Donnerstag, 16. März 2017

Rache und Rosenblüte


Allgemeines:

Titel: Rache und Rosenblüte
Autor: Renée Ahdieh
Verlag: Bastei Lübbe (16. März 2017)
Genre: Fantasy
ISBN-10: 3846600407
ISBN-13: 978-3846600405
ASIN: B01N769XJ2
Seitenzahl: 423 Seiten
Preis: 12,99€ (Kindle-Edition)
17€ (Gebundene Ausgabe)
Weitere Bände: "Zorn und Morgenröte"


Inhalt:

"Einhundert Leben für das eine, das du nahmst. Ein Leben bei jedem Sonnenaufgang. Gehorchst du auch nur an einem einzigen Morgen nicht, nehme ich deine Träume von dir. Ich nehme deine Stadt von dir. Und ich nehme von dir dieses Leben tausendfach."

Shahrzad und Chalid haben sich gefunden. Und obwohl ihre Gefühle füreinander unverbrüchlich sind, lauert da immer noch der Fluch, der dem jungen Kalifen auferlegt wurde. Sie wissen beide, dass diese Last ihrer gemeinsamen Zukunft im Weg steht. Und so verlässt Shahrzad den Palast. Sie verlässt Chalid. Aber kann sie einen Weg finden, ihre große Liebe nicht zu verlieren? Und kann sie verhindern, dass noch mehr Unschuldige sterben?



Bewertung:

DISCALIMER: Dieses Buch ist der zweite Teil einer Dilogie. Mögliche Spoiler über den Inhalt des ersten Teiles können somit nicht ausgeschlossen werden!


Dieser zweite Band der Dilogie um Shahrzad und Chalid und ihre orientalische Welt durfte ich im Rahmen einer Leserunde vorab lesen. Dafür vielen lieben Dank an die Lesejury und den One-Verlag für diese spannende Möglichkeit, mich mit anderen Lesern auszutauschen!!! Da das Buch heute, am 16. März 2017, offiziell erscheint, möchte ich meine allgemeinen Gedanken und Meinungen mitteilen.
Ich habe den ersten Teil "Zorn und Morgenröte" an einem Tag verschlungen und war so sehr gespannt auf diese Fortsetzung. Meine Erwartungen wurden nicht ganz erfüllt, denn ich kam die ganze Zeit über nicht umhin, diesen zweiten Teil mit dem ersten zu vergleichen, doch alles in allem hat mir das Buch sehr gut gefallen!
...


Nun als kurze Info für alle, die vielleicht so unaufmerksam sind wie ich und denken, es würde nach diesem Teil noch einen weiteren Band geben: Das ist leider schon der Abschluss dieser kurzen Dilogie und das Ende dieser Geschichte!!! Nach etwa 300 Seiten zu bemerken, dass eigentlich nicht mehr viel übrig bleibt, um einen dritten Teil zu schreiben und dann herauszufinden, dass es keinen weiteren Teil mehr geben wird, ist doch relativ frustrieren!


"Du bist ein Banyanbaum, weil ich in dir diese Geschichte sehe. Den Anfang und das Ende aller Dinge. Die Hoffnung, dass etwas wächst, sogar im Schatten (...). Sei der Anfang und das Ende, Shahrzad al-Haizuran. Sei stärker als alles um dich herum..."


Das Cover ist wieder mal wieder wunderschön und absolut passend zu „Zorn und Morgenröte“ gestaltet. Mir gefällt es mit dem satten Violett - Ton und der goldenen Ranken fast besser als der erste Teil. Auf den ersten Blick tragen beide Bände das gleiche Muster, die verschnörkelten Rosen auf diesem Cover lassen es aber etwas verspielter aussehen. Der Titel ist mit seinen zwei Schlagwörtern auch sehr treffend gewählt und reiht sich gut in die Dilogie ein. Am Anfang war ich etwas skeptisch, doch "Rache" und auch "Rosenblüte" passen beide gut zur Handlung. Auch die Gestaltung innerhalb der Kapitel ist wie gewohnt - ansprechend und ordentlich gelayoutet. Den Klapptext finde ich jedoch relativ schlecht zusammengefasst, da diese Schilderung nur ein kleiner Bruchteil dessen widerspiegelt, was eigentlich thematisiert wird. Der Fluch zum Beispiel nimmt nur eine recht kleine Rolle ein, aber davon nachher noch mehr...

