
Allgemeines
Titel: Kaleidra - Wer die Seele berührt
Autor: Kira
Licht
Verlag: ONE (26. März 2021)
Genre:
NA-Fantasy
ISBN-10: 3846601160
ISBN-13:
978-3846601167
ASIN: B087RGMRCK
Seitenzahl: 480
Seiten
Weitere Bände: Kaleidra - Wer das Dunkel ruft
(Band
1,
Rezension)
Kaleidra - Wer die Liebe entfesselt
(Band 3, ET: Oktober
2021)
Preis: 6,99€ (Kindle-Edition)
17€ (gebundene
Ausgabe)
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Inhalt
Bewertung
Ich habe von Kira Licht jetzt schon vier Bücher gelesen - ihren YA-Erstling "Sunset Beach", ihre Götter-Dilogie und den Auftakt zur neuen Kaleidra-Reihe - und mit jedem Band wurde ich zu einem größeren Fan ihrer witzigen, einfallsreichen und mitreißenden Geschichten. Die Fortsetzung zu "Kaleidra - Wer das Dunkel ruft" haben Tomke von Throughsioux_Books und ich deshalb als sichere Bank für einen neuen Buddyread-Versuch eingeschätzt (zuvor hatten wir zwei spektakuläre Flops in Folge). Und richtig: "Kaleidra - Wer die Seele berührt" hat uns gezeigt, dass es nicht an uns liegt, sondern einfach unsere Auswahl bislang nicht glücklich war. Überraschend turbulent und originell entführt uns Kira Licht abermals in eine spannende Welt voller Geheimlogen, verschlüsselten Dokumente, gefährlichen Missionen, uralte Feindschaften und Allianzen und verbindet Mystery, Abenteuer, ein atmosphärisches Setting und eine zarte Liebesgeschichte.
Schon die Gestaltung ist einfach traumhaft und bringt mich als absoluten
Cover-Kritiker immer wieder zum Schwärmen. Düster, geheimnisvoll und
wunderschön - die Gestaltung bringt die Atmosphäre der Geschichte einfach auf
den Punkt. Nicht nur dass die Lichtpunkte und die geometrischen Formen die
naturwissenschaftlichen, aber auch fantastischen Anklänge des Romans auffangen,
die starken Kontraste zwischen hellem Silber und dunklen, schwarzen Schatten
passen auch wunderbar zum Thema. Zusammen mit dem silbernen Titel und dem
dunklen Lesebändchen wird das Buch zu einem Gesamtkunstwerk, das dem des
ersten Bandes stark ähnelt und somit im Regal wunderbar zusammenpasst.
Auffällig am Innenleben dieser Schönheit ist, dass die Seiten sehr dünn sind
und die 480 Seiten deshalb optisch eher wie höchstens 350 erscheinen. Eine
kleine positive Überraschung hat das Buch noch auf den letzten Seiten parat.
Hier wartet nämlich ein hilfreiches Glossar auf den verwirrten Leser, das neue
Begriffe erklärt und altbekannte nochmal auflistet, sodass der Wiedereinstieg
in die doch recht komplexe Story nach gut einem Jahr leichter fällt.
Zusätzlich zum Glossar wird der Wiedereinstig in die Geschichte dadurch
erleichtert, dass wir uns in "Kaleidra - Wer die Seele berührt" gleich
zu Beginn an einem anderen Schauplatz wiederfinden. Wie Ihr Euch vielleicht
erinnert, hat Band 1 ja mit einem ziemlichen Schocker geendet. Nicht nur dass
Emilias bester Freund Matti sich als Alchemist herausgestellt hat, er ist auch
noch Teil der feindlichen Quecksilberloge und hat Emilia und Ben um seine
Tarnung nicht auffliegen zu lassen kurzerhand entführt. Als Emilia in der
Quecksilberloge in Washington wieder zu sich kommt, warten jedoch noch weitere
negative Überraschungen auf sie: unsere junge Heldin muss erfahren, dass sie
zusammen mit Ben und Matti ein gefährliches Tria Bündnis eingehen soll, um den
letzten Baustein zu finden, der nach den Missionen aus Band 1 noch fehlt, um
das Wasser des Lebens herzustellen. Wie bösartig und umfassend der Plan des
Oberhaupts der Quecksilberloge, Professor Avalanche, jedoch tatsächlich ist
und dass er vor nichts halt machen wird, um zu seinem Ziel zu gelangen,
erfahren die drei erst, als es schon zu spät ist...
Durch das neue Setting wird sofort klar, dass die gemütliche Einstiegsphase in die Handlung nun endgültig beendet ist und es ab jetzt ernster zugeht. Zwar haben mir Rom, die Goldloge und deren weitere Mitglieder wie Annmary, Oliver, Larkin oder Murphy ein bisschen gefehlt, dafür bringt die Quecksilberloge mit ihren diabolischen Erfindungen, den neuen mal mehr und mal weniger bösen Figuren (Stichwort: Karate-Kid-Kyle und Tritt-Mich-Tyson) und einer Menge neuer Informationen, die nicht nur Emilia, sondern auch uns Leser die Weltsicht hinterfragen lassen, einen spannenden frischen Wind. Im Kern geht es jedoch wieder um das eher ungewöhnliche Thema, das Kira Licht hier zum Mittelpunkt ihrer neuen Reihe auserwählt hat: die Alchemie. Dass Bücher über verborgene Geheimlogen, Reisen durch magische Artefakte und Konkurrenzkämpfe zwischen den Gruppierungen gut als Jugendfantasy funktionieren, weiß man spätestens seit "Rubinrot", dennoch war ich zu Beginn etwas skeptisch, wie die Mischung aus Chemie und Magie zusammenpassen wird. Schon in Band 1 löste sich meine anfängliche Skepsis jedoch schnell in Begeisterung auf. Wer hätte gedacht, dass chemische Reaktionen, verstaubte Manuskripte und komplizierte Rätsel so spannend sein können?
