Donnerstag, 23. November 2017

Die Auserwählten in der Brandwüste


 
Allgemeines:
 
Titel: Die Auserwählten in der Brandwüste
Autor: James Dashner
Verlag: Carlsen (22. November 2013)
Genre: Science-Fiction
ISBN-10: 3551312826
ISBN-13: 978-3551312822
ASIN: B008B6NXZ4
Seitenzahl: 496 Seiten
Preis: 9,99€ (Taschenbuch)
18,99€ (Gebundene Ausgabe)
9,99€ (Kindle-Edition)
Weitere Bände: Die Auserwählten im Labyrinth;
Die Auserwählten in der Todeszone
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Inhalt:
 
"Es war ein Schrei. Von Teresa. Ein markerschütterndes Kreischen in seinem Kopf. Furcht tröpfelte langsam wie Gift in sein Bewusstsein, aber er konnte einfach nicht richtig wach werden..."
 
 Sie haben einen Ausweg aus dem tödlichen Labyrinth gefunden und geglaubt, damit wäre alles vorbei. Dass sie frei sein werden und nie mehr um ihr Leben rennen müssen. Doch auf Thomas und seine Freunde wartet das Grauen: sengende Hitze, verbranntes Land und Menschen, die von einem tödlichen Virus befallen sind. Und die undurchsichtigen Schöpfer halten noch immer die Fäden in der Hand. Damit steht den Jungen die nächste Prüfung bevor. Sie müssen innerhalb von zwei Wochen die Brandwüste durchqueren, sonst sind sie verloren. Und dabei wird ihnen alles abverlangt, sogar ihre Menschlichkeit - doch dazu ist Thomas nicht bereit!
 
 
Bewertung:
 
Kurz vornweg: Ich hatte ein richtiges Problem mit diesem Buch! Nachdem mich Band 1 eigentlich überzeugt hat, konnte mich dieser Teil nur enttäuscht und verwirrt auf Band 3 hoffend zurücklassen.
 
 
Erster Satz: „Bevor die Welt zusammenbrach, hörte Thomas etwas.“
 

Das Cover ist stilistisch dem des ersten Teiles sehr ähnlich, weshalb man die Reihe gut als solche erkennen kann. Insgesamt gefällt mir die Gestaltung wieder sehr gut, da sie mit der unwegsamen Landschaft unter der gleißenden Sonne genau die Grundatmosphäre ausdrückt. Diesmal ist der Grundton ein rotes Orange, dass sich sowohl im vor Trockenheit aufgesprungenen Grund der heißen Brandwüste, als auch im Titel wiederfinden lässt. Wieder ist eine dunkle Silhouette zu sehen, die sich gegen das Licht abhebt und über einen breiten Spalt springt, welche wohl Thomas darstellen soll. Auch der Titel ist treffend gewählt, die Pixel an den Kapitelanfängen zeigen wieder ein anderes Bild, von dem ich allerdings nicht genau weiß, was er darstellen soll. Die Schrift ist in einer angenehmen Größe gedruckt, der Klapptext passt auch wunderbar. An der äußeren Gestaltung liegt mein negativer Eindruck also nicht.
 
Bevor ich beginne, herum zu kritisieren, muss ich klar sagen, dass das Buch durchaus sehr spannend ist und seine Reize hat. Dass James Dashner wieder einen absoluten Page Turner geschrieben hat, der auch vom Schreibstil her wieder sehr gut wirkt, will ich gar nicht anzweifeln. Zwar hat mich der leicht slanghafte Stil der Konversationen zwischen den Jungs wieder in kurzen Abschnitten etwas gestört, das liegt aber bestimmt an der Übersetzung und klingt im englischen Original besser.
 
 
 "Wer's glaubt, wird selig", sagte Minho. "Und Bratpfanne kriegt Babys, Winston wird seine Monsterakne los, und unser lieber Thomas wird zum ersten Mal lächeln." Thomas dreht sich zu Minho um und grinste ihn mit einem aufgesetzten breiten Lächeln an. "Zufrieden?" "Alter", sagte Minho, "bist du hässlich." "Na wenn du's sagst." (...)
"Thomas musste lächeln, auch wenn er nicht wusste, warum. Irgendwie hatte ihm Minho ein bisschen Hoffnung gemacht. Sie mussten einfach weitermachen, weitergehen, etwas tun. Punkt."
 
