Dienstag, 11. April 2017

Throne of Glass - Königin der Finsternis

Allgemeines:
Titel: Throne of Glass - Königin der Finsternis
Autorin: Sarah J. Maas
Verlag: dtv (11. November 2016)
Genre: Fantasy
ISBN: 978-3423717076
ASIN: B01HQ3TLTE
Seitenzahl: 784 Seiten
Weitere Bände:Throne of Glass - Die Erwählte;
Throne of Glass - Kriegerin im Schatten;
Throne of Glass - Erbin des Feuers
Preis: 12,95€ (Taschenbuch)
9,99€ (Kindle-Edition)


Inhalt:

"Auf die neue Welt!", sagte die Königin von Terrasen. Der König von Ardalan hob ebenfalls sein Glas, und trotz der tiefen Schatten, die in seinen Augen tanzten, war dort auch ein Funkeln Leben zu erkennen. "Auf die Freiheit!"

Keine Regeln.
Keine Grenzen. Keine Reue.
Celaena ist zurück.

Celaena hat tödliche Wettkämpfe überlebt, ihr wurde das Herz gebrochen, sie hat sich den Schatten ihrer Vergangenheit gestellt und es überstanden. Jetzt kehrt sie zurück nach Adarlan. Aber nicht mehr als Celaena Sardothien, sondern als Aelin Galathynius, Königin von Terrasen. Doch bevor sie ihren Thron besteigen kann, muss sie noch offene Rechnungen begleichen. Da ist zum einen ihr alter Meister, der sie verraten und dem Tod überlassen hat. Und der König von Adarlan, der in seinem grenzenlosen Machthunger die Magie verbannt, ihre Eltern getötet und den ganzen Kontinent unterworfen hat. Eine Aufgabe, würdig einer Kämpferin, würdig einer dunklen Königin ...



Bewertung:

DISCLAIMER: Dieses Buch ist der vierte Band der "Throne-of-Glass-Reihe" von Sarah J. Maas. Mögliche Spoiler über Geschehnisse in vorherigen Bänden können somit nicht ausgeschlossen werden! ;-)
!Zum Verständnis: Celaena wird hier immer Aelin genannt werden, da sie auch im Buch immer so genannt wird!

Nur um das gleich mal klarzustellen: Ich LIEBE diese Reihe!!! Wer also eine ganz objektive Meinung will, ist hier auf jeden Fall fehl am Platz. Schon nach dem dritten Teil war ich absolut geflasht und konnte mich gar nicht sofort an die Rezension setzen, sonst wäre wohl bloß ein hyperbegeisterter Kauderwelsch mit tausend Ausrufezeichen und einer Million Herzchen herausgekommen. Doch dieser vierte Teil übertrifft den dritten dann sogar nochmals um Längen!!! Dachte ich noch bei Band zwei und drei, ich würde am Ende einen Herzinfarkt erleiden, so habe ich hier einen Hirnschlag bekommen. 



"Hier sind wir also", sagte Dorian schließlich.
"Am Ende des Weges", entgegnete Aelin mit einem schiefen Lächeln.
"Nein", wiedersprach Chaol und lächelte selbst vorsichtig. "Am Anfang des nächsten!"


Was diese Autorin erschaffen hat, gleicht an Bildgewalt und Schreibstil, einem wahren Epos und ist definitiv würdig verfilmt zu werden.
Zuerst hatte ich fast ein bisschen Angst dieses Buch zu lesen, da ich wusste: Wenn ich den Band fertig habe, muss ich erstmal warten. Doch dann konnte ich einfach nicht widerstehen und habe das Buch in ein paar Tagen durch gesuchtet. Ich kann gar nicht sagen wie sehr ich diese Welt und ihre Bewohner liebe und jeden Lesemoment genossen habe! Ich könnte noch stundenlang weiter Lobeshymnen zu der Genialität dieses Buches schreiben, aber dann wäre meine objektive Glaubwürdigkeit noch mehr im Eimer, also ...

