Dienstag, 21. März 2017

Das Geheimnis der Jadefigur

 
 
Allgemeines:
 
Titel: Das Geheimnis der Jadefigur
Autor: Christel Mouchard
Genre: Abenteuerroman
Verlag: Urachhaus (1. März 2014)
ISBN-10: 382517834X
ISBN-13: 978-3825178345
ASIN: B00ISRF8H2
Seitenzahl: 272 Seiten
Preis: 10,99€ (Kindle-Edition)
16,99€ (gebundene Ausgabe)
 
 
Inhalt:
 
"Ich bin froh, wegzufahren – und gleichzeitig weiß ich nicht, was mich erwartet."
 
Mit 15 in ein Waisenhaus? Oder zu der Schreckschraube von einer Tante? 'Hölle und Verwesung!' – nicht die querköpfige Nina! Sie befindet sich auf der Überfahrt zu ihrem Vater nach Indochina, als sie erfährt, er sei plötzlich gestorben. Nun beschließt sie, in das Haus ihres Vaters zu ziehen und ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Ihren Koffer vertauscht sie gegen den einer Mitreisenden, denn eine Damengarderobe ist wichtig, wenn man 1912 als vollmündiges Fräulein durchgehen will. Nur leider rutscht ihr allzu oft ihr Lieblingsfluch über die Lippen! Die Erste, die ihre Maskerade durchschaut, die junge Annamitin Tam, wird glücklicherweise ihre treueste Freundin. Denn Nina landet mitten in der mörderischen Jagd auf eine geheimnisvolle Jadefigur, die sich im Haus ihres Vaters befindet …
Und die verliebten Blicke des Chinesen Wenji – meinen sie die 21-Jährige
oder die wirkliche Nina?
 
 
 
Bewertung:
 
 
Erster Satz: "Raten Sie, wie alt ich bin!"
 
Das Buch war mehr oder weniger ein Glückstreffer, auf den ich per Zufall in der Online Ausleihe meiner Stadtbibliothek entdeckt und sofort heruntergeladen hatte. Nachdem ich anfangs noch nicht so überzeugt war, hat mich das Buch irgendwie doch in seinen Bann gezogen, auch wenn ich absolut nicht sagen kann, wie und weshalb. ^^
 
Das Cover ist eigentlich recht passend - die zwei Mädchen vor dem blassen Hintergrund sind die beiden Freundinnen Nina und Tam auf ihrem Abenteuer - mir aber etwas zu schlicht und trüb. Das ist eine farbenfrohe, lebendige Geschichte voller Emotionen und Spannung, da ist mir dieses Cover um Welten zu trist und eintönig. Außerdem finde ich es nicht sehr gut auf seine Zielgruppe - wohl Jugendliche- angepasst. Der Titel passt natürlich sehr gut, verrät meiner Meinung nach aber schon etwas zu viel, genau wie der Klapptext auch. Einzelne kleinere Rechtschreibfehler sind mir ebenfalls aufgefallen. Die Gestaltung des Buches könnte man also noch definitiv verbessern.
...
 

Wir beginnen das Buch 1912 mit der 15jährigen Nina, die ihre lange Reise auf einem Ozeandampfer nach China antritt, wo ihr Vater seit einigen Jahren lebt. Um dem Tod ihrer Mutter und ihrer ruppigen Tante zu entfliehen, freut sich Nina auf ein Wiedersehen mit ihrem Vater, dem Fotografen Paul, der seine Tochter endlich zu sich holen kann, da er nun reich zu sein scheint. Doch bis wir diese ganzen Informationen erhalten, dauert es erst einmal eine Weile. Einige Rückblenden oder Erinnerungen machen einem die Sache einfacher, wir müssen uns aber trotzdem einiges zusammenreimen. So erschien mir der Anfang doch eher etwas zäh. Durch Ninas lockeren und lebensfreudigen Charme, wird aber sehr gut über diese kurze Durststrecke hinweggeholfen.
 
 Wir begleiten das junge Fräulein auf Wanderungen an Deck, sehen dabei zu, wie sie die junge Lehrerin Melanie Bell, kurz Miss Melly, kennenlernt und erfahren mit ihr zusammen, dass ihr Vater tot ist - und mit ihm all ihre Träume und Zukunftspläne. Eine Rückkehr kommt für sie jedoch überhaupt nicht in Frage und so tauscht sie kurzerhand die Koffer mit der von Bord gegangenen Miss Melly aus, um in ihren Kleidern als volljährige junge Dame durchzugehen. Vor Ort behauptet sie, ihr Vater wollte nicht wahrhaben, dass sie erwachsen geworden ist, und dachte immer noch, sie sei 14 Jahre alt. Das erweist sich schon bald als kleines Problem, denn Nina ist in Wirklichkeit chaotisch, jugendlich, frech und oft recht unreif in ihren Ausdrücken und Benehmen. Ihr Lieblingsfluch: „Hölle und Verwesung.“ ist da nur ein Beispiel. Nun gilt es überzeugend zu sein und sich den Lebensunterhalt mit Fotografie zu verdienen. Doch dann geschehen plötzlich merkwürdige Dinge, die alle etwas mit einer geheimnisvollen Jadefigur zu tun haben scheinen...
 
 
"Im Wohnzimmer stand ein Mann. Er beugte sich über das Buffet und steckte die Nase in eine der Schubladen. Er war sehr dick, prustet und käute wieder eine Kuh."
 
