Samstag, 24. Juni 2017

Pilgrim - Rebellion

 
Allgemeines:
 
Titel: Pilgrim - Rebellion
Autor: Joshua Tree
Genre: Fantasy
Verlag: Independently published (9. April 2017)
ISBN-10: 152100286X
ISBN-13: 978-1521002865
Seitenzahl: 346 Seiten
Preis: 2,99€ (Kindle-Edition)
12,99€ (Taschenbuch)
Weitere Bände: "Pilgrim 2: Die Verlorenen";
"Pilgrim 3: Die Geächteten" (erscheint in Kürze);
"Pilgrim 4: Die Magier" (in Vorbereitung);
"Pilgrim 5: Die Zerstörer" (in Vorbereitung);
"Pilgrim 6: Die Erlöser" (in Vorbereitung)
 
 
 
Inhalt:
 
Ihre Magie macht sie zu Göttern, doch der Preis ist der Wahnsinn. Können fünf unzertrennliche Freunde sich ihrem Schicksal entgegenstellen? Können sie die tödlichen Geheimnisse des einsamen Berges ergründen?
 
Aus den Wellen eines endlosen Ozeans erhebt sich der Berg Pilgrim. Unter der Herrschaft ihres unsterblichen Anführers, dem Hüter der Seelen, vollbringen seine Bewohner wahre Wunder mit ihrer mystischen Magie, dem Hatori. Quelle ihrer scheinbar grenzenlosen Macht ist die Weltenblume, ein uraltes, mysteriöses Wesen, das tief im Herzen des Berges schlummert. Doch für ihre Magie fordert sie einen Preis: Den Wahnsinn. Magnus, Prinz von Pilgrim und Tzunai müssen mit ihren Freunden Tasha, Tomm und Felix bald herausfinden, dass sich hinter den scheinbar grenzenlosen Wundern ihrer Heimat weitaus mehr verbirgt als sie ahnen. Ist der einsame Berg tatsächlich so einsam, wie sie seit ihrer Kindheit gelernt haben? Warum darf kein Pilgrim älter als 40 Sommer werden? Wohin verschwinden ihre Nachbarn? Welches Geheimnis steckt hinter der Weltenblume? Als Magnus und Tzunai ihre gemeinsame Suche nach Antworten beginnen, ahnen sie noch nicht, dass sie Pilgrim für immer verändern werden, denn die Rebellion hat gerade erst begonnen. Ihr Ausgang ist ungewiss, die Konsequenzen verheerend und während ein magischer Krieg entflammt, richten sich die Blicke finsterer Mächte auf den einsamen Berg, die seit Jahrtausenden auf diesen Moment gewartet haben...
 
 
 
Bewertung:
 
DISCLAIMER: Als erstes Mal ein großes Dankeschön an den Autor Joshua Tree hinter der Geschichte, der uns das Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. Wie immer ist die Rezension trotzdem eine ehrliche Wiedergabe meiner Meinung!
 
 Zuerst einige Worte zum Cover: Zusehen ist ein rostiger Ring mit einem Berg, Häusern und darunter dem Meer schemenhaft in schwarz-weiß wiedergegeben. Gehalten wird dieser Ring durch zwei knochige Hände mit krallenartigen Fingernägeln, die das Geschöpf böse aussehen lassen. Der obere Teil des Coverbildes ist von mystischen grauen Rauchschwaden verdeckt, die wunderschön den Titel umschmeicheln. Die ganze Szenerie hebt sich durch schöne Hell-Dunkel-Akzente wunderbar vom weißen Hintergrund ab und lenkt die Aufmerksamkeit des Betrachters durch die Farbe auf den Ring in der Mitte - Pilgrim. Ich finde dieses Arrangement einfach MEGA und für einen Fantasy-trifft-Science-Fiction-Roman eines der schönsten Cover, die ich jemals gesehen habe. Es weckt schon gleich Spannung auf den Inhalt und lässt eine gewisse Fremdbestimmung einer größeren Macht vorausahnen. Auch der Titel passt super, ebenso wie der Klapptext der genau die richtige Länge hat und nicht zu viel preisgibt. So weit in der Gestaltung alles prima, was ich wirklich beeindruckend finde - mal wieder ein Beweis dafür, dass man für ein gutes Design nicht unbedingt einen Verlag braucht!
 
 
Erster Satz: "Melvin Predergast ließ das Protokoll mit dem unübersichtlichen Datenwust des finalen Systemchecks von der linken in die rechte Hand wandern und wieder zurück."
 
 

Doch jetzt zum Wesentlichen! Nach einem netten Vorwort und einem sehr skurrilen aber genialen Prolog, in dem wir Zeuge eines schiefgehenden physikalischen Experiments mit einem Teilchenbeschleuniger werden und auf ein allumfassendes Bewusstsein treffen, welches durch das All schwirrt, beginnt die Geschichte im ruhigen, kontrollierten Pilgrim. Die kleine Stadt Pilgrim bevölkert einen einsamen kegelförmigen Felsen im Meer, ohne je Kontakt zu anderen Völkern oder Lebewesen zu haben. Das Leben ihrer Bewohner ist bestimmt von dem Drang nach Klarheit und Ruhe, Selbstbestimmung und dem Wunsch, den Zustand der inneren Verschmelzung zu erreichen. So leben all strikt durchstrukturiert, nach Lehrjahren, Arbeitsjahren, geteilte Zeit und Individualität ist nicht erwünscht. Wer auf seinem Weg zur Verschmelzung, die man mit 40 Jahren erreicht haben muss, sonst wird man in den Nimbus zu einem weiteren Versuch geschickt, auf Abwege gerät, wird als Wahnsinniger abgeschoben. 
 
 
"Magnus lächelte etwas gezwungen und überkreuzte die Beine. Jetzt musste er sich entscheiden, ob er ihre Freundschaft aufs Spiel setzen sollte, indem er ihnen die Wahrheit sagte, oder indem er sie anlog. Beides konnte potenziell sowohl die Lösung seines Problems, als auch das Ende ihres gemeinsamen Weges bedeuten."
 
 
Um seinen Geist wach und widerstandsfähig zu halten, wird das Hatnam praktiziert, eine Art Kampfsport, der absolute Körperbeherrschung voraussetzt.
Durch eine Art Meditation hat jeder Pilgrim Zugang auf das Hatori, ein Zustand völliger Klarheit, in dem die Sinne besser arbeiten, man alles erreichen kann, was im Bereich der eignen Vorstellungskraft liegt und in dem alle Emotionen und Gedanken ausgeblendet werden. Diese ganz neue und total einfallsreiche Art Magie hört sich an wie ein Traum, aber es ist auch gefährlich, denn das Hatori hat seinen Ursprung in der Weltenblume, einem uralten Wesen, das tief im Berg Pilgrims in einem Kristall schlummert und seine Fühler überall in schwache Bewusstseins steckt. Schon die kleinen Kinder lernen, psychische Mauern zu bauen um ihren verderbten Einfluss abzuschirmen, der immer wieder einzelne Pilgrim in den Wahnsinn zu treiben scheint. Doch für diese Einzelfälle gibt es die "Wächter", die die Probleme schnell wieder aus dem Weg räumen, bevor sie sich auswachsen können. Was schon sehr dystopisch klingt, wird verborgen von der glänzenden, strukturierten Fassade der Gesellschaft, von der auch Magnus, Felix, Tzunai, Tasha und Tomm geblendet werden.
 
 
"Ihre letzten Worte zu mir waren sinngemäß: "Gedanken erschaffen unsere Welt und ich sperre Gedanken nicht weg, nur weil sie dem angeblichen Ziel unserer Seelen widersprechen. Denk nach und finde eine Wahrheit, die für dich stimmt. Darum geht es. Ein Puzzle stück fehlt mir noch und wenn ich es gefunden habe, werde ich das Ergebnis mit dir teilen." Sie hat das letzte Puzzlestück anscheinend gefunden."
 
 
Doch als Magnus Schwester scheinbar beginnt den Verstand zu verlieren und seltsame Fragen stellt, wird der Frauenheld und Prinz aufmerksam: so wirkte sie doch gar nicht wie eine Geisteskranke. Als er dann auch noch eine Nachricht von der mysteriösen Weltenblume persönlich erhält, entdecken er und seine vier Freunde einige Risse im perfekten Mosaik ihrer Welt. Als sie anfangen das System zu hinterfragen, ändert sich auf einmal alles und es entsteht ein komplett neuer Handlungsentwurf, der mich wirklich überraschen konnte.
 
Da das Buch "Rebellion" heißt, bin ich davon ausgegangen, dass eine Rebellion und vielleicht auch ein Krieg starten würden, die sich dann durch die Teile der Saga ziehen würden. Pustekuchen. Nach nicht einmal der Hälfte des Buches ist die "Pilgrim" Problematik erstmal abgeschlossen, gehört der Vergangenheit an, wie die gesamte Gesellschaft und der Schauplatz wird um einige Dimensionen größer, als die Protagonisten die Welt außerhalb Pilgrims erkunden. Eine verwirrende, andere Welt, die sich scheinbar im Mittelalter unserer Zeit abspielt, wo Kaiser und Kirche um die Macht kämpfen und Piraten ihr stilles Dasein führen.
 