... der Plot:
Die Handlung knüpft nahtlos an den Vorgängerteil an. Als Celaena Sardothien nach ihrem Arbenteuer in Wendlyn nach Rifthold zurückkehrt, ist sie nicht mehr die grausame Assassinen, sondern Aelin Galathynius, Königin von Terrasen. Nachdem sie nun endlich zu dieser Rolle gefunden und sich selbst akzeptiert hat, muss sie sich jetzt direkt mit ihrer Bestimmung auseinandersetzen. Während sie zuerst ihre Angelegenheiten in der Stadt klären muss, sie sich an ihrem Meister Arobynn für die Grausamkeiten rächt, die er ihr angetan hat, ihre alte Liebe Chaol nach einem Jahr der Trennung wieder sieht und fest stellen muss, dass sie sich zu stark voneinander entfremdet haben, um eine Beziehung abseits von Misstrauen und Schuldzuweisungen zu führen und versucht, die Rebellen für einen Befreiungsschlag zu stärken, schläft auch der Feind nicht. Der König verbirgt seine Machenschaften nicht länger im Schatten der Feriansschlucht, sondern macht seine Streitkräfte in Morath einsatzbereit. Noch dazu tickt die Uhr, um den von den Valg versklavten Kronprinzen Dorian, sowie Aelins todgeglaubten Cousin Aedion aus den Fängen des Königs und vor dem sicheren Tod zu bewahren. Um dies zu schaffen, muss Aelin mehr sein, als sie jemals zuvor war: eine Kriegerin, eine Frau, eine Assassine, eine dunkle Königin!!!


Erster Satz: "In der Dunkelheit lauerte etwas."


Wieder bekommen wir die Gesamtgeschichte aus verschiedenen Perspektiven an verschiedenen Orten vermittelt, wobei der Handlungsstrang in Rifthold mit Aelin (Caleana) klar im Vordergrund steht. Durch die zwei Haupthandlungsplätze Rifthold und die Feriansschlucht – erhält man als Leser einen guten Überblick über das Geschehen, einmal von der Seite der Rebellen aus, einmal von der Seite des Königs. Nachdem wir Celeana zuerst im harten Wettkampf als kaltherzige Assassine kennenlernten, der zweite Teil sich dann eher auf die Intrigen am Hof des Königs konzentrierte, "Throne of Glass - Erbin des Feuers" eine eher dunkle, düstere und magische Fortsetzung war, die sehr viel mit den inneren Dämonen ihrer Charaktere spielt, so bekommen wir in diesem vierten Teil vor allem viele epische Szenen und Action serviert, trotzdem immer darauf bedacht, die Charakter in Bewegung zu haben, neue Aspekte zu beleuchten und überraschende Wendungen zu kreieren. Alles in allem also eine perfekte Mischung aus allen Teilen. Da sich die Reihe bisher von Band zu Band gesteigert hat, bin ich mehr als gespannt, was uns Sarah J. Maas in ihrem fünften Teil vorzusetzen gedenkt!


"Bald würde sie ihre wahre Bestimmung finden und würden ihren Zorn dem Mond entgegenheulen. Sie hatte vergessen, welchen Namen man ihr gegeben hatte, aber das machte keinen Unterschied. Jetzt hatte si nur einen Namen: Weltenverschlinger."


Wieder hat mich das Buch eiskalt erwischt und immer wieder aufs Neue entsetzt. So langsam zweifle ich wirklich an meinem "Plot-Näschen", das mir eigentlich immer ganz gut beim Voraussehen von Wendungen geholfen hatte. Nachdem mich die Autorin nun schon so oft überrascht, mich mit ihren Wendungen glatt an der Nase herum geführt und die Handlung in eine unerwartete Richtung gelenkt hat, dachte ich so langsam, nun hätte ich alles überblickt und das Muster verstanden - und dann kam wieder so eine Überraschung, die ich einfach nicht voraussehen konnte und wieder eine... Eine nach der anderen haute sie raus, sodass ich einfach nur sprachlos war und nur staunen konnte, was sich unsere liebe Frau Autorin da mal wieder für uns ausgedacht hatte. Vor allem eine Wendung gegen Ende hat mich dazu gebracht, aufgeregt auf und ab zu hüpfen, "Nein!", "Nein!", "Nein, das hat sie nicht wirklich gemacht!", zu brüllen, sodass mich meine Eltern seltsam anschauten, und nochmals die ganzen Ereignisse in allen Teilen zu überdenken. Was dort passiert, verrate ich natürlich nicht, aber das werdet ihr dann schon verstehen, wenn ihr dort angekommen seit oder es schon gelesen habt...!


