Sonntag, 25. März 2018

Das dunkle Herz

 
 
 
 
Allgemeines:
 
Titel: Das dunkle Herz
Autor: Lukas Hainer
Verlag: ivi (1. März 2018)
Genre: Fantasy
ISBN-10: 3492704727
ISBN-13: 978-3492704724
ASIN: B077BVCJ9C
Preis: 12,99€ (Kindle-Edition)
16€ (Gebundene Ausgabe)
Seitenzahl: 384 Seiten
 
 
Inhalt:
 
Während einer Gedenkfeier für ihren verschwundenen Bruder wird Anna schwarz vor Augen, und sie erwacht am Rande einer verlassenen Wüstenstadt. Als alle Versuche scheitern, Kontakt zu ihren Eltern aufzunehmen, sucht sie in der Stadt nach Antworten und stößt auf weitere Ankömmlinge, unter ihnen der junge Nick. Bald entbrennt ein Kampf ums Überleben, sowohl mit ihrer unwirtlichen Umgebung als auch unter den Gestrandeten selbst. Während die Spannungen eskalieren und es sogar zu Toten kommt, findet Anna plötzlich Hinweise auf ihren Bruder – ist es möglich, dass er noch lebt? Als sie der Spur folgen, stoßen Nick und sie auf ein furchtbares Geheimnis, das dieser Ort und seine Bewohner hüten: das dunkle Herz. Und plötzlich geht es um weit mehr als nur um ihr eigenes Schicksal.
 
 
Bewertung:
 
DISCLAIMER: Vielen Dank an den Piper Verlag für das Rezensionsexemplar!
 
Als ich diese Geschichte in der Verlagsvorschau des Piper Verlages gefunden und vom dunklen Herz gelesen habe, hatte ich mich sofort auf ein spannendes Mystery-Abenteuer gefreut. Nach etwa 30 Seiten musste ich jedoch feststellen, dass sich diese Geschichte in eine ganz andere Geschichte entwickelt und mehr zu einem Abenteuer über einen Haufen Kinder in einer verlassenen Wüstenstadt wird, die um Zusammenhalt und Vertrauen ringen.
 
Das Cover ist sehr ansprechend gestaltet. Das verwaschene Grau gibt einen unruhigen, düsteren Hintergrund, welcher in Kombination mit dem schwarzen, dynamischen Fleck im Zentrum des Bildes und den ebenfalls schwarzen Naturmotiven, den Bäumen und Vögel, ein geheimnisvolles und stimmiges Gesamtbild ergibt. Der Titel ist in einem blassen Bronzeton gehalten, welcher auch das Lesebändchen schmückt und gleichzeitig das einzige Fleckchen Farbe in dem sonstigen Grau-Schwarzen Bild darstellt. Besonders schön sind die verwaschenen Cover - Motive, die die Innenseiten der Buchdeckel zieren und die schwarzen Flecken, die den Hintergrund für die jeweilige Kapitelüberschrift bilden. Auch wenn die gesamte Gestaltung auf eine viel düsterere und magischere Geschichte hindeutet, passt das Gesamtbild sehr gut und sieht darüber hinaus wunderschön aus. Einzig das helle Orange auf der Innenseite der Klapplaschen des Covers passt meines Erachtens nicht so ganz.
Erster Satz: "Der alte Mann schritt durch die staubigen Straßen der Stadt."

 
Aus der Sicht des alten Mannes beginnt die Geschichte mit einem vielversprechenden, mysteriösen Prolog. Während diese geheimnisvolle Person über alte Zeiten und die Zukunft nachsinnt, entstehen schon Bilder im Kopf des Lesers und es klingt an, wie sich die Geschichte entwickeln könnte. Dass die Erzählung dann gleich weiter nach Deutschland in eine Kirche während einer Trauerfeier zur 14jährigen Anna springt, ist ein starker Kontrast. Mit Ausnahme ihres seit 10 Jahren vermissten Bruders Ben ist bei der Familie Engel alles gewöhnlich und zuerst kann man keine Parallele zur staubigen Wüstenstadt aus dem Prolog erkennen. Als dann jedoch wie jedes Jahr die Trauerglocken für den verschwundenen Sohn läuten, wird Anna schwarz vor den Augen und sie erwacht in glühender Hitze unter einem orangenen Horizont wieder. Zusammen mit einigen anderen Menschen aller Altersgruppen und Nationalitäten ist sie an einem Ort gestrandet, der außerhalb jeglicher Realität zu liegen scheint. Ganz fremd und irgendwie falsch kommt er ihr vor, was auch an den Resten der Zivilisation liegt, die überall zu sehen sind. Als sie auf eine andere Gruppe und schließlich auf eine organisierte Gesellschaft aus Ankömmlingen trifft, scheint ihr Schicksal erstmal weniger aussichtslos zu sein. Doch was verbirgt der gnadenlose Anführer Álvaro? Wohin sind all die Menschen verschwunden, die an diesem Ort gelebt haben? Was hat es mit der grauenvollen Kälte auf sich, die die Kinder manchmal spüren? Und wie können sie wieder nachhause gelangen? Als Anna zusammen mit ihren neuen Freunden den Fragen nachgeht, trifft sie auf ein tief verborgenes, gut gehütetes, dunkles Geheimnis...
 