 
 Als wäre die Zeit im Labyrinth nicht schon schlimm genug für die Jungen gewesen, werden sie sofort mit dem nächsten Experiment konfrontiert, kaum dass sie dem letzten entkommen konnten. So knüpft die Fortsetzung direkt an den vorangegangenen Teil an. Das Setting in der heißen, unzugängigen Brandwüste, einem verdorrten Land voller leblosem Wüstensand und zerstörter menschlicher Siedlungen, könnte kein krasses Gegenteil zu den grünen Wiesen und Wälder der Lichtung darstellen. So tauschen die Jungs bloß die die engen, steinernen Mauern und undurchsichtige Wege des Labyrinths gegen die unbarmherzige Sonne und eine endlose, gefährliche Weite. Zuvor eingesperrt stehen sie nun im Niemandsland.
 
 
"Der Sturm wollte ihm die Kleider vom Leib fetzen, Sand prasselte gegen seine Haut, Dunkelheit umschwamm ihn wie ewige Nacht, die nur von den Blitzen zerrissen wurde."
 
 
Doch nicht nur die sengende Hitze, die ihnen die Haut verbrennt, macht ihnen zu schaffen, auch monströse Gewitter entladen sich über ihren Köpfen und richten mit ihrer brutalen Kraft ein Blutbad an. Das Setting ist somit ebenso brutal und auf ein genaues Ziel ausgerichtet, wie das des ersten Teiles, denn Thomas und seine Freunde haben in dieser Episode eine klare Vorgabe, deren Scheitern nicht in Frage kommt: der sichere Hafen zu erreichen.
Doch dieser Weg ist schwierig, sowohl die infizierten, zerfressenen Zombie-Cranks, die unbarmherzige Brandwüste als auch andere Verstrickungen machen es den Jungs nicht leicht, an ihr Ziel zu kommen und immer wieder müssen sie an ihre äußersten Grenzen gehen, obwohl sie selbst den Brand haben und höchstwahrscheinlich sterben werden. Warum machen das die unsichtbaren Spielmacher? Was haben sie mit ihnen vor? Soweit ist die Problematik spannend und interessant dargestellt und wird durch einige rätselhafte Einwürfe eingeheizt.
 
 
 "Ihr glaub vielleicht, dass wir nur testen, ob ihr in der Lage seid zu überleben. Oberflächlich betrachtet sehen die Experimente, die wir im Labyrinth mit euch durchgeführt haben, vielleicht so aus. Aber ich versichere euch, dass es nicht nur um das reine Überleben oder euren Überlebenswillen geht. Das ist nur ein Teil dieses genialen Experiments. Es geht um etwas sehr viel Größeres, das ihr erst ganz am Ende verstehen werdet."
 
 
Doch nun kommt das große ABER!
 Der Fokus des Buches liegt deutlich auf der Action. Ich wähle hier absichtlich das Wort "Action" und rede nicht von der "Handlung", denn an dieser finde ich einiges fragwürdig. Grundsätzlich finde ich die gesamte Konzeption des Buches viel zu löchrig und wackelig. Nach dem Ende des ersten Teiles nehmen wir als Leser einige unbeantwortete Fragen in den zweiten Teil mit und ich hätte doch die Beantwortung einiger erwartet und vielleicht sogar die Aufdeckung eines Systems gehofft, die die ganze Handlung auf eine höhere Ebene stellt. Doch die Enttäuschung: viele Ungereimtheiten, einige neuen Fragen und zu schnelle, unbegründete Wendungen lassen das Buch so wirken, als gäbe es keine Planung, kein System hinter der Handlung, was auch den ersten Teil mit in den Dreck zieht.
So wechseln zum Beispiel die Charaktere scheinbar so oft die Seiten, bis man nicht mehr neugierig verwirrt sondern einfach nur noch genervt ist.
 
 
"Gib noch nicht auf. Wir schaffen es zum sicheren Hafen und werden geheilt." "Falsche Hoffnungen", sagte sie. "Vielleicht immer noch besser als gar keine Hoffnung." Sie drückte seine Hand, und diesmal erwiderte Thomas ihren Händedruck. Und dann schliefen sie ein."
 
 
Den Protagonisten und auch dem Leser werden die Informationen nur bröckchenweise hingeworfen, sodass man permanent rätselt, was es eigentlich mit der Organisation ANGST und ihren Experimenten auf sich hat, was spätestens nach der vierten Wiederholung dieser Problematik einfach nur noch nervt. So ist die Handlung an sich wenig gehaltvoll - schwach, vorhersehbar und ohne richtigen Spannungsbogen - bei allem was passiert, werden keine neuen Erkenntnisse gewonnen, Wendungen unlogisch und absolut unglaubwürdig dargestellt. Da die Charaktere am Ende keinen Schritt weiter sind als vorher, scheint dieser zweite Teil generell in der ganzen Reihe keine besonders wichtige Rolle einzunehmen und erschien mir schlichtweg überflüssig.
 
 
"Erstickte Schluchzer brachen aus ihm hervor. Sein Herz tat so weh, dass er beinahe stehen bleiben, zusammenbrechen und aufgeben musste."
 
 
Vor allem auch die Charaktere leiden sehr darunter. Thomas, den ich anfangs noch recht gut mochte, entfernte sich sehr von mir und auch Teresa wird im Laufe der Geschichte sehr unglaubwürdig, bis ich einfach nur noch hoffte, sie würde bald sterben. Sie war mir von Beginn an eher unsympathisch, da ich ihren Charakter einfach nicht einschätzen und so nicht nachvollziehen konnte, was natürlich auch nicht gerade davon begünstigt wird, dass sie plötzlich eine Verräterin zu sein scheint, ihn dann wieder liebt und alles getan hat um ihn zu schützen, ihn dann wieder umbringen will, weil das alles nur gespielt war und das dann auch wieder nicht gestimmt hatte weil sie gezwungen wurde und - versteht ihr was ich meine? Mit Thomas war das von Beginn an so eine Sache. Zwar ist er klar der Protagonist und erzählt auch aus seiner Perspektive, ich bin aber nie wirklich an ihn herangekommen, er wurde für mich eigentlich nie zu einer selbstständigen Person, sondern blieb für mich mehr einfach eine Erzählinstanz. Woran das genau liegt, kann ich nicht sagen. Er wird für mich zu sehr als die Schlüsselfigur dargestellt, ohne das man verstehen kann, was an ihm besonders sein soll, da er in der Erzählart weder besonders schlau noch herausragend mutig wirkt. Fest steht, dass ich absolut nicht begeistert war!
 
 
"Er könnte sterben."
"Oder noch schlimmer. Er könnte überleben."
Er hört einen letzten Satz.
"Oder vielleicht können er und die anderen uns retten. Uns alle vor dem grauenhaften Schicksal bewahren."
 
 
Neben den üblichen Verdächtigen, deren Zahl im Laufe des Plots erheblich dezimiert wird, bekommen wir einige neue Charaktere dazu. Darunter die beiden Cranks Jorge und Brenda, die noch halbwegs interessant gezeichnet sind, wobei mich Brenda in ihrer Problematik doch sehr an Teresa erinnert, da ich sie genauso wenig verstanden habe. Ebenso taucht eine ominöse zweite Gruppe auf, die dasselbe erlebt hat, wie Thomas, Minho und Co, aber nur aus Mädchen besteht. An ihrer Spitze der junge Aris, der mit Teresa und Thomas eine Gedankenverbindung eingehen kann. Auch um seine Person ranken sich einige Unklarheiten, allgemein würde ich aber sagen, dass alle Charaktere dieses Teils eher schwach und unzureichend gezeichnet sind und in den ganzen Actionszenen untergehen.
 
 
"Da war kein Kopf. Kein Haar und kein Gesicht. Noch nicht einmal ein Hals. Nichts von dem, was da sein müsste. (...) Ihre Blicke trafen sich, und der Crank fauchte ihn wie ein verwundetes, in die Enge getriebenes Raubtier an."
 
 
Schade fand ich auch, dass gerade das Ende, von dem ich mir endlich wieder etwas Klarheit gewünscht hätte, komplett offen bleibt und viel Platz für Spekulationen lässt. So muss ich meine Frustration und die offenen Fragen wohl in den dritten Teil mitnehmen und hoffen, dass dieser einen würdigen Abschluss zu bieten hat.
 
 
 
"Manchmal fragt man sich ja wirklich", murmelte Thomas.
"Was?"
"Ob es überhaupt was bringt, noch weiterzuleben. Ob es nicht einfacher wäre, tot zu sein."
 
 
 
Fazit:
 
Aufgrund vorhersehbarer Wendungen, unübersichtlichen Plotkonstruktionen und schwachen Charakteren konnte mich das Buch trotz der vielen Action absolut nicht überzeugen, und lässt mich noch verwirrter zurück, als ich es begonnen habe. Ein unnötiger und wirklicher schwacher Mittelteil.
 

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