Das Buch beginnt gleich dort, wo der erste Teil geendet hat. Chalid und Shahrzad sind getrennt, Die Stadt zerstört, ein Krieg im Anmarsch. Trotz dieses doch recht unnormalen Szenarios passiert erst einmal denkbar wenig. Nachdem Shahrzad den Palast von Ray verlassen hat, ist sie nun außerhalb der Stadt, mitten in der Wüste in einem Lager zwischen den Grenzen des Reiches, ... und harrt aus. Außer einigen Besprechungen, Konflikten und Erklärungen passiert nicht wirklich viel.
Sie spricht mir Irsa, ihrer kleinen Schwester, die wir endlich näher kennenlernen dürfen und besucht ihren Vater, der nach dem Anschlag auf Ray immer noch nicht aus seinem komatösen Zustand erwacht ist. Ich muss klar sagen, dass ich kleine, anfängliche Schwierigkeiten hatte, wieder in die Geschichte reinzukommen, da es schon etwas her ist, dass ich Teil eins gelesen habe und außerdem recht wenig passiert. Der Hauptreiz dieser Reihe lag für mich vor allem in dem magischen 1001-Nacht-Feeling, der hier sehr wenig durchscheint, was uns als Leser ein bisschen in der Luft hängen lässt. Doch wie wir Shahrzad kennen, kann sie nicht lange stillsitzen und warten und so macht sie sich kurzerhand auf den Weg, um ihre merkwürdigen Fähigkeiten weiter auszubauen, so womöglich auch den Fluch zu brechen, der auf Chalid lastet und einen ganzen Krieg zu verhindern.


"Mit neuer Hoffnung, die den Druck auf ihrem Herzen löste, sah Shahrzad auf zum sternenübersäten Himmel. Er war tiefblau, mit einer Mondsichel eingehüllt in einen Flausch von vorbeiziehenden Wolken. Der Himmel schien sich unendlich weit zu erstrecken, der Horizont wölbte sich und traf an allen Enden auf Sand. Seine funkelnden Sterne waren eine Studie in Kontrasten, einige leuchtend vor Freude, andere zwinkernd, als hätten sie böse Absichten..."


Der Stil ist wie gewohnt typisch Renée Ahdieh: Orientalisch, verwunschen, mit vielen Wortbildern und Metaphern und einfach magisch in seiner atmosphärischen Gestaltung. Die Autorin schafft es immer wieder aufs Neue, mich zu erstaunen und mit dem einfachen, aber durchaus auf das Setting angepassten und flüssigen Schreibstil zu fesseln. Einfache aber geniale Formulierungen und Beschreibungen fangen das Geschehen wunderbar ein und bügeln einige Szenen oft so aus, dass sie trotz mangelnder Action spannend sind. Trotzdem finde ich dass einfach dieses orientalische 1001-Nacht-Feeling, das schon zur Sprache kam, nicht ganz so prägend vorhanden war wie in Teil 1. Es fehlt hier einfach ein kleines bisschen dieser romantischen und geheimnisvollen Atmosphäre, die über dem ersten Teil lag und mich so fasziniert hat. In all den verschiedenen Handlungssträngen und Ortswechsel ist ein Teil des orientalisch-magischen Charmes verloren gegangen - klar ist der Plot sehr spannend, die Charaktere sind toll, aber für mich fehlt noch ein undefinierbarer Hauch, was diesen Teil weit hinter Band 1 zurücklässt!