 
"Hast du das auch gespürt?", fragte sie in, als er bei ihr angekommen war und legte sich die Hand auf die Brust, wo die Beklemmung am Schlimmsten gewesen war. Er nickte. "Irgendwas ist da unten. Und es will raus."
 
 
Während die Charaktere in der sengenden Hitze umher irren baut die meiste Spannung eigentlich auf den Fragen rund um den geheimnisvollen Ort auf. Da aber kaum Lösungen der Fragen und weitere Entwicklungen rund um die Grundidee in Aussicht gestellt werden, legt sich im Laufe der Geschichte diese erzeugte Spannung immer weiter und die eigentliche Handlung muss die ganze Last der Story tragen. Während unsere Protagonisten also durch die Wüste irren, nach Wasser, Essen und nicht zuletzt ihrer Freiheit suchen, rückt das Geheimnis um das dunkle Herz immer weiter in den Hintergrund, bis es nur eine schemenhafte Bedrohung wird, in die Ecke gedrängt und absolut nebensächlich. Leider schafft dieses es auch nicht im Laufe der Seiten aus dieser Ecke herauszukommen und eine zentrale Rolle einzunehmen.
 
So bleibt die Handlung leider sehr eindimensional und stellt in erster Linie den Überlebenskampf und die Machtstrukturen innerhalb der Gruppen dar. Dazu wäre jedoch auch jedes andere Setting genügend gewesen, hier leidet die Story eher darunter, dass das Setting nicht wirklich lebendig wird. Über den Großteil der Handlung sind die Protagonisten viel zu sehr mit sich selbst und ihren Streitigkeiten beschäftigt, um den Ort, an dem sie gestrandet sind und die Gefahren, vor denen sie stehen wirklich erkunden zu können, weshalb diese auch für den Leser sehr unspektakulär bleiben. Natürlich werden immer wieder neue Dinge aufgeführt, einzelne Entdeckungen werden jedoch immer nur am Rande behandelt und schnell als selbstverständlich abgetan. Das ging so weit, dass einige Details der Handlung plötzlich fehl am Platz wirkten. Annas wieder auferstehender Bruder oder die wild bewachsenen Hallen mit einer Horde an unabhängig lebenden Kindern sind ebensolche Faktoren, bei denen ich nicht genau weiß, wie ich ihnen gegenüberstehen soll. Keiner der Protagonisten scheint an irgendetwas zu zweifeln, das fantastische Setting bringt alle dazu, seltsame Dinge zu akzeptieren, was ich leider nicht konnte. Durch die fehlenden Informationen und Entwicklungen rund um die Grundidee der fantastischen Wüstenstadt, ist mein Interesse an dieser Idee langsam zurückgegangen, woran auch der angenehme Schreibstil nicht mehr viel ändern konnte. Auch wenn relativ plastisch beschrieben wird, wird das Potential des Geheimnisses rund um das dunkle Herz nicht genutzt.
 
 
"Etwas tat sich unter der Erde, der Alte hatte es gespürt. Etwas war dort in Aufruhr geraten und das war neu. Er glaubte nicht, dass es das dunkle Herz war. Das schwarze Böse schlummerte dort unten, denn noch waren die Fesselnd strak, die es seit so langer Zeit an diesem Ort hielten. Nein, was sich dort regte, fühlte sich anders an und der Alte konnte nur Vermutungen anstellen, was geschehen war."
 
