Sonntag, 19. März 2017

Red Riding Hood - Unter dem Wolfsmond

 
Allgemeines:
 
Titel: Red Riding Hood - Unter dem Wolfsmond
Autor: Sarah Blakley-Cartwright (Drehbuch von David Leslie Johnson)
Verlag: cbt (21. Februar 2011)
Genre: Fantasy
ISBN-10: 3570161242
ISBN-13: 978-3570161241
ASIN: B00509CB6M
Seitenzahl: 296 Seiten
Preis: 6,99€ (Kindle-Edition)
7,99€ (Taschenbuch)
12,95€ (gebundene Ausgabe)
 
 
 
Inhalt:
 
-Er tötet andere, sie will er lebend-

Zehn Jahre ist es her, dass Valeries Kindheitsfreund Peter verschwand und Valerie beim nächsten Vollmond einem Werwolf gegenüberstand – und von diesem verschont wurde. Nun ist Peter wieder da, und als sie ihn wiedersieht, packt die jetzt siebzehnjährige Valerie dieselbe wilde Leidenschaft wie dereinst. Zwar ist sie dem wohlhabenden Henry Lazar versprochen, aber Valerie würde alles dafür tun, um Peter nicht wieder zu verlieren. Doch dann wird am Tag nach Vollmond der leblose Körper eines jungen Mädchens gefunden. Kratzspuren und Bisse sprechen eine eindeutige Sprache: Der Werwolf ist zurück, und er hat sich ausgerechnet Valeries Schwester Lucie geholt. Alles deutet darauf hin, dass der Wolf allein wegen Valerie gekommen ist und nicht ruhen wird, bis er auch sie in seiner Gewalt hat…
 
 
 
Bewertung:
 
"Der vierte Glockenschlag bedeutete nur eins: Er hat wieder getötet. Der Wolf."
 
Ich weiß nicht genau warum, aber ich liebe Märchenadaptionen über alles - wahrscheinlich da se mich an meine Kindheit erinnern, denn ich habe Märchen immer über alles geliebt! Dieser Roman ist ein Buch zum Film und gleichzeitig klar inspiriert vom Märchen Rotkäppchen.
 Das Drehbuch zum Film gleichnamigen wurde von David Leslie Johnson nach einer Idee von Leonardo DiCaprio geschrieben. Regisseurin Catherine Hardwicke hat sich dessen nur zu gern angenommen, bemerkte aber bei den Dreharbeiten, dass die Geschichte und die Charaktere zu komplex für einen Film waren und bat deshalb ihre Freundin Sarah Blakley-Cartwright darum, einen Roman darüber zu schreiben. Die Jungautorin nahm sich dessen an und ... tada: das Buch.
 
Eigentlich hatte ich bis jetzt eine recht klare Meinung zu der Buch-zum-Film-Masche: Diese Bücher, die vom Erfolg des Filmes profitieren wollen sind oft schrecklich oberflächlich und atmosphärisch eine Katastrophe. Ich gebe zu, dass ich das Buch nur gelesen habe, da ich dachte, es sei verfilmt worden und ich den Film eigentlich mochte. Doch als ich dann anfing zu lesen wurde ich wirklich positiv überrascht. Zwar merkt man dem Plot, den Charakteren und den Beschreibungen deutlich an, dass die Story eigentlich für einen Film konzipiert war, doch alles in allem hat das Buch mich trotzdem überzeugt.
...
 

Als Valerie nach 10 Jahren ihrem Kindheitsfreund Peter wieder begegnet und der verhängnisvolle Blutmond am Himmel erscheint, wird sie schmerzhaft an die Nacht vor sieben Jahren erinnert, als sie mit Sieben dem bösen Wolf, der das Dorf bedroht gegenüberstand, aber verschont wurde. Als sie Peter, der nun ein stattlicher junger Mann geworden ist, sieht, flammen ihre alten Gefühle mit neuer Leidenschaft auf. Aber ihre Eltern habe andere Pläne: Sie versprechen ihre Tochter an den reichen Henry Lazar, in den eigentlich Valeries große Schwester Lucie verliebt ist. Seit mehr als zwei Jahrzehnten müssen die Bewohner des Dorfes Daggorhorn einem Wolf zu jeder Vollmondnacht ein Opfer darbringen, damit er nicht mordet, doch als der Blutmond über dem Dorf auftaucht, ist Schluss mit Frieden - der Wolf holt sich sein nächstes Opfer: Lucie. Die Bürger beschließen, sich an dem Wolf zu rächen, aber dadurch wird alles bloß noch schlimmer... Bleibt nur die Frage: Wer ist der kaltblütige Mörder, der unter den Dorfbewohnern lebt...?
 