 "Sie war ein todbringender Wirbelsturm, sie war die Königin der Finsternis und diese Männer waren bereits Krähenfutter..."


Ein bisschen gewöhnungsbedürftig - vor allem zu Beginn- ist, dass wir mit diesem Band praktisch eine völlig neue Hauptprotagonistin serviert bekommen. Aus der verletzten Celaena mit der grausamen Vergangenheit, die wir in den letzten 3 Bänden und der Vorgeschichte kennengelernt haben, ist nun Aelin Galathynius geworden. Ein völlig neuer Mensch, mit neuen Zielen und einer anderen Sicht auf die Welt sowie auf ihre neuen und alten Beziehungen. Zuerst erschien sie mir zu sehr anders und ich konnte mich auch nicht damit abfreunden, dass jetzt die ganze Zeit geschrieben stand "Aelin machte dies, Aelin machte das...", doch mit der Zeit und mit einer wunderbaren Charakterisierung durch die Autorin, entstand das Bild eines Phönixes vor meinen Augen: Celaena Sardothien, Lady Lillian Gordiana, Elentiya, und nun eben die Königin Aelin Ashryver Galathynius -  das starke Mädchen, das sie eigentlich schon immer gewesen war und das nun in der Kraft ihrer Feuermagie ihre Asche abgeschüttelt und neu geboren wurde. Wo sie im dritten Band noch sehr unsicher und erdrückt von ihrer Verantwortung zu sein schien, hat sie sich jetzt berappelt und stellt eine perfekte Mischung aus gnadenloser Assassinen und zukünftiger Königin dar. Sie ist, wie sie es eigentlich schon immer gewesen ist, es nur selbst nicht erkannt und sich lieber hinter der eiskalten Maske versteckt hatte: stark, mit großem Durchhaltevermögen und viel Hoffnung, trotzt ihrer traumatischen Vergangenheit, mutig mit überbordendem Beschützerinstinkt und Autorität, doch trotzdem voller Güte - mit der direkten und stürmischen Art, ist sie mir wirklich ans Herz gewachsen-enger als kaum eine andere Protagonistin je zuvor- , aber es schimmern auch immer wieder verletzliche und manchmal auch unsichere Seiten an ihr durch und man merkt, wie sehr ihr die Last zu schaffen macht, die sie auf ihren Schultern zu tragen hat. Es ist soooo süß zu sehen, wie sie nun endlich aus dem Abgrund geklettert ist, in den sie vor langer Zeit gestoßen wurde und für sich selbst einsteht, anstatt der ganzen Welt die grausame und kaltblütige Maske von Celaena Sardothien zu zeigen, die genauso wenig ihr wahres Gesicht ist wie die schwache und schuldtragende Gestalt, als die sie sich selbst wahrnimmt!


"Zehn Jahre im Schatten haben jetzt eine Ende. Bringt Licht in die Dunkelheit, Majestät!" In ihrem Herz war kein Platz für Tränen und sie wollte sie auch nicht zulassen. Sie nahm das Schwert ihres Vaters aus seiner Handd, eine sichere, zuverlässige Waffe. (...) Dann nahm sie all ihren Mut zusammen, grinste und rief:
"Bringen wir die Sterne ins Wanken!"


