Montag, 29. August 2016

Kreatives Schreiben lernen



Du würdest gerne etwas kreatives schreiben, doch du glaubst vielleicht, dass es dafür viel Vorbereitung, Material, Vorwissen und dergleichen braucht, um loslegen zu können? Das stimmt nicht! Hier habe ich versucht einige Tipps, Tricks und Inspirationen zusammen zu stellen um euch dazu motivieren, einfach zu beginnen.
 
 

 

Was du wirklich brauchst

Das Wichtigste, was es benötigt einen guten Text zu schreiben hast du bereits – Ihr könnt alle lesen und schreiben! :-)
Ansonsten braucht man erstmal für den Start einen Stift und ein Blatt Papier, kariert, liniert, bunt, ganz egal.
Darüber hinaus benötigt man dann nur noch etwas Mut.
Mut, Worte aufs Papier zu bringen.
 
Für den Beginn braucht man keine Anleitungen, Stilguides oder Rechtschreibregelbücher, egal was andere Sites behaupten. Man muss weder die Kommaregeln perfekt beherrschen, noch irgendwelche Fremdwörterbücher auswendig lernen. Auch Richtlinien, Kritiker oder Ideenmaschinen sind vollkommen unnötig.
Denn all das behindert die meisten Menschen dabei, einfach munter drauf loszuschreiben und genau das ist schließlich der Sinn von kreativem Schreiben. Schreiben lernt man nur durch das Schreiben. Egal, wie viele Fehler man macht, egal, ob die Texte zu lang, umständlich oder fad sind – wichtig ist, dass man es probiert!
 
Sehr nützlich ist es natürlich, wenn man eine möglichst große Lust zum Schreiben mitbringt. Fabulierlust, Dichtlaune, Erzählfreude – das sind wertvolle Motivationsquellen.
Auch ein gewisses Maß an Kreativität und Geduld ist gefragt um auf längere Sicht auf Ideen zu kommen. 

 
 
 

Eine kurze Anleitung

 

1.

Am Anfang steht natürlich die Idee!
Oft kommen einem irgendwelche Ideen einfach so im Alltag zwischendurch ohne das man angestrengt darüber nachdenkt. Natürlich kann man sie in einem Notizbuch notieren, Brainstormen oder sich sonstig Inspiration holen, doch das ist nicht zwingend notwendig.
 

2.

Wenn du eine vage Richtung im Kopf hast, überlege dir zuerst einen Themenbereich und was für eine Textform du anpeilen willst. Denke aber auf gar keinen Fall zu viel über Genaues nach, sonst verlierst du den Mut bevor du überhaupt angefangen hast.
Das ist mitunter das Schwerste für Anfänger: Einfach schreiben. Denn im Nacken sitzt dir immer die Angst etwas falsch zu machen und die Fragen "Wie mach ich das denn nun genau?" Es gibt kein Patentrezept, niemanden, der dir das abnehmen kann, was du nun tun sollst: Schreiben! 
 
 

3.

Und dann geht es los. Meine Ideen sind zu Beginn auch immer nur kleine Gedankenblitze und Fetzen aus Träumen, der Rest ergibt sich dann. Wenn du nicht mehr weiter kommst, hilft es oft, es einfach wegzulegen, es wann anders noch mal durchzulesen und weiter zu schreiben.
 

 

 

Texte überarbeiten

 
Irgendwann bist du bei der Rohfassung angelangt. Die gilt es dann zu überarbeiten, bis ein ansehnlicher Text daraus wird:

  • Natürlich ist zuerst mal der Inhalt dran. Es bringt wenig die Form oder Sprache zu stilisieren und danach doch die Passage wegzustreichen. Dazu hat man viele Möglichkeiten, die aber immer etwas vom Text abhängen. Man kann Reihenfolgen ändern, etwas streichen oder hinzufügen, Formulierungen ändern, so lange bis es einem gefällt.
 
  • Dann kann man auch auf Rechtschreibung und Sprache achten. Man muss es nicht komplett glatt schleifen, da bei kreativem Schreiben der Schwerpunkt vor allem auf dem Inhalt liegt, doch man sollte versuchen die Alltagssprache abzulegen. Damit ist nicht gemeint, schwierige Wörter zu benutzen sondern viel mehr darauf achten soll, Füllwörter zu vermeiden.
 
Dazu ein Beispiel:
 
"Ja, wenn du dann mit Schreiben anfängst, dann versuch mal leicht darauf zu achten nicht so banal daherzureden. Meistens schwafelt man nämlich immer nur so daher."    
 
Wenn ich aus diesem Satz jetzt alle unnötigen Füllwörter streiche klingt es schon ganz anders.
 
 
"Ja, wenn du dann mit Schreiben anfängst, dann versuch mal leicht darauf zu achten nicht so banal daherzureden. Meistens schwafelt man nämlich immer nur so daher."     
 
Also wird daraus:
 
"Wenn du mit Schreiben anfängst, versuche darauf zu achten, nicht banal zu reden. Meistens schwafelt man nur."     
 
 
  • Dann kann man versuchen die Umgangssprache zu vermeiden.
 
"Wenn du mit dem Schreiben beginnst, versuche darauf zu achten, keinen banalen Text zu verfassen. Häufig schreibt man zu viel um wenig zu sagen."
 
  
  • Auf die richtige Zeitform zu achten, kann ebenfalls die Qualität des Textes verbessern.Viele tendieren dazu, das perfekt zu verwenden, wenn sie einen Text schreiben, da man diese Vergangenheitsform vor allem beim Reden verwendet.  
Beispiel:
 
Präteritum: Ceragon schlich sich näher an den feindlichen Drachen, bis der Rauch aus den Nüstern des schlafenden Ungeheuers seine Hand streifte.

Perfekt: Ceragon hat sich näher an den feindlichen Drachen angeschlichen, bis der Rauch aus den Nüstern des schlafenden Ungeheuers seine Hand gestreift hat.
 
Das Präteritum hört sich dabei viel eleganter an. Der zweite Satz im Perfekt klingt darüber hinaus, als hätte ihn jemand gesagt, der schon weiß, wie die Geschichte ausgeht. Null Spannung also. Der erste Satz im Präteritum klingt, als würde man direkt hinter Ceragon stehen. Man ist dichter an der Handlung dran.     
 
  • Natürlich kann man noch viel mehr überarbeiten und verändern doch reicht dann oft etwas zu weit für einen normalen Text. Wer sich dafür interessiert kann gerne hier weiterlesen.  
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 Weitere Nützliche Tipps

 
  •  Hilfreich können auch bei Blockaden Wörterbücher sein. Die meisten Menschen nutzen im Alltag einen mehr oder weniger begrenzten Wortschatz – den so genannten aktiven Wortschatz. Über die Begriffe, die wir automatisch täglich nutzen hinaus, kennen wir aber viel mehr Wörter – das ist der passive Wortschatz. Leider fallen uns Wörter nicht immer dann ein, wenn wir sie brauchen. Und genau dafür sind Wörterbücher eine feine Sache.
Ich würde, wenn du bemerkst, dass du dauerhaft schreiben möchtest, die Anschaffung folgender Werke empfehlen:
 
Ein Wörterbuch der deutschen Sprache – Ein solches Werk dient als Nachschlagewerk oder auch zum Stöbern zwischendurch. Man kann sich angewöhnen, täglich für 10 Minuten darin zu blättern und damit den Wortschatz ganz automatisch stetig erweitern.
 
Ein Synonymlexikon – Das ist für den alltäglichen Gebrauch sehr nützlich. Wer schreibt, wird immer wieder an einen Punkt kommen, wo man ein Wort schon mehrfach benutzt hat – aber es fällt einem einfach kein anderer Ausdruck dafür ein. Ein Blick in ein Synonymlexikon zeigt eine Fülle an sinnverwandten Begriffen, so dass du deine Texte reicher und bunter gestalten kannst.
 
Extra-Tipp: Viele Textverarbeitungsprogramme, wie z.B. Word, bieten auch einen so genannten “Thesaurus”, mit dem man oft schon ein gutes Stück weiterkommen kann.
 
 
  • Dann kann man sich natürlich Schreibforen, Schreibzirkel oder anderem anschließen, oder  mit anderen Schreiberlingen in Kontakt kommen. Im Internet gibt es z.B. viele Seiten mit Schreibforen und Schreibwerkstätten und im “realen Leben” Schreibzirkel und dergleichen mehr. Kontakte zu anderen Schreibern können sehr inspirierend, aber auch ausgesprochen frustrierend sein. Hier ist empfehlenswert, sich vorher gut zu überlegen, was man sich “zumuten” will. Schreibforen, in denen Texte regelmäßig zerfetzt und auseinander genommen werden, sind etwas, das sich meiner Ansicht nach gerade Schreibanfänger/innen nicht antun sollten. Achte also auf eine angenehme, sympathische und wohlwollende Atmosphäre.
 
  • Es gibt auch Workshops und Seminare zu den verschiedensten Themen rund um das Schreiben. Wer sich dafür interessiert, es gibt ganz unterschiedliche Angebote. Ein Selbstlernkurs Kreatives Schreiben, der sich speziell an Einsteiger richtet oder einen Selbstlernkurs zum autobiografischen Schreiben, der für alle ist, die ihre eigene Lebensgeschichte schreiben erforschen möchten. Es gibt aber auch Fachseminare z.B. zum journalistischen Schreiben, Werbetexten und mehr.
 
 

 

Spezielle Tipps zum Thema "Kurzgeschichte" 

 
Die bisherigen Tipps kann man allgemein anwenden, aber es gibt einige Unterschiede zwischen einer Kurzgeschichte, einem Gedicht und einer Geschichte im Allgemeinen bzw. einem Roman.
 
Die Kriterien einer Kurzgeschichte, die mir noch von der Schule in Erinnerung geblieben sind:
  1. Offener Anfang und offenes Ende
  2. Direkt in die Geschichte einsteigen, keine Einleitung
  3. Charakterisierungen eher kurz halten / auf ein paar Punkte beschränken
  4. Müssen nicht unbedingt kurz in der Länge sein, können also viele Seiten haben
Dann ist es natürlich überflüssig 15 verschiedene Teile abzuhaken ehe man mit der Arbeit beginnt. Nichtsdestotrotz sollte man sich Gedanken um die Charaktere und die Aussage machen. Denn gerade darin - es kurz aber trotzdem deutlich zu sagen - liegt die Kunst. Mehr zu Kurzgeschichten findest du hier.


 
 

Spezielles zu der Form "Gedicht"

Möchtest du selber ein Gedicht schreiben, dann kann dieses Gedicht etwas sehr persönliches sein. Es mag zwar ein klein bisschen mehr Aufwand sein, selbst ein Gedicht zu verfassen als eine Kurzgeschichte, aber es lohnt sich immer.
 
Wie fängst du ein Gedicht an?
 
Als erstes brauchst du natürlich wie bei allem anderen auch eine ungefähre Idee, wovon dein Gedicht handeln soll. Stell dir am besten ein paar Fragen:
  • Was ist der Anlass? Weshalb schreibst du das Gedicht?
  • Welches Gefühl oder welche Gedanken möchtest du vermitteln? Welche Stimmung willst du verbreiten?
  • Möchtest du etwas bestimmtes aussagen?
 
Außerdem gilt es zu entscheiden, welche Form von Gedicht du schreiben möchtest. Für den Laien gibt es da zwei grobe Blöcke: das gereimte und das ungereimte Gedicht. Man kann also auch bei einem Gedicht den Schwerpunkt auf den Inhalt legen und die Form erstmal etwas vernachlässigen.
Mehr zu Gedichten findest du hier.
 
 
 

Fazit

 
 
Also, viel Gerede und was ist der Schluss daraus?
 
Setzt euch einfach dran und beginnt zu schreiben, verbessern oder wegwerfen kann man auch später noch!!!!
 
 
 
Liebe Grüße und viel Spaß beim kreativ werden!
 
Eure Sophia
 
 

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