Sonntag, 12. November 2017

Looking for Bookstores: meine spezielle Tour durch Freiburg


 Hallöchen,
 
heute habe ich ein Thema für euch, das mir ganz besonders am Herzen liegt: Buchhandlungen.
 
Was verbindet ihr mit Buchhandlungen?
 
Für mich sind das Orte, die glücklich machen,
zu Neuem inspirieren, die zum träumen einladen und die verzaubern. Man kann Dinge lernen, auf sich wirken lassen, Leute treffen und dem Alltag entfliehen und das tun, was in unserer beschleunigten Gesellschaft oft zu kurz kommt: der Fantasie freien Lauf lassen.
Kurzum: schlichtweg magische Orte, die wir nicht an den Online-Handel oder Billig-Ketten verlieren dürfen. Stundenlang könnte ich in den Regalen kramen, nach Büchern schauen, neue Schätze entdecken, alte wiederfinden und das empfinden, was man auf Websites nicht finden kann: geteilte Leidenschaft für das geschriebene Wort.
 
 
Genau dazu hatte ich gestern reichlich Zeit, als ich mit meiner Tante und meinem Onkel eine Tour ins nahegelegene Freiburg gemacht habe, um die dortigen Buchhandlungen unsicher zu machen. An dieser Stelle ein riiiiesiges Dankeschön an die beiden, die mir diese Tour zum Geburtstag geschenkt haben, das war eine wirklich tolle Idee ;-)
 
Die beiden, die sich in Freiburg gut auskennen, haben mir ihre persönlichen Highlights und die größten Buchhandlungen der Stadt gezeigt und mich so auf einen spannenden Rundgang durch und vorbei an 9 Buchläden, die ihr auf der nebenstehenden Karte sehen könnt. Insgesamt gibt es 19 Adressen allein in der Altstadt Freiburgs, die ihre Produkte rund ums Thema Buch verkaufen.
Auch das regnerische, kalte und absolut ekelhafte Wetter konnte uns nicht aufhalten, einen Laden nach dem anderen abzuklappern.
Da mir die Tour wirklich sehr viel Spaß gemacht hat und ich mal wieder zu einem wichtigen Schluss gekommen bin, habe ich mir vorgenommen, meine Eindrücke und Empfehlungen in einem kurzen Post zusammenzufassen.


1. Buchhandlung zum Wetzstein

 
Wie ihr auf dem Bild oben sehen könnt, haben wir zuerst beim Haus zum Wetzstein Halt gemacht, das ein absolutes Unikat des Freiburger Einzelhandels beherbergt. Dieses Geschäft, am Augustiner-Platz, fällt schon auf den ersten Blick durch die anspruchsvollen und sehr individuellen Schaufenster-Dekorationen auf, so wie durch die ausgestrahlte Ruhe und Intellektualität, die dem Laden durch angenehm warmem Licht, stilvollem, speziellem Mobiliar und einer Auswahl an gehobenen Verlagen verliehen werden.
Liebhaber und Sammler spezieller, seltener, klassischer und auch historischer Bücher werden hier auf jeden Fall auf ihre Kosten kommen. Vor allem Suhrkamp und Insel sind hier sehr präsent. Im an die Buchhandlung angeschlossenen Antiquariat, lassen sich zudem Kunst, Erstausgaben und signierte Bücher von Autoren, die schon bei Wetzstein gelesen haben, erwerben.
 

 Besonders schön sind auch die handgeschriebenen Gedichte des vor ein paar Jahren verstorbenen Buchhändlers, die ausliegen und einzeln und in Form eines Kalenders zu kaufen sind.
 
Da ich doch am liebsten neuere und einfachere Literatur lese, war für mich persönlich im Angebot der Buchhandlung nicht besonders viel dabei, ich liebe jedoch einfach den extravaganten Charme und die Art des Ladens,
wertvolle Bücher in einem angemessenen Raum zu präsentieren und kann somit jedem Buchliebhaber einen Blick hinein nur empfehlen.
 
Mehr Informationen unter: www.buch-wetzstein.de
 
 

2. Thalia

 
 Direkt nach dem Wetzstein haben wir eine Buchhandlung besucht, die die komplett gegensätzliche Art des Buchhandels verkörpert, besucht: Die örtliche Filiale der Giganten-Kette Thalia, die den Laden übernommen hat, nachdem der Herder-Verlag, der vor allem theologische Bücher verkaufte, auszog. So gibt es nach wie vor eine große theologische Abteilung, so wie eine umfangreiche Reiseabteilung. Zwischen gut sortierten Regalen, interessanten Auslagen, in denen die neusten Erscheinungen präsentiert werden, tummeln sich ganze Massen an Leuten, die im Sortiment nach dem richtigen für sie suchen.
 
Ich persönlich stehe großen Buch-Kaufhäusern ein wenig gespalten gegenüber. Auf der einen Seite bringt die Größe den großen Vorteil mit sich, dass man in dem riesigen Sortiment, das sich über 4 Stockwerke und über 200 Regalen erstreckt, einfach alles findet. Was nicht vorrätig ist, kann schnell bestellt werden. So war ich auch erstmal von der Größe der Jugendbuch- und Roman Abteilung überrascht und begeistert, in der wirklich alles Erdenkliche präsentiert wird. So auch das neuste Buch von John Green "Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken", auf das die Bücherwelt schon den ganzen Sommer wartet.
 
Auf der anderen Seite sind diese Buchhandlungen nur auf Kommerz ausgelegt, was man schon im Eingangsbereich sieht, wo sich Bestseller aneinandergereiht bis zur Decke türmen. Es fehlen eindeutig die Ruhe und der spezielle Charme einer Buchhandlung, die nicht nur Bücher vertreibt, sondern auch eine gewisse Richtung damit weist und eine eigene Stimme hat.
 
Insgesamt ein wirklich gut sortiertes Geschäft, in dem es aber an Individualität fehlt! Wenn man wie ich vor Ort nur sehr kleine Buchhandlung hat, sich lieber nichts im Internet bestellen will und trotzdem ab uns zu mal ein großes Angebot haben will, der sollte hier mal vorbei schauen.
 
Mehr Informationen unter: www.thalia.de
 
 

3. Rombach

 
Als nächste große Anlaufstelle stand Rombach, Buchhandlung und Verlag, auf dem Plan. Von dieser Buchhandlung hatte ich davor schon einiges gehört, denn auch sie ist groß, ausführlich und mit dem großen Sortiment eine Anlaufstelle für Buchliebhaber. Selbst nennt sie sich "Haus der Geschichten und Geschenke", was ich auf jeden Fall bestätigen kann, da sich von beidem viel finden lässt. Natürlich gilt hier wieder die selbe Kritik wie bei Thalia, denn auch Rombach ist ein riesiges Kaufhaus.
 
Da findet sich auf mehreren Etagen so ziemlich alles, was das Bücherwurmherz braucht: auf 2000 qm tummeln sich Unterhaltsames und Spannendes, Wissenswertes und Humorvolles, Hoch- und Popkultur, Musik- und Filmkultur, Reisefieber und Leselust.
Besonders sind hier außerdem die große englische Abteilung, die neben Bestsellern auch Klassiker beinhaltet, sowie ein eigener Musik-Bereich im Untergeschoss, in dem es neben CDs auch Schallplatten und Noten gibt.

Super fand ich aber vor allem das Café mittendrin! Dort kann man gemütlich einen Kaffee trinken, auf die belebte Einkaufsstraße runterschauen, das Buch lesen, das man sich eventuell kaufen möchte und sich ein wenig entspannen.
Die Kinder und Jugend Abteilung ist mir aber ein wenig zu unlogisch nach Alter sortiert und viele Autoren sind in unterschiedlichen Regalen zu finden.
 
Mehr dazu unter: www.rombach.de
 
 

4. Ludwig

 
Als ich vor der Buchhandlung Ludwig stand, die sich in der Freiburger Innenstadt zwischen Bertoldsbrunnen und Stadttheater gleich neben der Universität befindet, war ich erstmal enttäuscht. Die Hälfte des Ladens, auf dessen Schild vormals "Schwanhäuser" zu lesen war, wird nun von einem äußerst hässlichen Tabakshop eingenommen, dessen Angebote wie billige Handyhüllen, Schnaps und Zigaretten die Hälfte des Schaufensters beanspruchen. Nach kurzem nachfragen wurde mir erzählt, dass der Buchladen nach der Übernahme durch die Firma Ludwig nur knapp einer Schließung entgangen ist und sich seinen Platz nun mit dem Tabakshop von gegenüber teilen muss, der von derselben Firma geführt wird. Trotz des eher unpassenden Nachbars muss ich sagen, dass die Buchhandlung Ludwig ein sehr gemütlicher Laden, ist, dessen Sortiment zwar kleiner als in den größeren Buchläden ist, jedoch sehr interessant ausgewählt: Belletristik, englische Literatur (auch in der Originalsprache) und gut sortierte Fachbücher: Bücherfreunde, die das Besondere suchen, werden in der Buchhandlung Ludwig sicher fündig.

Ein großes Plus außerdem: Hinten im Laden stehen Sofas und man bekommt auch gerne eine kostenlose Tasse Kaffee oder Tee.
 