 
 " Er kommt mich holen" sagte Valerie flüsternd. " Noch bevor der Mond schwindet. Was mit Lucie geschah, war meine Schuld. Der Wolf ist wegen mir gekommen..."
 
 
Das Buch beginnt etwas zäh, sodass ich leichte Schwierigkeiten hatte, in die mittelalterlich anmutende Welt einzufinden, die die Autorin uns präsentiert. Zuerst lernen wir Valerie und ihre Freundinnen kennen, finden mehr über das Leben in Daggorhorn heraus und erfahren von dem bösen Wolf, der das arme Bergdorf heimsucht. Mit jeder Seite gewinnt das Buch dann an Tempo und die Frage, wer den nun der Wolf ist, verwandelt das Buch in einen wahren Pageturner. Ein absolutes Verwirrspiel beginnt, denn die Hinweise sind verstreut und kaum hat man jemanden im Visier, da ist schon jemand anderes verdächtig. Ist es Peter, mit dessen Ankunft alles begann, Valeries zwielichte Großmutter, die ganz alleine im Wald lebt, oder vielleicht sogar der grausame Vater Solomon, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Werwölfe komplett auszurotten und dabei vor absolut gar nichts zurückschreckt? Es bleibt spannend bis zur letzten Seite, sodass man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen kann. Auch wenn die Geschichte recht oberflächlich bleibt, muss man die Autorin auf jeden Fall loben, dass sie es geschafft hat, eine enorme Spannung aufzubauen
 
Gefallen hat mir vor allem der Schreibstil, der wohl das einzige ist, was man allein Sarah Blakley-Cartwright zu Gute halten muss. Sie schafft es - viel besser als der Film- eine sehr mystische und düstere Atmosphäre zu kreieren, die die vielen grausamen Taten, entsetzlichen Morden und schonungslosen Darstellungen noch viel packender und mitreißender erscheinen lässt. Dafür verwendet sie viele kurze, abgehackte Sätze, denen manchmal eine Verbindung fehlt, viele Vergleiche und außerordentliche Bilder. Das Hauptgefühl, dass sie damit hervorruft ist eine skurrile, verwirrte Art von Grusel, welches ein guter Kontrast zu der Romantik steht. Diese atmosphärische Gestaltung ist der Grundstein, auf dem die Spannung beruht und ein wichtiger Punkt, weshalb mich das Buch letztendlich doch noch überzeugen konnte.
 
Letzte ist auf eine Art und Weise aufgezogen, die man wirklich mögen muss. Da hätten wir den klassischen Bad Boy, eine recht schmucklose Liebe auf den ersten Blick, einen selbstlosen Verehrer und eine hübsche aber bestimmte Hauptcharakterin - das typische Liebesdreieck nur sehr knapp und stereotyp.
 
 
"Hast du geglaubt, du könntest mir davonlaufen?" Valerie hatte das Gefühl, dass der Himmel sich drehte und die Erde unter ihr nachgab. "Wie...", erwiderte sie. "Du kannst sprechen?"
"Wichtig ist nur, dass du mich verstehst, Valerie." Valerie roch die schwere Süße der Blumen, die sich mit dem holzigen Moschusgeruch des Wolfs vermischte."
 
Auch der Charakterdarstellung wurde nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt. Man erlebt die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven heraus, was manchmal etwas schwierig nachzuvollziehen, aber immer sehr interessant ist. 
 
Die Hauptperson ist jedoch ganz eindeutig Valerie. Grundsätzlich mag das 17-jährige Mädchen, das schon immer im Schatten ihrer älteren, bildhübschen Schwester Lucie stand und sich von der Menge abhebt. Schon als kleines Mädchen kletterte sie viel lieber auf hohe Bäume und suchte die Einsamkeit und Abgeschiedenheit in umliegenden Wäldern anstatt tatenlos bei ihrem trinkenden Vater und ihrer strahlenden Schwester in dem düsteren Dorf zu sitzen. Aber gerade weil Valerie so anders ist, als die anderen Mädchen in ihrem Dorf, zeigen einige Jungs Interesse an ihr, die sie jedoch eiskalt abblitzen lässt. Sie interessiert sich nur für ihren Kindheitsfreund Peter, wobei man nie genau versteht wieso eigentlich. Sie waren als Kinder wie Pech und Schwefel, schon damals hat sie gespürt, dass die beiden mehr als eine tiefe Freundschaft verbindet. Als er jedoch überstürzt das Dorf verlassen musste, war Valerie am Boden zerstört. Seit jenem Tag hat sie sich vom anderen Geschlecht abgeschottet, denn keiner konnte Valerie so sehr faszinieren, wie Peter. Sie ist mutig, stellt sich auch mal gegen andere, auch wenn sie das teuer zu stehen kommt und tut allein, was sie für richtig hält. Vor allem gegen Ende erschien sie mir aber etwas lückenhaft und unlogisch, was im Film irgendwie besser rüberkam. Dort entwickelt sie sich ganz klar, was im Buch bloß für Verwirrung sorgt.
 