Der Plot an sich war mir ein bisschen zu zerstückelt. Zuerst passiert lange Zeit nur recht wenig, dann plötzlich auf ein Mal alles Mögliche, was dann aber dafür alles nicht sehr detailliert und in seiner Problematik hervorstechend beschrieben ist. Dadurch entsteht ein gewisser Eindruck und Hektik, was einen Großteil der Stimmung und der Magie verschluckt. Dafür ist es aber Ultra spannend und schnell zu lesen und man fliegt förmlich durch die Seiten. Denn als der Plot dann nach etwa 200 Seiten endlich die gewohnte Fahrt aufgenommen hatte, ging es Schlag auf Schlag. Zahlreiche Überraschungen, Erkenntnisse und ... diese unglaubliche Wendung, die ich niemals erwartet hätte


***Achtung Spoiler***

Ich saß zuerst einfach nur da und konnte es nicht fassen. Ausgerechnet Despina sollte eine Spionin und die Tochter des Kalifen Salim sein - mit so etwas hätte ich nicht in tausend Jahren gerechnet!
Das kam so unvorbereitet, dass ich kaum glauben konnte, dass sie nun Shahrzads Feindin sein sollte. Doch irgendwie kam nach der Überraschung ein bisschen Misstrauen bei mir an. Dieser plötzliche Hass auf Shahrzad kam bei mir aber irgendwie falsch rüber, es passt ganz und gar nicht zu ihr so ein durchtriebenes und arrogantes Miststück zu sein und sie so heftig zu provozieren.
Gefreut hat mich dann, dass ich in gewissem Maße recht hatte mit meinem mulmigen Gefühl und sich Despina später wirklich nicht als die verhasste Verräterin entpuppte. Sehr Interessant finde ich in diesem Zusammenhang, dass ich Renée Ahdieh Despinas Entwicklung von der treuen Dienerin und Freundin zum feindlichen Spitzel einfach nicht abgenommen habe und das schon kritisieren wollte. Dass dann doch noch die Wendung kam, macht diese Kritik natürlich nichtig und ist eher ein Pluspunkt. Auf der anderen Seite finde ich es ein bisschen Schade, da ich schon dachte, sie hätte sich wirklich etwas getraut und etwas Unvorhersehbares geschehen lassen. Dass sie dann doch noch mit Jalal zusammenkommt war irgendwie klar - was genau aber mit dem Rajput passiert, wurde mir hingegen nicht ganz klar. Hat sie ihn jemals geliebt, oder warum sind sie zusammen geflohen? Was passiert danach mit ihm?... Da blieben mir zu viele Fragen offen.
Ach und wenn ich schon gerade am Spoilern bin ;-)...
... dann will ich auch noch ganz kurz über die Sache mit Tariks Pfeil reden! Auch wenn ich wusste, dass Shahrzad das überleben würde, ist mir kurz das Herz stehen geblieben. Als dann Shahrzad verletzt in ihrem Zelt liegt, tat mir Tarik sooo leid. Durch seinen Hass geblendet hat er genau das getan, was er eigentlich niemals tun wollte: Shahrzad verletzt! Ich glaube er wird sich das niemals verzeihen. Wie Chalid auf die ganze Sache reagiert finde ich aber irgendwie ein kleines bisschen unglaubwürdig. Dass die beiden sich aber endlich mehr oder weniger versöhnen, war mein absolutes Highlight dieses Abschnittes. Es ist sehr schön zusehen, wie endlich alle anfangen, Shahrzad zu verstehen und nicht nur das Monster in dem jungen Kalifen sehen.
***Spoiler Ende***
Eine tragende Säule des Buches sind immer noch die Charaktere - beziehungsweise Shahrzad, die man einfach lieben muss. Mich hat sehr gefreut, dass ein paar neue, interessante Charakter hinzukommen, wofür aber leider Shahrzad und Chalid ein winziges bisschen aus dem Fokus gerutscht sind. Wieder ist die Geschichte aus verschiedenen Sichten erzählt, was das gleichzeitige Laufen mehrerer Handlungsstränge ermöglicht.