Ich habe es in meiner Rezension zu Band 1 schonmal erwähnt, sage es aber gerne
nochmal: "Kaleidra" kann auch ohne jegliches chemisches Vorwissen gut
verfolgt werden, ein grundlegendes wissenschaftliches Vorstellungsvermögen
sollte man aber dennoch mitbringen. Wer nicht weiß, dass Natrium zusammen mit
Chlor zu Salz reagiert, oder Quecksilber einen niedrigeren Siedepunkt hat als
Silber und Gold, wird die Handlung dank Kiras leicht verständlichen
Schilderungen trotzdem nachvollziehen können. Richtig Spaß macht die
Geschichte aber erst, wenn man die innere Logik der Actionszenen versteht und
auch mit Kiras Beschreibungen von Laboren, fliegenden Riesenschlangen und
Parallelwelten etwas anfangen kann - nur dann entfaltet sie ihr volles
Potential. Alle, die jetzt trotzdem noch "Chemie, igitt" denken, kann ich
damit beruhigen, dass der Fantastikgehalt hier gegenüber dem ersten Teil
nochmal ordentlich gesteigert ist. Klar, die Autorin erfindet hier das Genre nicht wirklich neu
und greift auch auf altbewährte Strategien und Abläufe zurück
(Spoiler: Die Szene am See hat mich zum Beispiel irgendwie an den letzten Teil
der Shadowhunters Reihe erinnert. Da baden Jace und Clary ja auch in einem
See in einer gruseligen Höllenwelt und naja... Kommen sich ein bisschen
näher...), aber ihr gelingt es mit viel Einfallsreichtum und Kreativität, einen
individuellen Wiedererkennungswert zu hinterlassen und ein ganz besonderes
Lesegefühl hervorzurufen.
Kira Licht ruht sich jedoch nicht auf dem Weltenaufbau ihres Eröffnungsbandes
aus. Egal ob ein vierter Orden, weitere Mitspieler, neue
Verwandtschaftsverhältnisse oder Apokalypsen-Pläne - hier bekommen wir einiges
zum Nachdenken, wenn wir nicht gerade mit Emilia und Ben um unser Leben
kämpfen. Und jener Überlebenskampf steht wieder ganz oben auf der
Tagesordnung. Schon Band 1 war mit vielen Actionszenen, Straßenkämpfen,
magischen Ritualen und abenteuerlichen Missionen gespickt (Spoiler:
Ich bin ein ganz großer Fan der Ägypten-Mission. Bei Band 1 hatte ich
kritisiert, dass die einzelnen Missionen viel zu leicht und zu schnell
vorbei waren, um mehr zu sein als ein kurzes Intermezzo. Aber hier?
Eine Horrorpyramide mit Vierdimensionalen Labyrinth, Artefakten-Spiel und
lebendigem Totengericht? Wow das war einfallsreich und einfach mega
spannend!) Die Handlungsdichte in Band 2 ist nun aber nochmal wesentlich größer. In
"Kaleidra - Wer die Seele berührt" jagt eine magische, spannende,
gefährliche Situation die nächste und wenn wir gerade kein Tria-Bündnis
schließen, in der fremdartigen Welt Kaleidra um unser Leben kämpfen, oder mit
ägyptischen Göttern um den letzten Baustein ringen, geht es eben in der
Quecksilberloge rund. Zu sagen, es kämen hier keine Längen auf wäre also eine
riesige Untertreibung. Tatsächlich lässt uns Kira Licht kaum einen Moment
Zeit, um zu verschnaufen, bevor sie die nächste epische Szene folgen
lässt.
Glücklicherweise leiden aber weder die Figuren noch das Setting unter diesem
hohen Erzähltempo. Klar, der Fokus der Geschichte liegt hier mehr auf der
Handlung und weniger auf den Figuren. Dennoch gelingt es Kira Licht, zwischen
den Actionszenen genügend Reflexion, Dialoge und Erkenntnis zu schieben, dass
die Geschichte geerdet bleibt und sich Dynamiken zwischen den Figuren
fortsetzen. So geht es zum Beispiel auch um die leidende Freundschaft zwischen
Emilia und Matti sowie ihrer Beziehung zu Ben, die sie hier zwar ausbaut, aber
trotzdem eher zart und im Hintergrund bleibt. Auch Emilia an sich wird mit
neuen Erkenntnissen über sich, ihre Herkunft und ihre Fähigkeiten konfrontiert
und wächst daran immer mehr zu einer selbstbewussten Kämpferin, die sich
nicht unterbuttern lässt. Auch wenn sie als magische Überfliegerin und wichtige
Schlüsselfigur mit ungeahnten Kräften die Ausgeburt des "Special Snowflake"-Klischees ist, fand ich es sehr sympathisch, wie sie emanzipiert das
Beste aus ihrer Situation macht und immer einen flotten Spruch auf den
Lippen hat. Mit ihrem Mundwerk, dass manchmal ein bisschen schneller ist,
als ihr Gehirn, sorgt sie auch für den ein oder anderen Lacher. Ihre
Reaktion auf die Entführung der Quecksilber Alchemisten ("Wo gehen wir hin? Warum darf ich das nicht wissen? Ich finde das echt
sehr unhöflich") war zum Beispiel legendär. Auch andere Szenen wie die Bemerkung, dass das Wasser des Lebens doch auf
keinen Fall aus nur 10 Zutaten bestehen kann, immerhin seien schon in jeder
einfachen Handcreme dreimal so viel Inhaltsstoffe, sind einfach so herrlich
absurd, dass man einfach schmunzeln muss.
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