Peter blieb mir viel zu flach - ein geheimnisvoller Bad Boy, der sich nicht wirklich um Valeries Gefühle zu scheren scheint und auftaucht und verschwindet, wann es ihm gefällt, nur um Valerie und uns Leser auf einen emotionalen Sturzflug zu schicken... Er war absolut nicht mein Fall. Im Film hat er mir eindeutig besser gefallen.
 
Da war ich doch eher noch ein Henry-Fan, obwohl der mich im Film eher zum Lachen gebracht hat.
Er ist charmant und gutaussehend und absolut jedes Mädchen, bis auf Valerie, ist verrückt nach ihm - natürlich möchte er typischerweise genau das, was er nicht haben kann.
Zwar ist Valerie ihm versprochen, aber dennoch nimmt Rücksicht auf ihre Gefühle und lässt die Entscheidung ganz bei ihr. Er ist verständnisvoll und lässt ihr alle notwendigen Freiräume, die sie braucht, ohne sie aufzugeben. Dabei ist er immer für sie da und riskiert sogar sein leben für sie - eindeutig viel süßer als Peter!!!
Die Nebencharaktere bleiben allesamt blass und nicht sehr liebenswürdig. Valeries Freundinnen sind alles Zicken, der Rest Dorfes ein Haufen fanatischer Dummköpfe - um mal so schnell zu urteilen, wie sie auch charakterisiert werden.
 
 
"Wo der Wolf steckte, so wurde ihr in einem klaren Moment bewusst, war ihr gar nicht so wichtig. Ihr war nur wichtig, das es ein Draußen gab und dass sie nicht zu diesem Draußen gehörte."
 
 
Was mich wirklich fasziniert hat, ist die Frage, wer denn nun wirklich böse ist, die irgendwann auftaucht. Auf der einen Seite ist da der Mann, der zum Wolf wird um ungezügelter Aggressivität Raum und Platz zu bieten, auf den anderen Seite die Dorfbewohner und Vater Solomon, die in der grausamen Suche und Bestrafung des Wolfes ebenso außer Kontrolle geraten wie die Bestie, die sie jagen. Eine wahre Hexenjagd beginnt, während der die Menschen plötzlich in jedem das Böse sehen und beginnen zu jagen und zu foltern...
Schnell erkennt man, wie einfach es ist, ein ganzes Dorf aufzuhetzen und die Bewohner dazu zu bringen, einen Schuldigen für die grauenvollen Taten zu finden und in ihrem grenzenlosen Hass sogar ihre eigene Mutter ausliefern würden... Diese psychische Grausamkeit empfand ich als viel erschreckender und bedrückender als die blutigen Mord- und Kampfesszenen.
 
Zum Schmunzeln gebracht hat mich die Warum - hast - du - so - große - Augen - Szene, die gegen Ende noch auftaucht und irgendwie so wenig zu dem Buch zu passen schien, dass sie irgendwie doch wieder zur Geschichte gehörte.
 
Das Ende ist natürlich schockierend knapp und endet mitten in der Auflösung - man kann sich aber ein Bonuskapitel herunterladen. Da ich den Film gesehen hatte, hat mich dieses abrupte Ende nicht so sehr gestört wie andere, die erst auf die Veröffentlichung des Filmes und des Bonuskapitels warten mussten um zu erfahren, wer jetzt nun der Wolf war. Schön fand ich, dass das Buch sie in gewisser Weise selbst verraten hat und man schon eine leise Ahnung hatte, bevor das Rätsel aufgelöst wurde. Alle Antworten stecken irgendwie zwischen den Zeilen, man muss sie nur finden.
 
Das Cover passt in seiner Düsternis ganz wunderbar zur Geschichte. Der graue Wald mit den stacheligen Ästen verdeutlicht die sehr feindliche Umgebung und lenkt alle Aufmerksamkeit auf das Mädchen mit dem knallroten Umhang, das mitten auf der dunklen Waldlichtung steht und ein weißes Kleid trägt. Der Umhang sticht ebenso wie ein blutiger Handabdruck im Titel durch seine rote Farbe hervor. Insgesamt sehr gelungen und auf die Atmosphäre im Buch angepasst!
 
 
Fazit:
 
Ein mystisches, düsteres Buch zum Film, das trotz einiger Schwächen durch eine stringente Spannung und eine unglaublich dunkle und grausame Atmosphäre überzeugt.
 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen