Samstag, 17. Dezember 2016

Verschollen


Allgemeines:

Titel: Verschollen
Autorin: Maike Ruppelt
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform (2014)
Genre: Science-Fiction
ISBN: 978-1502377791
Seitenzahl: 464 Seiten
Weitere Bände: Trümmerwelt;
Universum
Preis: 12,99€ (Taschenbuch)



Inhalt:

"Hab keine Angst", murmelte er. "Wir schaffen das schon."
Ich sah ihn an. "Josephine. Mein Name ist Josephine!"


Während Jackson und Cassie noch das Weltall durchqueren, kämpfen die letzten Menschen auf Specus Leonis erneut ums Überleben. Denn nachdem die Flüchtlinge schließlich gelernt haben, mit den Herausforderungen ihres neuen Heimatplaneten umzugehen, droht ihnen auf einmal eine ganz neue Gefahr: Man will einen zweiten Versuch starten, den Planeten erfolgreich zu besiedeln, und schreckt dabei vor keinem Mittel zurück, um das Projekt "Evolution 2.0" endlich durchzusetzen... 


Bewertung:

DISCLAIMER: Da dies der zweite Teil der Cassie-Trilogie ist, kann es innerhalb der Rezension zu Spoilern kommen!! ;-)


Erster Satz: "Die Sonne bewegte sich langsam auf die Wasseroberfläche zu, berührte den Horizont und schickte einen Streifen aus glitzernden Wellen über das Meer bis zum Strand unterhalb der kleinen Felsnase, auf der ich wie an jedem Abend saß und den Sonnenuntergang genoss."


Schon als ich diesen Monster-ersten-Satz gelesen habe, dachte ich "WOW", und dieser Gedanke hat mich durch die kompletten 470 Seiten begleitet. Vom ersten Teil dieser Reihe "Trümmerwelt" war ich schon komplett hin und weg, weshalb meine Erwartungen an dieses Buch zugegebenermaßen sehr hoch waren. Doch: Sie wurden vollauf erfüllt! Auch wenn dieser Teil mit ganz anderen Seiten glänzt, als ich gedacht hatte, bin ich wieder sehr gut unterhalten worden.

 Das Cover hat mir wieder gut gefallen. In wahrer Science-Fiction-Manier sind ein grüner Planet und zwei Raumschiffe zu sehen. Außer diesen drei Elementen, die recht unzentral in der linken Ecke platziert sind, ist wieder einmal nur schlichter Sternenhimmel zu sehen. Die schwarze Weite des Weltalls, mit einzelnen Sternen gesprenkelt, hebt sich gut vom Titel ab, der in weißen Lettern über allem zu schweben scheint. Wieder passt das Cover sehr gut zum Inhalt, da vor allem der Ortswechsel gut dargestellt wird. Die Formatierung innerhalb des Buches hat mir ebenfalls gut zugesagt, da der Text in sinnvolle Abschnitte und drei Teile gegliedert ist. Für mich als Kapitelleserin war auch positiv, dass diese jeweils relativ gleichlang sind und einen Cliffhanger am Ende besitzen.


"Es hing stets ein gewisses Gefühl von Unruhe in der Luft, eine dunkle Vorahnung, dass trotz des Friedens um uns herum irgendetwas nicht stimmte. (...) Ich konnte das Gefühl nicht abschütteln, dass es noch nicht vorbei war. Und dass bald noch etwas viel Schlimmeres passieren würde."