Der Charakter von Chaol, auf dessen Rückkehr ich eigentlich den ganzen dritten Teil lang sehnsüchtig gewartet hatte, hat sich in der Zeit auch sehr gewandelt und ist fast zu einer komplett neuen Person geworden. Aus dem loyalen und liebenswürdigen Captain ist ein harter, misstrauischer Rebellenkommandant geworden, der nun gegen das kämpfen muss, was er geschworen hat, mit seinem Leben zu beschützen: sein Freund und Prinz Dorian. Chaols Handlungsstrang hat leider schon im dritten Teil ein kleines bisschen an Anziehungskraft verloren aber es hat mir hier wirklich das Herz gebrochen, sehen zu müssen, wie verfeindet Aelin und er sich verhalten und damit das absolute Ende ihrer Beziehung besiegeln. Es dauert eine ganze Weile, ehe sich zwischen den beiden die Wogen zum Glück wieder etwas glätten und sie es schließlich doch noch schaffen, auf eine recht freundschaftliche Ebene zurück zu finden. Mich freute es, dass er in der Kriegerin Nesryn, eine neue Gefährtin findet, auch wenn mir diese Entwicklung irgendwie zu plötzlich ging. Meiner Meinung nach, wurde er in diesem Buch viel zu wenig in die wirklich relevante Handlung integriert. Er versinkt in eine Strudel aus Nebenrollen, die immer mal wieder nützlich sind, aber den Großteil der Handlung doch ignoriert werden. Das finde ich wirklich sehr sehr schade, da wir und auch Aelin ihm ja mal wirklich nahegestanden sind.

An seiner Statt haben wir -und auch Aelin- jetzt aber Rowan *sabber, schmacht, seufz*, der unsterbliche Fae-Prinz mit dem knallharten Krieger-Körper, dem tätowierten Gesicht und dem weichen, verletzten Herzen. Auch er hat in seiner Vergangenheit traumatische Erfahrungen durchlitten und kämpft immer noch mit seinen inneren Narben und Wunden und hat sich als wichtiger Teil in Celaenas Entwicklung zu Aelin zu einer Art Fels in der Brandung entwickelt. Ohne ihn mit seiner pragmatischen, sarkastischen und draufgängerischen Art geht es nicht mehr und immer, wenn er in Aelins Nähe war, hat er die harte Schale der Königin etwas eingerissen. Ich habe zwar schon oft genug erwähnt, dass ich ihn wirklich genial finde, aber hier noch ein letztes Mal: Hach, er ist sooo toll!!!


"Sie waren zusammen aus Dunkelheit und Schmerz hervorgekommen. Sie waren immer noch auf dem Weg ins Licht. (...)
"Du schaffst es, dass ich leben will, Rowan. Nicht nur überleben, nicht nur existieren. Leben."


 Dorian bleibt auch etwas im Hintergrund, verschwindet aber nicht komplett von der Bildfläche, wie ich es befürchtet hatte. Auch wenn er - von einem Valgprinzen besessen - nicht mehr komplett er selbst ist und immer mehr in seinem Schmerz verschwindet, bleibt er trotzdem gewissermaßen unser Prinz und teilt uns sein Leiden in einigen kurzen Partien aus seiner Sicht mit, die es einem kalt den Rücken hinunter laufen lassen. Durch diese Abschnitte erhalten wir ein kleines Lebenszeichen von ihm, das seine Freunde aber leider nicht mitbekommen. In dem Glauben, er sei vollkommen ausgelöscht worden, planen sie schon seine Ermordung. Erkennen sie ihn rechtzeitig in dem Dämon wieder und kann er überhaupt gerettet werden...?