Shahrzad ist jedoch nach wie vor eindeutig die Hauptperson und auch am interessantesten charakterisiert. Nach dem ersten Teil habe ich sie einfach für ihre unabhängige und starke Art geliebt und bewundert - durch ihre wilde und unbändige Art zu sagen und zu tun, was sie denkt und für richtig hält, wird ein bisschen Pfeffer in die Geschichte gebracht. Am Anfang wirkte ihr aufbrausendes Temperament leider oft etwas deplatziert und fast nervig, im Laufe der Geschichte fand die Autorin aber wieder zu ihrer starken und leicht feministischen Darstellung unserer Heldin zurück, was mich sehr gefreut hat. Sie ist nun mal einfach eine absolute Powerfrau mit viel Rückgrat und Trotz, der einfach so etwas von gar nicht in diese Geschichte passt, dass es einfach genial ist! Sie hat auf jeden Fall mein Herz erobert!
"Einen Augenblick lang erinnerte sich Shahrzad an etwas, das ihr Vater immer sagte: "Je dunkler der Himmel, desto heller die Sterne."
Tarik, den ich im ersten Teil wirklich cool fand, empfand ich mit seinem unbegründeten Hass immer nerviger und fragte mich ständig, warum er nicht einfach von seiner Rachsucht absehen kann und erkennt, dass es Shahrzad so gut geht. Ich mag seinen Charakter aber eigentlich sehr und da er gegen Ende wieder einigermaßen die Kurve bekommt, will ich auch gar nicht meckern. Insgeheim habe ich mich gefragt, ob ihn die Autorin absichtlich zuerst etwas unehrenhaft und teilweise nervend dargestellt hat um das typische Liebesdreieck zu vermeiden und es Shahrzad und dem Leser einfacher zu machen, von ihm los zu kommen.
Chalid hat mit der Atmosphäre leider auch irgendwie ein bisschen an Anziehungskraft verloren. Zuerst kam er mir in seiner Handlungsweise unbedacht aber auch etwas starrsinnig vor. Ich finde es schade, dass er seine Vergangenheit nicht einfach zurücklassen und verschiedenen Leuten verzeihen kann. Aus seinem Herrschaftsgebiet herausgerissen und ohne die vorlaute Kalifin an seiner Seite erschien er recht normal und etwas blass - als hätte die Autorin ganz vergessen, dass es einer ständigen Neuformung und Entwicklung ihrer Charaktere bedarf um sie nicht verstauben zu lassen.
Zu ihrer Verteidigung muss man ganz klar anführen, dass sie sich auch wirklich viel vorgenommen hat und davon den Großteil auch sehr ansprechend gemeistert hat. Was ich dabei eigentlich nur kritisieren will, ist die Schwerpunktsetzung, die von den Machtstrukturen im Kalifenpalast, der Liebe zwischen Shahrzad und Chalid und der Magie eher auf Intrigen, Kampf und weitere Charakter verschoben wird.
Einer dieser neuen Charaktere ist die 15jährige Irsa al-Haizuran - die ruhige und unscheinbare Schwester Shahrzads, die sich gut mit Heilkräutern auskennt und sonst den Mund hält. Doch ist sie wirklich so ruhig und hat nichts zu sagen? Definitiv nicht! Zu sehen, wie sie aus ihrer graue-Maus-Rolle herauswächst und sich so mutig und altruistisch wie ihre Schwester zeigt, hat mir sehr gut gefallen. Außerdem kristallisiert sich immer mehr heraus, dass sie auf Rahim, den besten Freund von Tarik, steht. Einerseits fand ich sie mit 14, knapp 15, noch etwas jung um diese anbahnende Beziehung wirklich akzeptieren zu können, da sie aber sehr erwachsen handelt, fand ich die beiden als Paar sehr süß.
"Jahandar mochte sich nicht mehr über vieles sicher sein, aber dessen war er sich gewiss: (...) Dass er alles tun würde, um das Buch zurückzubekommen.
Sogar betteln, handeln oder stehlen.