Weitere Infos unter: www.schwanhaeuser.de
 
 

5. Jos Fritz

 
Die Buchhandlung Jos Fritz ist nach dem gleichnamigen Anführer der aufständischen Bauern während der Bauernaufstände des 16. Jahrhunderts benannt, was sich an dem leicht politisch links orientierten Touch erkennen lässt. Mir hat diese kleine Buchhandlung einfach super gefallen. Gemütlich, alternativ und bunt gemischt sind viele Kleinverlage vertreten, die man in den Buchkaufhäusern nicht mehr findet.

Gerade das Sortiment ist sehr speziell und interessant. Es umfasst neben Allgemeinliteratur und Romanen die Bereiche Frauenliteratur und -theorie, Politik und Linke Diskussion, Geschichte mit Schwerpunkt Nationalsozialismus, Philosophie mit den Schwerpunkten "Kritische Theorie" und neue französische Philosophie, Psychoanalyse, Schwulen- und Lesbenliteratur, Literatur aus dem Trikont und Kinderbücher.

Im hinteren Bereich der Buchhandlung kann man sich in Sesseln ausruhen oder gleich ins angeschlossene Jos Fritz Café sitzen.
Völlig zu Recht wurde der kleine Laden mit dem deutschen Buchhandlungspreis 2017 ausgezeichnet. Ich bin ein Fan! ;-)
 
Mehr unter: josfritz.de
 

6. Fundevogel

 
Eine sich lohnende Anlaufstelle für speziell Kinder- und Jugendliteratur ist die Buchhandlung Fundevogel, die sich nach dem Titel eines Märchens der Brüder Grimm benennt, in dem es vor allem um Zusammenhalt geht. In dem kleinen Laden in der Marienstraße, finden kleine und große Leseratten Bücher für Junge und Junggebliebene.


Von Klassikern von Astrid Lindgren, Otfrid Preußler und Paul Maar über neue Kinder und Wimmelbücher bis hin zu Comics und Illustrationen geht das Angebot und schließt auch englische und vor allem französische Bücher mit ein.
 
Mehr unter: fundevogel.de




 
 
Vorbeigelaufen sind wir außerdem am Antiquariat Thomas Nonnenmacher in der Bertoldstraße, wo sich in den Regalen eine Menge uralter Bücher tummeln, der Walthari Buchhandlung in der Universität, die sich ebenfalls in der Bertoldstraße befindet und der evangelischen Buchhandlung ALPHA, für die dann alle die Zeit nicht mehr gereicht hat.
 
 

Was bleibt

 Wieder einmal wurde mir klar: In Zeiten des Internets, ist es ein Leichtes neue Bücher zu entdecken, mit einem Klick zu bestellen und schon am nächsten oder übernächsten Tag nach Hause geliefert zu bekommen. Man kann bequem auf dem Sofa in der virtuellen Buchhandlung stöbern, entdecken und passenderweise auch gleich lesen, was andere davon halten. Doch das ist einfach nicht dasselbe wie in einer Buchhandlung zu stöbern!

Dieser kurze Trip hat mich noch mehr in meiner Meinung bestätigt: Wir dürfen es nicht zulassen, dass diese wunderschönen Orte immer mehr schließen müssen und man am Ende seine Bücher nur noch in überfüllten und überlaufenen Großbuchhandlungen kaufen kann, die einfach nicht diesen Charme haben, der diese kleinen Buchhandlungen so besonders macht.

Denkt vielleicht daran, wenn ihr euch das nächste Mal ein Buch bestellen wollt ;-)
In diesem Sinne einen guten Start in die neue Woche!

Liebe Grüße
Sophia

(Bildquelle: Bookstore - img.freepik.com)

Kommentare:

  1. Hallo Sophia,
    ein großartiger Beitrag, ich hab ihn mit viel Interesse u Vergnügen gelesen. Du hast mich richtig mitgenommen und ich habe Lust bekommen, mich wieder auf die Suche nach den besonderen Läden abseits von Thalia und co zu machen.
    Liebe Grüße
    Daniela

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  2. Liebe Daniela,

    Ich freue mich sehr, dass dir mein Beitrag gefallen hat. Wie du bestimmt gesehen hast, liegt mir das Thema sehr am Herzen! Ich finde einfach, dass es sich lohnt, auch mal bei kleineren Läden vorbeizuschauen. Damit will ich gar nicht Thalia und Co schlecht reden, die mit ihrer riesigen Auswahl einen großen Vorteil haben, meiner Meinung nach aber einfach nicht das Stöbern in kleinen Läden ersetzen können. Das Internet natürlich schon gar nicht ;-)

    Liebe Grüße
    Sophia

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    1. Hi Sophia,
      ich habe deinen Beitrag bei meiner Blogwanderung verlinkt.
      Gruß,
      Daniela

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    2. Liebe Daniela,

      das freut mich total! ;-)
      Vielen Dank!!!

      Grüße
      Sophia

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