 
Schon bald findet man sich mitten in einer Verstrickung aus gefährlichen Interessen, Intrigen und Geheimnissen wider, die sogar für ein ganzes Königreich den Ruin bedeuten könnte... Spannend ist dabei vor allem, dass man auf spielerische Art und Weise interessante historische Tatsachen über das Indochina des frühen 20. Jahrhunderts lernt. Von den Klassenunterschieden, den politischen Verstrickungen über die Probleme, die die französische Eroberung allen Bewohnern brachte, die geografischen Besonderheiten des historischen Hué und das harte Leben, das sogar die Königin und der junge Kaiser zu ertragen hatten, wird die ganze Bandbreite kurz thematisiert ohne zu überfordern. Zusammen mit Nina kann man bald hautnah nachempfinden, wie es ist in einer Kolonie zu leben, von der Kultur und den Einflüssen der Eroberer überrannt zu werden, ohne Mitspracherecht und die Möglichkeit, etwas dagegen zu unternehmen.
 
Nina steht als Hautperson ganz klar im Vordergrund und ist mit einer personalen Erzähl-Perspektive fokussiert. Stellenweise wird sie aber durch die Perspektive von Tam, Wenji und der Königin unterbrochen. Sie ist eine starke junge Frau, die mir als Protagonisten sehr gefallen hat. Es ist ganz klar, dass sie noch lange nicht die Reife einer Erwachsenen erreicht hat, ihre spontane Art, die impulsiven Entscheidungen, ihre unstillbare Neugierde und ihr loses Mundwerk machen sie aber zu einem sehr liebenswerten jungen Mädchen, das sich im Laufe der Handlung auch sehr weiterentwickelt. Sehr spannend ist es zu sehen, wie sie sich von einem vorlauten jungen Mädchen zu einer mutigen jungen Frau entwickelt. Die Art, wie sie immer wieder aufs Neue scheitert, wieder aufsteht und es erneut versucht, ist wirklich sehr sympathisch. Nina als junges Mädchen in der Verkleidung einer Erwachsenen zu präsentieren, ihre Gedanken, Ausrutscher und Gefühle aber in einem starken Widerspruch dazu aufzuzeigen ist eine geniale Idee der Autorin und eine schöne Metapher für die Umbruchzeit, in der sich Jugendliche plötzlich auch in einer anderen Rolle sehen.
 
 
"Sie dachte an ihre Großeltern, die als arme Bauern aus den im Norden liegenden Reisfeldern gekommen waren, um in Hué Arbeit zu finden. Und sie dachte an all ihre Vorfahren, deren Seelen in diesem bescheidenen Altar Zuflucht fanden. Sie würde es besser machen als sie!"
 
 
Im einem krassen Kontrast zu ihrer eher lockeren Art, steht die junge Annamitin Tam, die ehrgeizig an ihren Träumen festhält, auch wenn sie als Tochter des Kochs einer eher wenig vielversprechenden Zukunft entgegensieht. Dass die beiden Mädchen, die unterschiedlicher nicht sein können, doch die besten Freundinnen werden und gemeinsam durch dick und dünn gehen, ist eine der Grundsäulen, auf denen die Geschichte aufbaut.
 
Natürlich gibt es dann auch noch eine kleine Liebesgeschichte, die jetzt wohl endgültig in keinem Jugendroman mehr fehlen darf ohne dass ein Proteststurm ausbricht. Ninas Nachbar Wenji fand ich da ein angenehmer Charakter, auch wenn ich fand, dass er etwas blass blieb.
 
Im Aufbau des Grundgerüstes der Handlung habe ich noch ein paar Dinge entdeckt, die mir nicht so ganz gefallen haben. Das Buch wird ganz klar durch die Lebendigkeit seiner Charaktere am Leben erhalten, durch viele Konflikte und Dialoge leidet aber die Spannung etwas. Den Plot an sich hatte ich auch recht schnell durchschaut, was für einige kürzere Längen gesorgt hat. Ansonsten glänzt das Buch mit einem rasanten, spannenden Ende und einer so süßen Idee, dass ich mich trotzdem nie gelangweilt hatte.
 
 
„Die Straßen von Hué waren einfache Sandwege und schlängelten sich zwischen den Gärten hindurch, in denen hohe Sukkulenten und Bäume im Überfluss wuchsen. Die üblen Gerüche des Hafens waren verschwunden. Hier duftete es nach Blumen, nassem Gras und Holzfeuer. Die meisten Häuser waren sehr niedrig und hinter den Zäunen der Grundstücke kaum zu sehen. Was Nina von ihnen erkennen konnte, waren weiß oder gelb verputzte, von Veranden umgebene Gebäude.
 ..."
 
 
Christel Mouchard hat außerdem einen sehr angenehmen Schreibstil in dem sie diese Geschichte auf sehr unaufdringliche, sanfte und dadurch sehr berührende und einfühlsame Weise erzählt. Sie beschreibt Kulissen und Charaktere sehr bildlich und ermöglicht ihren Lesern damit einen Ausflug in ein weit entferntes Land einer vergangenen Epoche. Bald kommt ein asiatisches Feeling auf, das die Abenteuergeschichte schön um malt. Recht einfache Sätze und gute Erklärungen garantieren dabei, dass kein besonderes Wissen erforderlich ist. So ist diese Abenteuergeschichte auch für jüngere Leser interessant. Gerade der Weg des Erwachsenwerdens ist sehr süß verdeutlicht.
 
 
Fazit:
 
 Gute Unterhaltung für eher jüngeres Publikum und für alle Kulturbegeisterte, die auf eine sehr süße Abenteuergeschichte aus sind.
 

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