Sogar töten..."
Diese zarte, süße Entwicklung bildet ein krasses Gegengewicht zur Entwicklung von Jahandar al-Haizuran, der Vater der beiden Mädchen, der mir immer mehr zuwider war. Er versucht nur seine Töchter zu schützen, ist aber so verblendet, sie dabei aufs Übelste zu verraten und zu demütigen. Wie kann das zusammenpassen? Hat dieses teuflische Buch ihm so sehr die Sicht verzerrt und kann das jemals wieder in Ordnung werden? Die Frage, die ich mir die ganze Zeit gestellt habe: Wird er noch rechtzeitig die Kurve kriegen oder alles in seiner Machtgier zerstören, was er eigentlich beschützen wollte?
Dann ist da noch Artan, dem Shahrzad auf der Suche nach einer Auflösungsmöglichkeit des Fluches trifft. Mit seinem sarkastischen Humor war er mir sofort sympathisch, ich fand es aber sehr schade, dass wir nicht viel über ihn erfahren und einfach so in die Situation "hineingeworfen" werden.
Damit komme ich direkt zu meinem Hauptkritikpunkt: Die Entwicklung der "magischen Aspekte" des Buches, welche meiner Meinung nach komplett unzureichend ist. Ich finde Renée Ahdieh hätte entweder den Aspekt mit der Magie - zum Beispiel Shahrzads Gabe oder der Fluch - deutlicher ausbauen oder ihn einfach weglassen sollen. Mir ist die ganze Sache mit Artan und seiner Familie viel zu oberflächlich und unnachvollziehbar gewesen, genau wie die Sache mit dem Fluch, welcher immer mehr unterging und zu einer absoluten Nebensache degradiert wurde. Eigentlich hatte ich gedacht -was auch der Klapptext erwarten ließ-, dass sich der Großteil dieses zweiten Teiles um die Auflösung des Fluches drehen würde, der schon im ersten Teil eine so bedeutende Rolle eingenommen hatte. Als Chalid loszog um das Buch zu zerstören und es dann einfach ... gemacht hat, war ich etwas ungläubig und ein bisschen enttäuscht. War es das wirklich schon? Ist das Buch zerstört und der Fluch somit aufgehoben, oder haben sie irgendetwas Wichtiges übersehen? Dafür dass es das "große Böse" war, finde ich die Zerstörung etwas zu unspektakulär. Ich bin zwar nicht direkt der Meinung, dass der Fluch das Hauptthema des Buches ist - eher die Tatsache, wie schwierig es ist, Verantwortung zu übernehmen, damit klarzukommen, dass andere einen als Monster sehen weil sie gewisse Entscheidungen nicht verstehen und generell das Leben als Machthaber, was natürlich Shahrzads und Chalids Liebesgeschichte miteinschließt - aber trotzdem hätte ich da mehr erwartet.
"Die beste Art zu fliegen ist, die Leinen durchzuschneiden, die dich am Boden festhalten. Schneide die Leinen durch, Shazi, Flieg!"
 Das hat vielleicht auch dazu beigetragen, dass ich das Ende als ein bisschen überfüllt gesehen habe. Es werden nur einzelne "kleinere Dinge/Gefahren/Probleme" angerissen, die dann aber irgendwie gleich wieder beseitigt werden. So habe ich vergeblich nach einem packenden roten Faden gesucht.
Insgesamt hatte ich außerdem mit einer epischen Endschlacht oder zumindest mit etwas Vergleichbarem gerechnet, da sich der ganze Konflikt immer mehr zuspitzte. Hallo - Chalid reist mit einer riesigen Armee auf die feindliche Hauptstadt zu, will seine geliebte Kalifin befreien und endlich die Verhältnisse zwischen den verhassten Königreichen klären und dann..... gibt es einen mickrigen Schlagabtausch, bei dem auch noch ein Charakter stirbt - völlig undramatisch und sinnlos, wie ich es empfand- und ... NICHTS MEHR!
***Achtung Spoiler 2***