Nachdem der erste Roman die Geschichte eines jungen Mädchens erzählte, das sechzig Jahre in der Zukunft in einer der verlassenen Städte auf der menschenleeren Erde lebt und sich angesichts einer neuen Bedrohung mit ihrem einzigen, gefühlskalten Begleiter zusammentun muss, bekommen wir hier zwei neue Hauptcharakter präsentiert. Zuerst war ich etwas enttäuscht, dass es nicht mehr um Jackson und Cassie geht, da ich die beiden während dem turbulenten ersten Teil wirklich sehr ans Herz geschlossen habe, doch auch Josy und haben es mir wirklich angetan. Besonders gefreut hat mich, dass unsere zwei Lieblinge aus Band 1 nach einer Weile doch auftauchen und ihre Rolle spielen dürfen. Wir werden wieder langsam an die neuen Charaktere herangeführt, sodass sich parallel zur Handlung auch die Bindung zu den Protagonisten steigert. Sehr bald habe ich die beiden genauso gerne gemocht wie Jackson und Cassie.
Nach dem die beiden sich aneinander gewöhnt haben, machen sie sich auf den Weg auf die Suche nach Antworten, welcher sie ins Landesinnere führt. Dabei treffen sie nicht nur kleine Grüppchen anderer Menschen sondern hören auch Gerüchte von einer Widerstandsgruppe, die sich gegen die anstehende Neubesiedlung formiert....
"Alles schien von Grund auf auf den Kopf gestellt worden zu sein, nichts war mehr so, wie wir es kannten, und ich spürte, dass all diese Vorkommnisse nur die Konsequenz von etwas viel Größerem, Beängstigenderem waren.
Irgendetwas passiert da draußen - und nun liefen wir genau darauf zu..."
Hat man im ersten Teil noch einen recht leisen Start mit gedeckten Farben, langsamer Entwicklung und relativ wenig Handlung, beginnt dieses Buch wesentlich spektakulärer. Unsere Hauptfiguren müssen in der lebensfeindlichen Welt von Specus Leonis überleben, in der der Wald Augen hat und niemand dem anderen vertraut. Survival pur mit viel Spannung, Action und dem Aufeinandertreffen zweier vereinsamter Teenager mit einer schwierigen Vergangenheit. Sie kennen ihre eigenen Namen nicht mehr, können kaum sprechen und lassen niemanden an sich ran - nach dem Halb-Roboter Cassie und dem unglücklichen Genie Jackson, ganz alleine auf der Erde, sind die Charaktere auch hier alles andere als gewöhnlich oder oberflächlich und die Umstände ihres Aufeinandertreffens sehr speziell.
Auch bleibt dieses Mal nicht so viel Zeit, bis es zum fulminanten Endkampf komm, die Spannung ist unermüdlich am Steigen und schon bald befindet man sich mitten in einem aussichtslosen Krieg ohne zu wissen, wie genau man eigentlich dort gelandet ist.
"Meine Freunde - heute Abend möchte ich, dass ihr euch auf eine bedeutende Abstimmung vorbereitet. Eine, die weit wichtiger und scherwiegender ist, als alle, an denen ihr bisher teilgenommen habt. (...)"
"Und worüber stimmen wir ab?" Er lächelte und straffte die Schultern.
"Wir werden darüber entscheiden, ob wir den Menschen den Krieg erklären!"
 Die grünen, dicht bewaldeten Landschaften mit vielen verschiedenen Lebewesen steht in einem starken Kontrast zu der verwüsteten und kahlen Oberfläche der Erde mit den vielen zerstörten Hochhäusern und Straßen, welche die Kulisse des ersten Teiles darstellte. Die ewige Stille wird abgelöst von Raubtierfauchen, Meeresrauschen und Knacken im Unterholz und anstatt der ewigen Einsamkeit hat man es mit exzentrischen Einzelgängern zu tun. Auch der Sprung von der vielen Technik -von Teilchenbeschleunigern über Superbatterien zum Raumschiff-, zum primitiven Wald und der Kontrast zwischen dem asphaltierten Überleben auf der Erde - dem Sammeln von Konserven und Plündern von Supermärkten - und dem Jagen und Sammeln von Nahrung, sind sehr interessant.
Trotz dass vieles dem Leser neu und unbekannt erscheint, bleiben auch viele Dinge beim Alten. Die Feinde zum Beispiel! Man startet keineswegs bei Null sondern erlebt die Unrechtsherrschaft von Präsident Henneth in anderer Kulisse und von einem anderen Blickwinkel aus gesehen. Endlich erfährt man etwas über den Verblieb der restlichen Menschen, die Besiedlung anderer Planeten und das gefürchtete Projekt "Evolution 2.0". Man erfährt als Leser schreckliche Geheimnisse über die Vergangenheit und die Zukunft und bemerkt schließlich, dass diese Geschichte noch viel mehr zu bieten hat.
Hier ist der Titel ebenfalls sehr gut gewählt, auch wenn er nicht sehr episch klingt. Atmosphärisch gesehen trifft er jedoch den Nagel auf den Kopf, denn die Charaktere sind wirklich "verschollen". Alleine und verlassen sitzen sie in den Wäldern und versuchen hartnäckig zu überleben, ohne die Hoffnung auf eine Wiederkehr zur Erde. Nach dem die erste Besiedlungswelle auf diesem Planeten fehlschlug, sitzen sie nun hier fest, von allen vergessen - denken sie zumindest! Denn als sich alle nach acht Jahren an die Umstände gewöhnt haben, tauchen wieder Raumschiffe am Horizont auf und drohen die Welt wieder in Chaos zu stürzen....


"Wenn wir Erflog haben, dann schulden wir dir eine ganze Menge, mein Junge."
Jackson schüttelte nur den Kopf, auf einmal todernst.
"Nein, Sir. Wenn wir Erfolg haben, dann habe ich vielleicht einen kleinen Teil meiner Schuld wieder gut gemacht."


