Dienstag, 6. April 2021

Serienempfehlung: Tiny Pretty Things



"Tiny Pretty Things", oder "Dein letztes Solo", wie die Netflixserie auf Deutsch heißt, ist ein recht neues Jugenddrama aus dem Jahr 2020, welches ich in den letzten Wochen gespannt geschaut habe.  Die erste Staffel mit 10 Folgen basiert auf dem gleichnamigen Roman von Sona Charaipotra und Dhonielle Clayton und kann von mir empfohlen werden.



Darum geht´s:

An der Archer School of Ballet in Chicago werden seit Jahrzehnten die Tanz-Stars der nächsten Generation heran gezüchtet. Als die junge Nachwuchstänzerin Neveah Stroyer überraschend einen Platz an der Schule erhält, geht für sie ein Traum in Erfüllung, so kann sie endlich ihre Vergangenheit hinter sich lassen und einer glanzvollen Karriere entgegenblicken. Schon an ihrem ersten Tag muss sie jedoch die Abgründe hinter der schönen Fassade der Schule erkennen. Nicht nur dass die Umstände, unter der ihre Vorgängerin Cassie Shore aus dem 4. Stock des Schulgebäudes in den Tod stürzte immer noch ungeklärt sind, sie wird auch schnell in die Rivalitäten und Konflikte der Schüler hineingezogen...


Deshalb solltest Du Dir die Serie anschauen:

Noch eine Sache, die der Lockdown mitzuverantworten hat: Die Anzahl der von mir noch nicht geschauten, ansprechenden Netflix-Filme und -Serien gehen so langsam zur Neige... Da hat es mich umso mehr gefreut, als ich vor ein paar Wochen die neue Serie "Tiny Pretty Things" von Michael MacLennan entdeckt und dann in kurzer Zeit weggesuchtet habe. Klar, Tanzfilme und -serien gibt es auf Streaming Diensten zu Genüge, warum sollt Ihr Euch also ausgerechnet "Tiny Pretty Things" ansehen? Ganz einfach: da hier neben Romantik und Tanz Charakterporträts auf einen spannenden Krimi-Plot treffen und ein unterhaltsames Gesamtbild ergeben.

Der Fall um Cassie Shore (Anna Maiche), die nach einem rätselhaften Sturz im Koma liegt, gibt die Grundspannung und den Rahmen der Geschichte vor. Weshalb ist die so trittsichere angehende Primaballerina vom Dach gefallen? Wurde sie gestoßen und wenn ja von wem? War es die ehrgeizige Bette (Casimere Jollette), die seit Jahren im Schatten ihrer Star-Schwester Delia (Tory Trowbridge) steht und alles tun würde, um einen Platz im Licht zu ergattern? Oder die stille, unsichere June (Daniela Norman), die dringend eine Hauptrolle im neuen Ballett von Starchoreograf Ramon Costa (Bayardo de Murguia) braucht, um ihre Mutter davon zu überzeugen, sie weiterhin tanzen zu lassen? Vielleicht steckt aber auch Cassies Freund Nabil (Michael Hsu Rosen) dahinter, der sie aus Eifersucht gestoßen hat? Auch Shane (Brennan Clost) und Oren (Barton Cowperthwaite) hatten ein Motiv, so verbindet die beiden Freunde und Zimmergenossen doch schon seit längerem eine heimliche Affäre. Oder steckt gar die Leitung der Tanzschule selbst hinter dem vermeintlichen Unfall, um einen Skandal unter den Teppich zu kehren? Beinahe mit jeder Folge kommen mehr Geheimnisse ans Licht und es tauchen weitere potentielle Verdächtige aus der Versenkung auf. Keine leichte Aufgabe für die ermittelnde Polizistin Isabel Cruz (Jess Salgueiro), in all dem Durcheinander den Schuldigen herauszufinden, vor allem da ihr die Machtstrukturen des klassischen Balletts das ein oder andere Mal einen Strich durch die Rechnungen machen. Bei all den Spekulationen und Ablenkungsmanövern war ich sehr stolz auf mich, dass ich die richtige Person schon nach wenigen Folgen identifizieren konnte und am Ende bestätigt wurde. 