 
"Plötzlich hörte er einen gewaltigen Knall in seinem Rücken und ihre verzweifelte kleine Menschenkette wurde von einer gigantischen Druckwelle mitgerissen, wie verwelktes Laub, das der Wind achtlos von der Mauer fegte."
 
 
Für die Protagonisten so wie auch für uns ein krasser Schnitt der wirklich super gemacht ist. Von der durch getakteten Welt in der Meinungen und Individualität als verpönt galten und alles auf Zurückhaltung und Maßregelung beruhte, kommen wir auf ein Schiff, die Schwarze Mähre, voller ungehobelter Piraten, die der Völlerei frönen, keiner Schlacht und keinem Gerangel aus dem Weg gehen und nichts auf Konzentration oder Präzession geben. Zusammen mit den Charakteren müssen wir uns neu orientieren, von den Piraten alles über die neue Situation lernen und werden mit einer neuen Gefahr konfrontiert: die Vindicaner, die es auf die letzten Flüchtlinge Pilgrims und die Überbleibsel der Zivilisation abgesehen haben. Mehrere Handlungsstränge werden angeschnitten und die Erzählperspektiven erweitert. Vom kleinen Kreis der Handlung gehen wir also gleich ins richtige Spielfeld über und die Handlung beginnt so richtig.
 
 
"Ihr seid Schafe, nichts als formlose Schafe in einem hübschen Fell. Wenn ihr nicht unterschiedliche Brandmale tragen würdet, könnte ich euch nicht voneinander unterscheiden. Das ist nicht eure Schuld, weil ihr so gezüchtet worden seid, auf eurem neunmalverfluchten Berg." (...) "Schafe überleben nicht in einer Welt voller Wölfe. Und diese Welt ist eine Welt der Wölfe. Also seht zu, dass ihr beginnt keinem Hirten mehr zu folgen!"
 
 
Und auch nach der Wende und dem Schauplatzwechsel geht es genauso unvorhersehbar und besonders weiter. Weiterhin werden interessante Andeutungen gestreut, so dass bei mir eine deutliche und mega aufregende Ahnung gewachsen ist, was es mit Prolog, der Weltenblume und der Zukunft der Geschichte auf sich haben könnte. Mal sehen ob siech diese Vermutung bewahrheiten wird. Doch egal was kommt, es wird bestimmt so schräg wie großartig sein.
Denn in diesem Roman ist wirklich gar nichts gewöhnlich oder gar ausgelutscht, Joshua Tree kommt mit etlichen neuen und unverbrauchten Ideen, die er gut und spannend erklärt.
Da dies der erste Band der sechsteiligen Fantasy-Reihe ist, wird natürlich auch ziemlich viel erklärt, dies geschieht aber meiner Meinung nach, in einer guten und angemessenen Dosierungen, wodurch man nicht von Informationswellen überflutet wird und somit alles zum jeweils passenden Zeitpunkt erfährt. So wird es absolut nie langweilig!
 
 
"Er hätte nie gedacht, dass er sich einmal darüber freuen würde, einen für sie so alltäglichen Gesichtsausdruck zu sehen, doch er erinnerte ihn daran, dass er nicht träumte. Damit wurde sie in diesem Moment für ihn so etwas wie ein Fels in dieser reißenden Flut des Fremden, der ihn vor dem endgültigen Ertrinken bewahrte."
 
 
Was ich am Anfang als Makel und am Ende als wirkliches Genie gesehen habe, sind die Charaktere. Zuerst dachte ich, die fünf Freunde seien recht oberflächlich und schlecht charakterisiert, so denken sie doch alle immer dasselbe, streiten sich nie und sind recht schlecht zu unterschieden. In der Mitte des Buches wirft aber Graubart, der Kapitän der Schwarzen Mähre, den fünf Freunden genau das vor: fehlende Individualität, der Erziehung in Pilgrim geschuldet. Dann dachte ich nur WOW, das war Absicht! Ab dort verändern sich die fünf -ganz langsam natürlich- doch sie werden etwas tiefer. Alles, durch was sie sich früher definiert hatten, ist nun nur noch Asche auf einem verkohlten Berg, so müssen sie sich langsam selber entdecken. Ich bin nun natürlich total gespannt, wie diese Entwicklung in den weiteren Bänden weitergeht und ob sie alle noch einen starken Charakter entwickeln. Die Grundvoraussetzungen sind da. Deswegen nun nur ein paar kurze Worte zu den Charakteren.
 