Wie gesagt haben mir Josy und Sam gut gefallen. Sie stehen zwar ganz klar im Mittelpunkt, doch anders wie in Band 1 kommen auch andere Charaktere vor. Zu den Protagonisten kann ich leider nicht viel sagen, um nichts vorwegzunehmen. Die beiden haben mich jedoch sehr berührt, in ihrer verzweifelten Einsamkeit und mit dem Wunsch nach einem Zuhause, einem geregelten Tagesablauf und Normalität eben. Auch Nebencharaktere kommen gut zur Geltung. Super fand ich zum Beispiel die kleine Vivi. Das achtjährige blonde Mädchen heißt eigentlich Survive und ist auf Specus Leonis geboren worden. Sie wirkte einerseits immer etwas zerbrechlich, wie ein verloren gegangener kleiner Engel, ist andererseits aber mutig und draufgängerisch.

Gut gefallen haben mir die regelmäßigen Perspektivwechsel zwischen Sam, Josy und ... anderen. Auch in die Hauptstadt der "Vereinten Planeten" auf Cor dürfen wir einen Blick werfen. Wie dort Menschen langsam unter der Ungerechtigkeit von Henneth aufbegehren und Personen, die man aus Jacksons Erzählungen der Vergangenheit kennt, kennenzulernen, war spannend. Außerdem haben uns diese kurzen Passagen einen guten Einblick in die Köpfe der Verantwortlichen gewährt, die Mitschuld an den großen Unglück der Erde tragen.


"Er hatte nach Freiwilligen gesucht die seinen Traum von einem Neuanfang und seine Abenteurerlust teilten, die sich bereut erklärten, mit ihm ins Weltall aufzubrechen, weil sie verstanden, was er sich davon erhoffte. Doch stattdessen hatte er es plötzlich mit einigen Tausend verängstigter Flüchtlinge zu tun gehabt.
Und Milliarden anderer Menschen waren gestorben..."


In rasantem Tempo rennt der Plot auf das Ende zu, als würde er von etwas grauenvollem verfolgt werden. Trotzdem wirkt das Buch nie gehetzt und es bleibt genug Platz für die Charaktere. Dieser Spagat zwischen Authentizität und Spannung schafft die Autorin mal wieder brillant. Auf diesen fast 500 Seiten passiert extrem viel, ohne das es irgendwie "gequetscht" oder überfüllt wirkt. Daran hat wohl der angenehme Schreibstil von Meike Ruppelt einen nicht unwesentlichen Anteil. 

Sie trifft mit wenigen Mitteln immer den richtigen Ton um die gewünschte Emotion hervorzurufen und schafft es bis ins Detail genau zu beschreiben, ohne lange abzuschweifen. Traurige, nachdenkliche, spannende, romantische aber auch lustige Szenen erschafft sie authentisch und mitreißend. In klaren aber trotzdem recht verkünstelten Sätzen fasst sie direkt einen Zustand zusammen, sodass man schnell einen Überblick über das Geschehen erhält und schnell vorankommt. Die Welt und das Innenleben der Charaktere kann man sich gut vorstellen und wird so praktisch in die Geschichte hineingezogen.


"Feuer. Alles brannte, brannte lichterloh, unsichtbare Flammen, die mir die Kleidung vom Körper fraßen und über meine bloße Haut leckten. Die Hitze war unerträglich, kroch immer weiter in mich hinein, meinen Hals hinunter bis hinab in meine Lunge..."


Als ich dann wirklich am Ende angekommen war, war ich wirklich traurig, dass dieses unglaubliche Buch auch schon wieder vorbei war. Doch ein neues Rätsel, viele geheimnisvolle Andeutungen und offene Fragen lassen mich mit Spannung auf den dritten Teil hin fiebern, der zum Glück schon in meinem Schrank auf mich wartet.

***Vielen vielen Dank an Maike Ruppelt, dass ich auf diese Reise durch das Universum mitkommen durfte. Dieses -signierte ;-)!- Rezensionsexemplar hat mir sehr viel Freude bereitet!***


Fazit:

Eine Fortsetzung die durch viele Gegensätze und Neuheiten überzeugt und die Geschichte spannend weiterführt! Das ist Science-Fiction von seiner besten Seite - ein außerordentlichen Lesegenuss und eine klare Empfehlung!!!

Kommentare:

  1. Hey,
    Ich habe gerade deinen Blog entdeckt und er gefällt mir richtig gut. Ich habe deinen Blog auch gleich mal abonniert. :D Vielleicht hast du ja lust auch bei mir mal vorbeizuschauen. Darüber würde ich mich sehr freuen. :)
    LG Benedikt von
    http://beneaboutbooks.blogspot.de/

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  2. Hey Benedikt,

    das ist das erste Mal, dass ich von einem männlichen Buchblogger gelesen habe, es freut mich sehr, deine Bekanntschaft zu machen! Natürlich schaue ich gleich mal vorbei!!!

    Liebe Grüße
    Sophia

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