Dienstag, 14. März 2017

Das Labyrinth erwacht

 
Allgemeines:
 
Titel: Das Labyrinth erwacht
Autor: Rainer Wekwerth
Verlag: Arena (28. September 2015)
Genre: Thriller
ISBN-10: 3401507915
ISBN-13: 978-3401507910
ASIN: B00B58BF50
Seitenzahl: 408 Seiten
Preis: 12,99€ (Taschenbuch)
6,66€ (Kindle-Edition)
18,99€ (gebundene Ausgabe)
Weitere Bände: "Das Labyrinth jagt dich";
"Das Labyrinth ist ohne Gnade"
!Ausgezeichnet mit den Leserpreisen "Segeberger Feder" und "Ulmer Unke"!
 
 
 
Inhalt:
 
"Einer von euch wird stets zurückbleiben, einer wird allein seinen Ängsten gehören. Wer leben will, muss kämpfen. Gegen andere, gegen sich selbst. Am Ende wird nur einer von euch überleben. Weil ihr im Labyrinth seid. Weil ihr verloren seid."
 
Das Labyrinth.
Es denkt.
Es ist bösartig.
Sieben Jugendliche werden durch Raum und Zeit versetzt.
Sie wissen nicht mehr, wer sie einmal waren.
Aber das Labyrinth kennt sie.
Jagt sie.
Es gibt nur eine einzige Botschaft an jeden von ihnen:
Du hast zweiundsiebzig Stunden Zeit das nächste Tor zu erreichen oder du stirbst.
Problem Nummer Eins, es gibt nur sechs Tore.
Problem Nummer Zwei, ihr seid nicht allein.
Ein tödlicher Kampf entbrennt...
 
 
 
Bewertung:
 
Erster Satz: "Als Jenna erwachte, sah sie als Erstes den blauen Himmel, der sich majestätisch über ihr erstreckte."
 

Mit diesem Satz beginnt ein ultra spannender Auftakt einer Science-Fiction-Reihe die es in sich hat. Ich habe dieses Buch, wie auch seine zwei Folgebände mit Begeisterung gelesen und konnte gar nicht mehr aufhören, es durch zu suchten. Für mich ist klar: der Hype um diese Maze-Runner-Manier-Reihe ist absolut begründet!!
 Unvermittelt, unvorbereitet werden wir in eine Ebene in der Nähe eines Waldes geworfen, wachen zusammen mit den sieben Protagonisten nackt, orientierungslos und ohne Erinnerungen auf und müssen uns in dieser Situation genau wie sie zurechtfinden. Das gefällt mir sehr, kein Prolog, keine Erklärung, nur der Anfang der für sich steht und mit einer einfachen Botschaft auf alles kommende vorbereitet: 
 
 
„Du musst diese und alle anderen Welten durchlaufen, wenn du heimkehren willst. Viele Prüfungen warten auf dich, aber du wirst nicht allein sein. […] In jeder dieser Welten gibt es Tore, Portale, die euch in die nächste bringen, am Ende des Weges liegt die Freiheit. Derjenige von euch, der alle Welten durchlaufen hat, gewinnt den Preis des Lebens.“
 ...
 
...
Wie unsere Hauptpersonen sind wir zuerst vollkommen überfordert, doch das Buch nimmt sich in seiner rasanten Problematik viel Zeit um die Charaktere vorzustellen.
 
Der Klapptext über den Inhalt lässt einen rasenden Thriller vermuten, purer Überlebenskampf - welchen wir auch präsentiert bekommen, doch zuerst lernen wir die Charaktere kennen. Bis zur Hälfte des Buches passiert nicht viel, bloß ein Abchecken, ein Klären der Rangbedingungen und eine erste Orientierung. Die Story bleibt recht überschaubar, denn die Protagonisten stoßen zwar auf einige Probleme und Hindernisse, werden verfolgt und müssen sich selbst überwinden, neu kennen lernen und organisieren, aber die Handlung an sich hält sich in Grenzen. Im Vordergrund steht klar der Umgang mit der psychischen Belastung der einzelnen Charaktere und deren Entwicklung, was unfassbar spannend ist. Trotzdass die Grundidee, eine Gruppe von Jugendlichen, die nicht wissen, wer und wo sie sind, in einer gefährlichen Extremsituation auszusetzen und ihnen beim Straucheln zuzusehen, eigentlich alles andere als neu ist, ist doch die Umsetzung dieses Thrillers so packend, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte.