Weiter angeheizt wird die eher düstere, von Spekulationen und Schuldzuschreibungen geprägte Stimmung durch skurrile Albträume und sich langsam auftuende menschliche Abgründe. Cassies Sturz entpuppt sich sehr schnell als die Spitze eines Eisbergs aus Konkurrenz, Rivalität, Druck und Neid zwischen den SchülerInnen der Tanzakademie. Anders als ich zu Beginn der Staffel annahm, steht Neveah als Neuankömmling nicht als Hauptperson eindeutig im Vordergrund. Stattdessen verfolgen wir die Entwicklungen, Konflikte, Probleme und Schicksale der aufgezählten Figuren beinahe gleichwertig. Die größte Entwicklungen machen dabei June und Bette durch, aber auch Shane, Oren und Nabil haben mir als Hauptfiguren gut gefallen. Neveah (Kylie Jefferson), die als einzige aus dem Raster fällt, Normen hinterfragt und für das kämpft, woran sie glaubt, die eine wundervolle Hauptfigur hätte sein können, geht in all dem Durcheinander etwas unter. Weitere SchülerInnen, Eltern, Angestellte der Tanzschule wie zum Beispiel Tanzlehrer Mr. Brooks (Shaun Benson), oder die Leiterin Monique DuBois (Lauren Holly) komplettieren das Bild. Dabei wird immer nach der Devise "so divers und bunt wie möglich" vorgegangen. Die verschiedenen Nationalitäten, Religionen, Sexualitäten, Hautfarben und Lebensumstände der Figuren scheinen zwar auf den ersten Blick etwas übertrieben zu sein, passen aber gut ins moderne Konzept von Netflix. Man kann also kritisieren, dass sich die Serie hinsichtlich der Geschichten ihrer Figuren in einige Klischees verstrickt und allgemein überladen daherkommt, alles in allem hat mir die Verbindung aus Charakterporträts und Krimiplot aber sehr gut gefallen.

Es stehen jedoch nicht nur die Abgründe und Konflikte im Vordergrund - auch die Leidenschaft für das Ballett, künstlerischer Ausdruck, Zusammenhalt, Freundschaft und die ein oder andere Romanze finden hier ihren Platz.  Egal ob Proben für das Ballett "Ripper", die täglichen Tanzstunden, nächtliche Übungen, Musikvideodrehs, Castings oder Aufführungen - hier wird viel getanzt. Man sollte also zumindest ein mittelmäßiges Interesse fürs Ballett mitbringen, sonst werden einem die vielen Szenen und die Handlung, die sich fast ausschließlich auf den Mikrokosmos der Tanzakademie beschränkt, zu viel. Sehr überrascht hat mich, dass "Tiny Pretty Things" sehr freizügig gestaltet ist und jede Folge mit einigen Sexszenen ausschmückt. Diese sind zwar geschmackvoll inszeniert, nehmen im Vergleich zum Rest der Handlung (und auch zu den Tanzszenen) viel zu viel Raum ein, um nicht negativ aufzufallen. Die Hälfte dieser Szenen hätte meiner Meinung nach auch ausgereicht und dann hätte man mehr Zeit gehabt, die Beziehungen zwischen den Figuren zu vertiefen. Denn gerade gegen Ende geht (wie fast immer in solchen Serien) alles ein wenig flott über die Bühne und neben der großen Enthüllung und schnellen Entwicklungen sind mir einige abrupte Sprünge aufgefallen, die dem Gesamteindruck einen kleinen Dämpfer verpasst haben (Spoiler: Beispielsweise waren Oren und Neveah plötzlich zusammen, was nicht ordentlich auserzählt wurde und deshalb etwas plötzlich kam.) Nichtsdestotrotz bin ich jetzt sehr gespannt auf die zweite Staffel, die zwar noch nicht offiziell bestätigt, aber aufgrund der Tatsache, dass die Buchgrundlage noch einen zweiten Band namens "Shiny Brokes Pieces" hat, sehr wahrscheinlich ist.

Fazit

Eine vielseitige und spannende Serie, die Romantik, Krimi, Tanz und menschliche Abgründe vereint. Trotz Klischees, leichter Überladung und knappem Ende kann ich "Tiny Pretty Things" weiterempfehlen!

Zum Trailer:



Quelle Informationen: Wikipedia.de. Bildquelle: www.popsugar.co.uk

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