Manon Blackbeak, die Schwarmführerin der Ironteeth Hexen, ist mir seltsamerweise immer mehr ans Herz gewachsen. Zuerst fiel es mir sehr schwer, mich mit der unglaublich gefühlslosen, kalten und grausamen Art der Hexe zu identifizieren, doch irgendwie hat es Sarah J. Maas schon im dritten Teil geschafft, mir die eigentlich verabscheuenswürdige Gestalt, die sich am liebsten von Menschen ernährt, näher zu bringen, sodass ich schließlich mit ihr um das Gelingen ihrer Pläne gefiebert habe. Sie ist so klar strukturiert grausam, dass man ab und zu ein weiches Herz und Gründe für dieses Auftreten erahnen kann. Sie, die doch immer so diszipliniert und autoritär war, beginnt langsam an der Richtigkeit ihrer Mission zu zweifeln, als der Herzog beginnt, grausame Experimente mit Hexenzirkeln durchzuführen um grauenvolle Monster zu züchten. Langsam beginnt sie sich dagegen aufzulehnen, bloß ein Teil der Kriegsmaschinerie des Königs zu sein, auch wenn es kein leichter Weg ist, bis sie sich es zugesteht, sich aufzulehnen. Immer mehr Risse entstehen in ihrem todbringenden und grausamen Image, das sie sich gegenüber dem Leser zugelegt hat. Sie gibt zwar nicht viel von sich preis, doch immer noch genug, um erkennen zu können, dass mehr in ihr steckt, als man auf den ersten Blick denkt.

"Wir müssen vorsichtig sein, wenn wir uns gegen unsere Ketten auflehnen." "Ketten können brechen", stellte Asterin herausfordernd fest. "Das kann dein Genick auch.", erwiderte Manon..."


Ihr Handlungsstrang gewinnt außerdem an mehr Tiefe, als wir ihre Zweite, Asterin, besser kennenlernen dürfen und erfahren, warum sie sich so verhält, wie sie es tut. Die ganze Dreizehn, die über Jahrhunderte zusammengeschweißte Kampfgruppe, ein Zirkel voller interessanter Charaktere und eiskalter Präzession, wird von der Autorin langsam aufgeschlüsselt und vom einigen Kampftrupp in einzelne Charaktere zerlegt.
Ja und als wir dann noch Elide kennenlernen dürfen, die verkrüppelte Magd Manons, deren Namen dem aufmerksamen Leser bekannt vorkommen sollte, wird es so richtig spannend. Was wird sie noch für eine Rolle spielen? Hat sie wirklich eine wichtige Gabe?
Dazu kommt, dass wir endlich Lady Kaltain wieder treffen. Keine eitle und höfische Lady mehr, sondern eine verzweifelte dunkle Frau, voller Hass und mit einer furchtbaren Gabe: das Schattenfeuer...
All das trug dazu bei, dass ich Manons Handlungsstrang nun wirklich genauso interessant finde, wie der von Aelin. (Oder vielleicht lag es auch einfach nur am Wyvern-Bonus... ;-) Diese drachenähnliche Flugmonster, die enge Verbindungen zu ihren Reiterinnen aufbauen und vor allem Abraxos, der großer Krieger mit viel Mut, Liebe, Mitgefühl und einer Vorliebe für Blumen, in die er immer seine Nase steckt, muss man als Fantasy-Liebhaber einfach lieben!)


"Wo kann ich Euch hinbringen, wo Ihr sicher seid?"
Nirgendwo. Es gab keinen sicheren Ort. Doch langsam, als bräuchte sie eine Ewigkeit, um sich daran zu erinnern, wie das geht, richtete sie den Blick auf Elide. Dunkelheit und Tod und schwarze Flammen - Verzweiflung, Wut und Leere."


Besonders spannend wird es dann, als die beiden Handlungsstränge sie miteinander verweben, als die beiden aufeinandertreffen und Aelin ihrer Feindin das Leben rettet. Nun bin ich natürlich höchst gespannt, wie sich die Seiten im nächsten Teil entwickeln. Stehen sie auf der selben oder auf gegenüberliegenden Seiten? Was für Rollen, dürfen beide noch einnehmen?

Neben Nesryn und Elide kommt mit der schönen Prostituierten Lysandra, ein weiterer neuer Charakter dazu. Zuerst tritt sie als Aelins Rivalin auf, doch nachdem die beiden ihre vergangenen Dispute aus dem Weg geräumt und ihren gemeinsamen Feind Arobynn beseitigt haben, werden sie sogar so etwas wie Freundinnen. Mir war sie sofort sympathisch. Sie ist schlagfertig, listig und besitzt eine innere Stärke, die ich zu Beginn nicht vermutet hätte. Und... in ihr stecken eine Menge Überraschungen, denn sie ist mehr, als sie zu sein scheint... Mit ihr tritt die kleine Evangeline auf den Plan, von der wir hoffentlich noch nicht das letzte gehört haben. Ich habe da so eine Ahnung...


"Ein Schauer durchlief sie und etwas Uraltes, kaltes lächelte sie an. "Was bist du, Frau?" Es leckte sich die Lippen. "Lass mich dich schmecken. Sag mir, was du bist." (..)
"Ich bin der Tod", entgegnete sie nur."


Ich fand es mal wieder unglaublich, wie gut es Sarah J. Maas geschafft hat, diese vier neuen Charakter so einzuführen, dass sie die Geschichte wertvoll erweitern und nicht nur als Ballast mitgeschleppt werden. Mir gefällt es, wie die ganze Geschichte lebt. Manche Fantasy-Welten werden einmal aufgebaut und dann spielt sich die Handlung in diesem statischen Bühnenbild ab. Doch nicht bei dieser Reihe: Ständig verändert sich der Fokus, der Blickwinkel, der Handlungsort der Geschichte, es werden neue Dinge aufgenommen, bestehende ändern sich - eine stetige Entwicklung, die die Geschichte so perfekt und schlüssig erweitert, dass aus dem roten Fanden, ein rotes Band wird. Das ist eine Fähigkeit, für die ich Sarah J. Maas immer bewundern werde: ihre zusammenhängende Darstellung der Welt, die immer komplexer, verschachtelter und geheimnisvoller wird, mit jedem Charakter und Handlungsstrang der dazukommt. Dabei verliert sie nie das Wesentliche aus den Augen und überlädt die Story auch nicht - sie pickt sich einzelne interessante Aspekte gekonnt heraus, welche dann weiter gesponnen und vernetzt werden, bis ein umwerfendes Gesamtergebnis entsteht!


"Noch ein paar Sekunden, dann könnte sie sterben. Der Wind riss an ihr und schien ihren Namen zu rufen. Welle auf Welle an Glas und Schutt brandeten gegen ihre Feuermauer. Aber sie hielt die Flammenwand aufrecht - für das Königliche Theater. Und die Blumenmädchen auf dem Markt. Für die Sklaven, die Kurtisanen und die Familie Faliq. Für die Stadt, in der sie Freunde und Schmerz erlebt hatte, die Stadt, die ihr die Musik gegebenen hatte, für sie alle ließ sie diese Wand brennen.."


**Kurzer Spoiler:** - Tschuldigung, das muss echt sein ;-)

Ich lieeeebe den Moment, als endlich die Magie zurückkehrt und die Komponente "Magie", die mir in Wendlyn so spannend erschienen war und mir in Ardalan gefehlt hatte, wieder da ist.
Die schlussendliche Entdeckung des dritte Wyrdschlüssels, also des Amuletts von Orynth, fand ich ein bisschen unspektakulär. Es wurde mir nicht so ganz klar, was sie jetzt damit machen wollen.
Dass der König am Ende doch nicht wirklich böse war und stattdessen vom König der Valg kontrolliert wurde, hat mich einfach umgeworfen!!!

**Spoiler Ende:**


Nun muss ich nochmals den außergewöhnlichen Schreibstil Sarah J. Maas´ würdigen. Wie für die ganze Reihe gibt es ein Wort, das ihr erstaunliches Talent, Worte in Sätzen so zu platzieren, dass sie der Geschichte alleine durch den Schreibstil ein imposantes Auftreten verleihen, super beschreibt: EPISCH. Durch ihre teils sehr außergewöhnliche Wahl der Worte und einer intensiven Szenenbeschreibung, fühlt man sich oft, als würde man einem Film zusehen, der vor den eigenen Augen abläuft. Ein wunderbarer Film voller Action, Gefühle und Hintergrund und mit genialen Schauspielern...
Sehr nervend fand ich dann aber die vielen Rechtschreibfehler, die eigentlich noch nicht einmal wirklich welche waren. Oft bin ich über Seiten gestolpert, auf denen zwei Worte zu einem einzigen zusammengezogen worden, was wohl von einem Formatierungsfehler herrührt. Ich hatte deshalb zwar keine Verständnisprobleme, habe mich aber trotzdem jedes Mal aufgeregt, da dieses Buch einfach eine perfekte Formatierung verdient hat!!!