 
„Er rannte so schnell er konnte. In seinem Rücken ertönte aufgeregtes Rufen, langgezogenes heiseres Heulen, das sich in seinem Kopf festzusetzen schien und dem bald andere Schreie antworteten. […] Die unmenschlichen Laute dröhnten in seinen Ohren. Er erhöhte das Tempo.“
 
 
Sie sind ahnungslos, ohne Orientierung und doch wissen sie eines: Sie müssen die Tore finden um in die nächste Welt zu gelangen, sonst sind sie verloren! In jeder neuen Welt gibt es ein Tor weniger, sodass immer einer von ihnen zurückbleiben wird und sie haben dazu nur eine begrenzte Zeit. Außerdem werden sie gejagt. Können die Jugendlichen trotz des Wissens, dass einer zurückbleiben muss, kooperieren? Wird es ihnen gelingen, zu den Toren zu gelangen?
Was ist das für eine Welt, in der Jeb, Jenna, León, Kathy, Tian, Mary und Mischa gelandet sind? Eine weitere Steppe, in der Ferne ein Wald. Jäger sind ihnen auf den Fersen. Was soll das alles? Wie auch die Jugendlichen steht der Leser zu Beginn der Geschichte vor einem riesigen Fragezeichen. Dann folgen die ersten Hinweise, und die Geschichte wird hochspannend.


"Purer Überlebenswille treibt uns an. Wir können nicht anders als kämpfen. Um jeden Zentimeter Boden, um die Tore, um die Möglichkeit, einen weiteren Tag zu erleben."


Neben der immer währenden Bedrohung, die über der Handlung schwebt, lernen wir Leser die einzelnen Charaktere kennen, die alle mal aus ihrer Sicht berichten dürfen. Die Charaktere sind dabei sehr verschieden und dabei sehr interessant und individuell ausgestaltet. Scheinbar jeder Typ Jugendlicher ist abgedeckt: der geborene Anführer, das nette Mädchen von nebenan, der knallharte Kämpfer, das manipulierende Biest, der schüchterne Einzelgänger…unterschiedlicher könnten die Protagonisten kaum sein, und doch müssen sie zusammenhalten um weiter zukommen, um zu überleben! In dieser zusammengewürfelten Gruppe bilden sich sofort Allianzen, Vorlieben, kleinere Streitigkeiten - eine normale Gruppendynamik, Verhaltensmuster werden sehr interessant dargelegt. Es bilden sich Paare, Feinde, oft löst sich die ganze Hierarchie wieder auf und setzt sich neu zusammen. Dabei wird für den Leser klar, wer welche Absichten hegt und es gibt diejenigen, die einem sofort sympathisch sind, es gibt welche, die man eher weniger mag und es gibt welche, bei denen weiß man nicht so genau, was man von ihnen halten soll. Obwohl alle dasselbe Problem haben, sehen doch alle der Situation ganz verschieden entgegen:
 
 
"Dieses goldene Lächeln, es schien ihm so ...
und dann spürte er Wärme in sich,
wurde zuversichtlich, als könne ihm nichts geschehen,
solange es dieses Lächeln gab."
 
 
 Da ist zum Beispiel der hilfsbereite Jeb, der die Gruppe zusammenhalten möchte. Auf ihn ist ein kleiner Schwerpunkt gesetzt und er war mir sofort sympathisch mit seiner ehrlichen, zuvorkommenden und optimistischen Art. Schon früh erkennt man, dass er und Jenna, die ebenfalls ehrlich, mutig und nett ist, gut zusammenpassen.
Dann der Einzelkämpfer León, der keinen an sich heranlässt, aggressiv aber schlau mit viel Kampfgeist ist.
Die biestige Kathy, die stets auf ihren eigenen Vorteil bedacht ist und sich für keinen Manipulationsversuch zu schade ist. Schnell reizbar, wunderschön, egoistisch - keine angenehme Teampartnerin und das direkte Gegenteil zu der schüchternen, schwachen Mary, die sich eher pessimistisch eingestellt zurückhält.
Dann der eher unscheinbare Mischa, der jedoch sehr schlau zu sein scheint und der ängstliche Tian, der durch seine schwache, schüchterne Art bald zum Opfer zu werden scheint.
 
 
"Könnte sein, aber wer von uns weiß schon, wer er wirklich ist. Vielleicht werden wir es nie erfahren."
 