Der Tod von Rahim fand ich wirklich sehr traurig da ich ihn als Charakter sehr gemocht und mir für Irsa gerne ein gutes Ende gewünscht hätte, doch irgendwie kam er nicht so hundertprozentig bei mir an. Es scheint, als ob auch er in dem Kuddelmuddel untergeht, das am Ende herrscht. Viele interessante Dinge, die hohes Potential gehabt hätten, schneidet die Autorin nur kurz an, was alles sehr unübersichtlich macht und allem ein bisschen die emotionale Tiefe nimmt, die ich im ersten Teil erfahren durfte.

Als Chalid "stirbt" ist mir ehrlichgesagt kurz das Herz stehen geblieben - die Szenen hat es ganz schön in sich und ist sehr spannend geschrieben. Eigentlich war mir schon klar, dass es nicht sein kann, dass er stirbt, doch ich habe wirklich kurz gezweifelt und mich gefragt: Traut sich das die Autorin? Wer könnte ihn jetzt noch retten? Omg??!!
Dass Shahrzads Vater sich dann für ihn opfert und endlich erkennt, was wirklich wichtig ist für seine Tochter, fand ich eine sehr schöne Entwicklung. Es war denke ich das beste Happy End, dass es für ihn noch hätte geben können ohne ihn komplett unglaubwürdig aussehen zu lassen. So konnte er in Liebe für seine Tochter sterben und noch einen kurzen Moment das spüren, was er die ganze Zeit verzweifelt gesucht hatte: eine unendliche Macht - die Liebe. Als ich das gelesen habe saß ich wirklich da und dachte: "Hach wie schön".
***Spoiler Ende***
Nach einem kurzen Aufbäumen der Spannung folgt dann natürlich das Happy End.
Das Ende war dann zwar mit seinem Epilog sehr süß, für mich aber etwas zu kurz gehalten. Ich stehe eigentlich nicht auf die typischen Friede-Freude-Eierkuchen-Enden, doch manchmal fällt mir mein Leserherz fies in den Rücken - so auch hier: Dass Shahrzad und Chalid ihr Happy End bekommen und auch für Tarik eine Möglichkeit angeschnitten wird, finde ich wirklich sehr schön, im Ganzen hat mir aber eindeutig etwas gefehlt. Außer dass sie nun vereint sind, ein Kind haben und glücklich sind gibt diese wunderschöne Szene nicht her. Was passiert nun mit dem Königreich? Wird Chalid, der von allen als Monster gefürchtet wurde, nun doch akzeptiert und erfahren die Familien der gestorbenen Mädchen die ganze Geschichte? Ich finde, ein Happy End sollte noch ein kleines bisschen mehr an Informationen beinhalten.
"In Shahrzad kämpften zwei Gefühle. Das erste war Furcht. Das zweite traute sie sich noch nicht zu benennen. Als der Teppich weiter behutsam stieg, flutete die Wärme durch ihren Körper, in Arme und Beine hinein, selbst bis in die Fingerspitzen. Sie kitzelte sie in der Nase und pochte an ihren Ohrmuscheln.
Macht."
Alles in allem hat es mir aber trotzdem seeeeehr viel Spaß gemacht, diesen zweiten und abschließenden Teil zu lesen, auch wenn er für mich klar hinter dem ersten Teil zurückblieb!
Fazit:
 Ein spannender Abschlussband dieser kurzen Reihe, indem viele neue Aspekte aufgegriffen wurden. Leider wollte die Autorin aber etwas zu viel von allem - Plot, Charaktere, Spannung, Wendungen- und hat damit etwas ihres wertvollen 1001-Nacht-Feelings verloren. Schade, da wäre eindeutig so viel mehr drin gewesen!
Trotzdem: ein magisches Lesevergnügen für schlaflose Nächte und tatenlose Tage!

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