Samstag, 10. Dezember 2016

Drachenglut


Allgemeines:

Titel: Drachenglut
Autor: Jonathan Stroud
Verlag: Boje (2007)
Genre: Fantasy
ISBN: 3-414-82027-7
ASIN: B00KCIA04G
Preis: 15,95€ (gebundene Ausgabe)
7,95€ (Taschenbuch)



Inhalt:


"Tief unter der Erde wartet der Drache seit Jahrtausenden darauf, endlich wieder erwachen zu dürfen, seit Ewigkeiten lodert sein Feuer. Und seine Wut..."


Verwirrt und mit rot unterlaufenen Augen stolpert Michael McIntyre an einem heißen Sommernachmittag nach Hause. Zur selben Zeit wird auf dem Dorffriedhof ein altes, keltisches Kreuz ausgegraben. Dieses Kreuz hat jahrhundertelang einen gewaltigen Drachen tief unter der Erde festgehalten. Nun erwacht er zu neuem Leben. Und er hat von Michael Besitz ergriffen. Auch andere Dorfbewohner sind dem Drachen verfallen. Mit ihrer Hilfe könnte Michael unglaubliche Macht erlangen! Soll er sich denen anschließen, die den Drachen aus der Erde befreien wollen? Oder soll er gemeinsam mit seiner Familie dagegen ankämpfen?
Ein atemberaubender Kampf zwischen Gut und Böse beginnt ...


Bewertung:

Erster Satz: "Zusammengerollt und verborgen vor Winternebel und Sommersonne, liegt in einer Höhle unter dem Hügelgrad des alten Königs ein Drache."


So beginnt der Fantasy -Roman "Drachenglut". Nachdem ich die Bartimäus - Trilogie von Jonathan Stroud mit eher wenig Begeisterung gelesen hatte, war ich neugierig auf seine anderen Geschichte und habe beschlossen, ihm nun eine weitere Chance zu geben. Und dieses Buch hat mich definitiv mehr überzeugt!

Das Cover ist zuerst sehr Schlicht - schwarzer Grund und ein glühendes Drachenauge. Ich musste das Buch im Schrank umdrehen, da ich mich die ganze Zeit von dem Drachenauge beobachtet fühlte, nennt mich jetzt paranoid aber das Buch strahlt schon beim Ansehen eine düstere Stimmung aus. So weiß man direkt, was auf einen zukommt also sehr passend und hübsch gelöst!

In der Geschichte geht es um einen in der Erde gefesselten Drachen, der einige Menschen aus dem naheliegenden Dorf verändert und ihnen besondere Fähigkeiten zukommen lässt. Für manche Menschen ist er ein Fluch, für andere ein Segen, denn diese sind eingeschränkt und haben "Nebenwirkungen" - die Betroffenen streben daher danach, den Drachen zu befreien und bedenken dabei nicht, die möglichen Gefahren für alle anderen.

Im Zentrum der Geschichte stehen zwei Brüder, die beide vom Drachen verändert werden, aber unterschiedlich darauf reagieren - ein typischer Gut-Böse-Konflikt. Wer gewinnt, kann man sich schon von Anfang an denken...
Da ist zum einen Michael: Er erwacht eines Tages aus einem merkwürdigem Traum und glaubt zuerst, einen Sonnenstich zu haben, denn er fühlt sich grässlich und Vieles scheint nicht zu stimmen, mit ihm und seiner Umwelt. Erst später entdeckt er den wahren Grund seines Unwohlseins...

Sein Bruder Stephen will ihm keinen Glauben schenken, doch auch er erfährt alsbald diese Macht und die Fähigkeiten, doch da beginnt schon ein Kampf zwischen den beiden, denn einer akzeptiert die Fähigkeiten und nutzt sie ohne zu Zögern, während der andere sich verweigert und auf sein Gewissen hört. Wer von beiden, was tut, will ich hier noch nicht verraten.

Ohne es zu ahnen wird auch die Schwester der beiden, Sara, und der Dorfpfarrer in eine Jahrhundertalte Spirale gezogen, die es aufzuhalten gilt. Denn nur wenige können den Drachen bekämpfen. Die Charakter sind alle interessant gestaltet, aber zum Teil sehr schräg. Den Konflikt zwischen den beiden Brüdern und wie das ganze Dorf praktisch geteilt wird, finde ich aber sehr faszinierend zu lesen.

Stroud hatte interessante Ideen und entwickelt die Story ordentlich, es wird spannender und man will doch wissen, wie es gelingen kann, das Ganze aufzuhalten, wenn die "Drachennachfolger" doch so viel mächtiger sind. Die Geschichte ist in einem angenehm flotten Tempo erzählt und wird sehr schnell immer spannender, sodass ich das Buch sehr schnell durch hatte. Ich mochte besonders die Verknüpfung der alten Dorfgeschichten, mit dem modernen Leben, dass eigentlich nur ein Lächeln für die alten Legenden übrig hat. Wie schnell Menschen bereit sind, an die Märchen ihrer Ahnen zu glauben, hat mich sehr erstaunt.

Was mich aber im Gegenteil zu "Bartimäus" sofort begeistern konnte, war die Sprache, in der der ganze Plot beschrieben wird. Diese teilwiese extrem poetische Sprachwahl hat mich wirklich in den Bann gezogen. Die Geschichte hat eigentlich keinen Haupterzähler sondern ist mehr wie ein Teppich aus verschiedenen Eidrücken von unterschiedlichen Personen. Wann immer aus der Sicht des Drachen berichtet wurde, spürte ich regelrecht dieses Fremdartige, Böse und Uralte, das tief unter der Erde schlummerte und sich nun langsam regt. Stroud ist ein großartiger Erzähler und das merkt man.
Er erzeugt mit einigen wohlplatzierten und ungewöhnlichen Metaphern immer die passende Atmosphäre.

Zu Beginn erscheint die Geschichte extrem schräg und surreal. Man versteht absolut gar nichts, doch dann wird man in das absolute Gegenteil hineingeworfen, als nach einem geradezu schon brutalen Break die Geschichte an den Pfarrer weitergereicht wird, der plötzlich in klaren und verständlichen Gedanken seine Sicht beschreibt. Durch diese ständigen Wechsel zwischen den Problemen in einem kleinen "Jeder-kennt-mich-und-ich-kenne-jeden-Dorf" den fremdartigen und verrückten Gedanken der "Besessenen", wird eine unglaublich spannende Atmosphäre geschaffen.


Fazit:

 "Seltsam", dieses Wort begleitete mich die Ganze Zeit während ich dieses Buch gelesen habe, doch genau das ruft die ganz einzigartige Stimmung hervor, die untrennbar zu dieser Story dazugehört und das Buch so besonders macht. 

Das spannende "All-Age-Fantasy-Buch" ist für alle zu empfehlen, die gerne etwas anspruchsvolleres lesen wollen. Es ist nicht nur eine Geschichte über den verderblichen Einfluss und die Gier nach übernatürlichen Kräften, es geht auch um brüderliche Rivalität, Mut und Freundschaft.



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