"Manchmal wird es keine richtige Entscheidung geben, nur die Wahl unter mehreren schlechten Möglichkeiten."


Wenn ich schon gerade beim Aussehen bin, noch schnell einige Worte zum Cover: Es reiht sich perfekt ein und passt zu den vorangegangenen Bänden. Ich muss sagen, mit jedem Mal, gefällt mir dieses Design besser. Zuerst war ich nicht so begeistert von den Motiven, da sie mir viel zu "mangamäßig" und unecht wirkten. Doch als ich nun dieses Cover gesehen habe, konnte ich sofort Aelin in der Figur erkennen: stark, unerschrocken, in ihren schwarzen Kampfanzug gekleidet, unerschrocken und kämpferisch mit dem Schwert in der Hand: eine dunkle Königin! Wieder ist der Hintergrund weiß und unsere Lieblingsprotagonistin wird von einem weiß, lila Nebel umgeben. Eher nicht gefallen hat mir mal wieder die Buchrückseite, da man dort Aelin in ihrem Drachenkleid sieht, das ich mir ganz anders vorgestellt hatte. Mit seinen 766 Seiten ist dieser Band der längste Seiner Reihe - die Länge hat zusammen mit der Qualität und der Bandnummerierung zugenommen, bin also mal gespannt, was im fünften kommt... ;-)


"Auf eine bessere Zukunft", sagte sie.
Sie reichten sich die Hände.
So endete die Welt.
Und eine neue begann."


Dann noch ein letzter Punkt, über den wir reden müssen: das fulminante Finale dieses Teil! Ich weiß nicht, wann mich das letzte Mal ein Buch so unter Strom gesetzt hat. Emotionen ist die eine Sache, Spannung und krasse Dramatik die andere. Die letzten Seiten waren so außergewöhnlich mitreißend, überraschend, spannend, actionreich richtungsändernd und eindrucksvoll, sodass ich es wahrscheinlich nie vergessen werde. Alleine für diese eine Szene sollte dieses Buch schon 5 Sterne bekommen! Eine Wendung jagt die nächste, man hat eigentlich durchgängig Gänsehaut, Tränenausbrüche und unkontrollierte Zuckungen, sodass ich bestimmt die Gehirnströme einer Epileptikerin hatte, als die letzten Seiten durch mein Hirn jagten. Spätestens ab jetzt ist diese Reihe zu meiner "all time favourite Geschichte" geworden und ich konnte dem actionreichen, dramatischen und unglaublich tragischen Schluss nur gebannt folgen.

Das wirkliche Ende ist dann wirklich süß und soweit "gut", dass man kein Problem haben sollte, ein halbes Jahr auf den nächsten Band zu warten, der im Herbst 2017 herauskommen soll. Die Betonung liegt auf "haben sollte", denn ich spüre jetzt schon meine harten Entzugserscheinungen, denen ich in diesen 6 Monaten ausgesetzt sein werde. Tja, jetzt heißt es warten!


"Was, wenn uns nur ein schreckliches Ende erwartet?" Aelin sah nach Norden, als könne sie bis nach Terrasen sehen.
"Dann ist es nicht das Ende!"



Fazit:

Einfach nur OMG! Eine unglaublich epische Achterbahnfahrt gefüllt mit den unterschiedlichsten Facetten und Farben einer Geschichte, die an Genialität, Gefühlen, Atmosphäre, Nervenkitzel und purem Lesevergnügen nicht mehr zu übertreffen ist! Meine "all time favourite Geschichte" - schade, dass ich nicht mehr als fünf Sterne vergeben kann!
 

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