 
Dass die Fantasy-Komponente dieser Geschichte geradezu armselig ist hat mich natürlich enttäuscht. Sehr spannend wiederum ist aber, dass diese Lücke platz lässt für Gruppendynamik und genauen Studien von Machtstrukturen. Während der alte Mann und die dunkle Macht unter der Stadt eher am Rande bleiben zeigt sich, dass der Mensch sich wieder einmal selbst der größte Feind ist. Habgier, Machtzwang und Unterdrückung drohen die Gestrandeten zu entzweien und fordern viele unnötige Opfer. Bald findet Anna heraus, dass die einzige Möglichkeit zur Flucht in einem Bündnis liegt. Zusammen mit ihren Freunden muss sie es schaffen, alle Streitigkeiten beizulegen und die gesamte Gruppe vereint vors dunkle Herz zu führen. Eine nahezu unmögliche Aufgabe angesichts des angestauten Hasses... doch die einzige Chance um dem Albtraum zu entfliehen.
 
 
"Der Alte spürte den Wind und hörte auf die Geräusche der neuen Bewohner, die er brachte. Da war das Zirpen und Rascheln von Insekten, en flatternder Flügelschlag, irgendwo ein erschöpftes Grunzen. In der Ferne konnte er zwei Schemen auf der Mauer erkennen, Wachen, die sie aufgestellt hatten. Bald würde die Dunkelheit sie verschlucken..."
 
 
Genau wie die Geschichte bleiben auch die Charaktere leider sehr eindimensional. Der große Fehler hier ist die schiere Masse an Protagonisten, die alle kurz angerissen werden, die aber keinerlei Tiefe besitzen. Selbst von Anna, die aus der personalen Erzählperspektive erzählt und bei der die Innensicht uns auch in Gefühle und Gedanken einweiht, konnte ich mir im Laufe der Handlung nur ein grobes Bild machen und keine wirkliche Beziehung zu ihr aufbauen. Interessant ist einzig und allein ihre Beziehung zu ihrem großen Bruder, von dem sie sich nie wirklich verabschieden konnte, da er einfach verschwunden ist und in dessen Verschwinden einen dunklen Schatten über ihre Familie geworfen hat, in dem sie 10 Jahre leben musste, ohne sich wirklich an ihn erinnern zu können. Durch ihren Aufenthalt in der Stadt bekommt sie endlich die Möglichkeit mit den Gefühlen in sich aufzuräumen und ihn richtig loszulassen.
 
Die anderen Charaktere wie Nick, Jelena, Lev, Álvaro, Eric, Peter, Sinan, Kyle oder Poppin - um nur mal einen Bruchteil aller Namen zu nennen, mit deren Auseinanderhaltung wir konfrontiert werden - werden einfach grob nach ihrer Stellung in der Gruppe und ein oder zwei vagen Charakterzügen charakterisiert. Auch wenn natürlich klar ist, dass auf 380 Seiten kein vollständiges Bild von 10 Personen entstehen kann, fand ich die Charakterzeichnung gerade für ein Jugendbuch, das von so etwas immer besonders stark lebt, etwas flach. Der unnötigste Punkt ist jedoch wieder wie so oft die hastig dazu gedichtete Liebesgeschichte zwischen Anna und Nick, die die Geschichte absolut nicht gebraucht hätte.
 
 
"Álvaro knetete wieder seine Handschuhe, wie bei den Reden vor der Versammlung. "Wir sind nicht die ersten Bewohner hier, bei Weitem nicht, und wir müssen zusehen, dass von uns mehr übrig bleibt als von all den anderen! Was immer mit uns geschehen ist, wie müssen überleben. Egal, was es kostet!"
 
 
Trotz der ganzen Kritik will ich dem Buch gar nicht seine Originalität und die Spannung absprechen, die gerade gegen Ende nochmals aufleben darf. Am Ende ist jedoch die Umsetzung der Grundidee leider ein wenig unrund und die Lösung des Problems wird auf einen eventuell nächsten Band vertröstet.

 
 


 

Fazit:
 
Ein interessantes Abenteuer über eine Ansammlung an Menschen verschiedener Nationalitäten und Gesinnungen, die in einer verlassenen Wüstenstadt um Zusammenhalt und Vertrauen ringen. Leider wird das Potential der Grundidee und des Settings nicht ausgeschöpft und auch die Charaktere bleiben ein wenig blass.
 
 


Kommentare:

  1. Hey du,
    danke für die schöne Rezi. Ich habe das Buch auch hier und bin ja mal gespannt, ob es mir besser gefallen wird.
    Liebe Grüße, Petra

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    1. Hey Petra,

      Ich denke, wenn man ohne besondere Vorstellunngen an die Geschichte geht, kann sie wirklich unterhalten. Ich habe nur leider mal wieder den Fehler gemacht und von der Geschichte zu viel erwartet.
      Viel Spaß dir beim Lesen!

      Liebe Grüße und eine schöne Osterzeit
      Sophia

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