Magnus ist eindeutig der leitende Charakter dieses Buches, auch wenn seine vier Freunde sehr wichtig sind. Er war mir von Anfang an sympathisch, mit seiner charmanten, humorvollen und einnehmenden Art. Er ist zwar als sogenannter Prinz von Pilgrim ein selbstgefälliger Schönling, der bei den Frauen gut ankommt und dies auch weiß, hat jedoch trotzdem viel Moral und Köpfchen. Als Sohn des Kaspans, des Hüters der Seelen, hat er es nicht leicht, da dieser viel beschäftigt ist und will deshalb immer gute Leistungen in Hatnam und Hatori bringen. Dann gibt es da noch Felix, seinen recht kleinen besten Freund, der das Leben einfach genießt und immer einen lustigen Spruch auf den Lippen hat. Seine Lebensgefährtin Tasha, die sehr blass bleibt und eigentlich die ganze Zeit entweder fast am sterben, seekrank oder von irgendwas besessen ist ;-) Natürlich Tomm, eine Schrank von einem Kerl, der aber trotzdem immer wieder mit besonnenen und weisen Kommentaren überrascht, was gar nicht zu seinem groben Aussehen passen will und schließlich die taffe und wunderschöne Tzunai, die nie auf den Mund gefallen ist und sich jeder Situation entschlossen stellt. Die fünf bilden zusammen eine starke Einheit, die gut miteinander harmoniert und immer zusammen hält.
 
 
"Die Ereignisse hatten ihre kleine Gruppe, die schon auf Pilgrim unzertrennlich gewesen war, noch näher zusammengeschweißt, und zwar so nah, wie es nur eine gemeinsam durcheinandergestandene Katerstrophe schaffte. Eine Katerstrophe, in der man sich gegenseitig das Leben rettete, allein dadurch, dass man sich als Gemeinschaft Hoffnung gab, wo den Einzelnen längst der Mut verlassen hätte."
 
 
Später kommen dann noch einige Nebencharaktere hinzu, davon einige ungehobelte Piraten, die mich des Öfteren zum Schmunzeln gebracht haben. Alles raue Kerle, die aber trotzdem auf ihre Art herzlich wirken.
Insgesamt eine sehr ansprechende Mischung, bei der sich gespannt bin, wie sie sich weiterentwickeln.
 
Der Schreibstil war wirklich angenehm zu lesen und durch die sehr bildhafte und intensive Art, die Welt zu beschreiben eine wirkliche Hilfe beim Folgen der schwierigen Handlung. Eigentlich sollte es nicht gut möglich sein, eine so umfangreiche Handlung wie diese mit Tiefe, Erklärungen, Beschreibungen und vielen Wechseln an Ort und Zeit in nur knapp 350 Seiten abzuhandeln, ohne sich komplett an irgendwelchen Details aufzuhängen und ins Unglaubwürdige abzurutschen, doch diese Geschichte hat das mit Bravour geschafft. Rasant ja, aber nie zu schnell und hektisch, wird die Handlung vorangetrieben und ich war wirklich begeistert!
 
 
"Denkt an Meister Windings Worte: "Auch der längste Pfad beginnt mit dem ersten Schritt." Also macht euren ersten Schritt, bevor ihr über den Rest des Weges nachdenkt und darüber einschlaft!"
 
 
Als ich fertig war habe ich mir nur eine Frage gestellt: Wenn das nur der Auftakt war, wie genial müssen dann bitteschön die 5 Folgebände werden?
Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt (vor allem nach dem miesen Cliffhanger am Ende) und werde die Reihe aufmerksam weiterverfolgen.
 
 
 
Fazit:
 
Mal etwas komplett anderes, als das Genre "Fantasy" sonst so zu bieten hat und somit eine erfrischende Abwechslung in einer wunderbaren Verpackung! Ein Auftakt, der mich immer wieder überrascht, fasziniert und schließlich begeistert zurückgelassen hat!
 

Kommentare:

  1. Hey,

    das freut mich richtig, dass dir das Buch auch so gut gefallen hat! Ich war ja von Anfang an total begeistert! Schon der Prolog war ganz auf meiner Wellenlänge, dann Pilgrim, das einen so in Sicherheit wiegt - und dann der Twist ... sooo genial! Ich freu mich schon sehr auf die Fortsetzung und überhaupt auf alles, was er noch schreiben möchte. Der hat das echt drauf :D

    Liebste Grüße, Aleshanee

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  2. Liebe Aleshanee,

    Das fand ich auch echt beeindruckend: der Twist, die ganze Storykonzeption.
    Ich bin nun total gespannt auf den zweiten Teil. Mal sehen ob mir der genauso gut gefallen wird!

    Liebe Grüße
    Sophia

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