist eine Kämpferin, die sich nicht hinter einem starken Retter versteckt und gerne das Opfer spielt. Dass sie immer wieder aufsteht, weitermacht und sich durch wenig aus der Ruhe bringen lässt macht sie mir sehr sympathisch. Doch gerade weil wir als Leser mittlerweile wissen, dass sich hinter ihrer toughen Fassade eine ganze Menge Schmerz und anderes emotionales Gepäck versteckt, war es sehr entsetzlich zu sehen, wie sie unter dem Prinzen, ihrer Bürde und der Ablehnung der Welt leidet. Ren, das sexy Mitglied der Elite, ist natürlich cool, aber... er ist nun mal nicht Roth (sorry, Ren aber mit einem sexy Hohedämon der Hölle, der immer einen Spruch auf Lager hat, der seine dämonischen Haustiere nach Disney-Figuren benennt und einfach unwiderstehlich ist, kannst du es leider nicht aufnehmen, grins). Mein absoluter Lieblingscharakter Tink war natürlich auch wieder mit von der Partie. Wir lernten den kleinen Racker als etwa 30 Zentimeter großen Wicht mit einem Temperament für zwei Meter kennen, der gerne all seine kriminelle Energie darauf richtet, Ivys Amazon-Passwörter zu knacken, Cornflakes-Packungen zu klauen, seltsame Orgien mit Trollpuppen zu veranstalten und die Harry-Potter-Filme durch zu suchten. Als eben dieser Brownie dann plötzlich als 1,95 Meter großer, attraktiver Mann in Ivys Wohnung auftauchte und nebenbei erwähnte, dass das eigentlich seine richtige Gestalt ist, war das natürlich eine Überraschung. Nichtsdestotrotz mochte ich ihn auch in seiner großen Gestalt sehr und er konnte mit seiner verrückt-liebenswerten Art und seinen seltsamen Konversationen mit Fabian viele Situationen auflockern. Sehr schön ist auch, dass wir endlich erfahren, was es mit seinem gruseligen Trollpuppen-Faible auf sich hat... ;-)


Fazit:

Ein sehr mittelmäßiges Finale, das aufgrund eines Starts mit angezogener Handbremse, eines total überhetzten Mittelteils und einem lächerlich kurzen Showdown, der mit einer Menge unbeantworteter Fragen zurücklässt, nicht überzeugen kann. Sehr schade - Jennifer L. Armentrout kann das besser!

 


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