Sie alle, wie stark sie auch sein mögen, sind bald erschöpft, verletzt oder drohen, verrückt zu werden und langsam scheint durch, dass sie alle nicht normal sind. Irgendetwas scheint mit jedem von ihnen nicht zu stimmen, und als dann im Laufe des Buches Erinnerungs-Flashbacks auftauchen, kommt einem als Leser ganz oft das Wort "Schuld" in den Sinn, sodass ich mich oft fragte: Ist das Labyrinth eine Strafe? Eine moderne Vollzugsanstalt? Ein Experiment? Wer schafft es zum nächsten Tor? Wird die Gruppe zusammenhalten? Bald kommen Zweifel auf... Diese prickelnde Mischung aus Einzel-/ Gruppenproblem und Überlebenskampf macht diesen Thriller zu einem spannenden Leseerlebnis. 
 
 
"Wir sind wie Ratten. Fressen, Beißen, Kämpfen -
und vermutlich schaut uns einer dabei zu."
 
 
Was mich ebenfalls positiv überrascht hat ist der der Schreibstil des Autors. Ich fand es sehr erfrischend, mal wieder gute Science-Fiction von einem deutschen Autor zu lesen und durch die flüssige, einfache Sprache entwickelte sich schnell eine Suchtwirkung. Durch abwechslungsreiche aber nicht ausschweifende Beschreibungen wurde ich überzeugt und gefesselt. Dabei schwankt der Autor ständig zwischen den unterschiedlichsten Emotionen und macht ein mitfühlendes Leserherz damit ganz kirre. Mal fesselnd, spannend, romantisch, gefühlvoll, brutal, hoffnungsvoll, verloren und dann wieder eiskalt und gefühlslos.

Während der ganzen Geschichte stellt man sich im Hinterkopf die Frage, warum die sieben Jugendlichen sich überhaupt im Labyrinth befinden. Wer sind sie wirklich? Was passiert nach dem letzten Tor? Kann wirklich nur einer überleben? Was ist dieses Ding, das sie so unnachgiebig verfolgt?
 
 
"Seelentrinker“, flüsterte Mary plötzlich. „Ich weiß nicht, warum mir der Name einfällt, aber er passt zu ihnen. Sie wollen nicht nur unsere Angst, sie wollen alles.“
 
 
Nach und nach erinnern sich die sieben an einzelne Episoden ihres bisherigen Lebens und man kommt mit diesen Hinweisen der Antwort auf diese Fragen ein kleines Stückchen näher. Jedoch wird zum Ende hin nichts aufgelöst und wir bleiben so unwissend wie die Jugendlichen, zu Mutmaßungen verdammt. So bleibt es bis zum Ende sehr spannend und nervenaufreibend, man fiebert mit und zerbricht sich den Kopf - doch des Rätsels Lösung wird in den zweiten Teil verlagert, was ich etwas Schade finde. Ich hätte mir zum Abschluss schon etwas mehr Informationen gewünscht. Ein unheimlicher Epilog macht Lust auf mehr - so bin ich also sofort zur Buchhandlung gerannt und habe mir den nächsten Teil gekauft, was ich jederzeit noch einmal tun würde.

"Manchmal war es besser, Schreckliches ruhen zu lassen."

 
Das Cover ist ein wahrer Eye-Catcher und passt super zu Titel und Inhalt. Rot und grau sind die dominanten Farben, durch die vielen Löcher, die alle gleich aussehen und sich ins Unendliche fortzusetzen scheinen, erscheint das Bild etwas wie ein Lautsprecher oder eine Bienenwabe. Vor dem roten Hintergrund haben sich sechs kleine menschliche Silhouetten ab, die alle in ihrer eigenen Röhre stehen, abgegrenzt von den anderen, was sehr gut passt. Etwas verwirrend fand ich, dass nur 6 Personen abgebildet sind, wo es doch um sieben Jugendliche geht. Da fragt man sich natürlich sofort, was mit der fehlenden Person ist. Die Buchstaben des Titels sind weiß hervorgehoben und verleiten dazu, das Buch öfter in die Hand zu nehmen. Insgesamt eine sehr interesseweckende Gestaltung, auch wenn "das Labyrinth" etwas verwirrend sein kann, da die Protagonisten ja nicht wirklich in einem typischen Labyrinth unterwegs sind. Auffallend ist außerdem, dass das Buch recht breit ist und somit etwas im Bücherregal hervorsteht.

"Aber vielleicht liegt darin auch die Perversion unseres Überlebens, Vielleicht sollen wir gegeneinander kämpfen, uns gegenseitig töten. Nur ein Preis. Nur ein Sieger. Ein Mörder würde überleben."

 
Fazit:
 
Mit dem grauenvollen Labyrinth erwacht eine vielversprechende neue Thriller-Reihe. Ein mitreißender Auftakt, der mit den Abgründen der menschlichen Seele spielt.
 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen