Dienstag, 3. Januar 2017

Die Königliche


Allgemeines:

Titel: Die Königliche
Autor: Kristin Cashore
Verlag: Carlsen (2012)
Genre: Fantasy
ISBN: 978-3551582683
Originaltitel: Bitterblue
Seitenzahl: 567 Seiten
Preis: 19,90€ (gebundene Ausgabe)
9,99€ (Kindle-Edition)
9,99€ (Taschenbuch)
Weitere Bände: Die Beschenkte;
Die Flammende




Inhalt:
"Die Sonne wärmte sie, eine leichte Brise kühlte sie, da war kein Schmerz und sie hatte keine Angst, an der Spitze der Welt zu stehen."
Seit dem Tod ihres tyrannischen Vaters ist die junge Bitterblue die alleinige Herrscherin ihres ganzen Königreichs Monsea. Während sie langsam in ihre Aufgabe hineinwächst, muss sie sich unausweichlich der Vergangenheit stellen: Wer war ihr Vater, König Leck, wirklich? Was gehört zu den Lügengebäuden seiner Herrschaft und was ist tatsächlich die Wahrheit? Für ihre Nachforschungen schleicht sich Bitterblue Nacht für Nacht verkleidet aus dem Schloss, schließt unter falschem Namen ungewöhnliche Freundschaften in den Straßen und Wirtshäusern und verstrickt sich ihrerseits in ganz neue Lügen ...


Bewertung:

Die beiden Vorgängerbücher haben mir sehr gut gefallen, vor allem "Die Beschenkte" mit Katsa und Bo. Ich habe nicht erwartet, dass der 3. Teil an meinen Lieblingsband herankommt, doch das ist tatsächlich geschehen. Schon mit der ersten Seite schafft es auch dieser Roman wieder, einen in die Welt der Sieben Königreiche zu katapultieren und danach nicht wieder loszulassen. Dabei beschränkt die Autorin sich auf die personale Sicht von Bitterblue im Präteritum, was aber nie so einseitig bleibt, dass man das Gefühl hätte, einige Dinge nicht zu verstehen. Stattdessen ist man mit ihr immer auf demselben Stand und geht gemeinsam den Geheimnissen nach. Wer allerdings eine actionreiche Lektüre mit Kampfszenen wie in den Vorgängern erwartet, dürfte etwas enttäuscht werden - hier dreht sich alles um Intrigen, Macht und Lügen.

Die Bücher der Reihe sind ganz sicher etwas Besonderes im Regal. Alle drei Cover ziert die Rückansicht eines Mädchens, wobei diese immer wunderbar zu der jeweiligen Protagonistin passt. Das Farbschema ist diesmal schwarz bis gräulich-grün, sowie auch der Einband gehalten ist. Dieses Mal hat die junge Frau gräuliche Ornamente im Nacken und dunkelbraune oder schwarze Haare, zu einer königlichen Frisur gesteckt, die ich hier aufgrund meines mangelnden Wissens an Haarkunst nicht benennen kann.

Der Titel ist goldfarben geprägt, leicht erhaben und in derselben Schrift geschrieben wie die Titel der anderen beiden Bände. Das Buch selbst ist in ein helles Mintgrün gebunden, hebt sich aber auch hier wieder durch den goldenen Titel auf dem Rücken ab.

Das Buch beginnt neben einer Karte der bekannten Welt mit einem Inhaltsverzeichnis, welches wie eine Schriftrolle gezeichnet wurde. Das Buch wurde in fünf Teile geteilt, welche jeweils eine eigene Überschrift haben über denen ein  hübscher, dunkler Schlüssel prangt, während darunter die ungefähre Zeitangabe sich befindet. Gerahmt wird all dies von einer Art Fassung, welche wie ein Schild wirkt. Den Anfang jedes Kapitels ziert  jeweils ein oben genannter Schlüssel und was mir am besten gefallen hat: ganz am Ende befinden sich neben einem ausführlichen Glossar auch zwei wunderschöne Karten des Königreichs und des Schlosses.

Die Übersetzung ist an manchen Stellen etwas stockend, sodass ich diese Stellen 2-3-mal lesen musste und ein Widerspruch ist enthalten. Der Schreibstil ist aber trotzdem flüssig und zeichnet sich mit einem beeindruckenden Einfühlungsvermögen aus, das dem Leser die Gefühle der Figuren erkennen lässt, ohne kitschig oder holzhammerartig plump zu.  Leider fehlen auch einige der Bilder der Originalausgabe wie die Brücken und die Titelseiten der einzelnen Teile.
Es geht um die junge Bitterblue die auch schon im ersten Teil dieser Trilogie eine große Rolle gespielt hat und die jetzt erwachsen ist. Auch weitere bekannte Charaktere wie zum Beispiel Prinz Raffin, Giddon oder Bann, sowie Lady Fire aus "Die Flammende" dürfen wieder mitspielen. Wahnsinnig gefreut habe ich mich, dass auch Katsa und Bo in diesem Buch wieder auftauchen und Bitterblue mit Rat und Tat zur Seite stehen, man spürt auch immer noch die besondere Verbundenheit zwischen den dreien. Prinz Bo springt sofort, wenn Bitterblue ihn braucht und Katsa erteilt ihr Kampfunterricht, damit sie sich in Gefahrensituationen, die in diesem Roman nicht knapp gesät sind, besser verteidigen kann.

Die absolute mitreißende Liebe zwischen den beiden ist auch von außerhalb sehr schön geschildert. Jeder der bekannten Charakteren aus den Vorgängerbüchern bekommt am Ende sein eigenes Happyend zugeteilt, was mich wirklich sehr gefreut hat. Auch dass endlich eine Verbindung zwischen den drei Teilen hergestellt wird, fand ich super. Dennoch können auch Neueinsteiger dieses Buch getrost lesen! Es erzählt eine abgeschlossene Geschichte und alle relevanten Details aus der Vergangenheit werden noch mal im richtigen Maß mit eingeflochten.
Trotzdem hat man als Leser sicher noch mehr Spaß, wenn man die beiden Vorgängerbände bereits kennt.

"Die Königliche" besitzt keine so starke und wilde Protagonistin wie sie es in den Vorgängern waren. Bitterblue ist um einiges zerbrechlicher, unsicherer und vor allem trauriger, aber sie wirkt nie wehleidig. Sie hat sowohl Mutter als auch Vater verloren und auch wenn Letzterer ein Monster war, kann sie sich dennoch nicht des Gefühls erwehren, dass er einen Teil von ihr mitgenommen hat. Sie ist eine sehr junge Königin und man merkt, dass sie in ihre Aufgabe erst hineinwachsen muss. Sie macht viele Fehler, hat aber auch immer ein offenes Ohr für ihre Bediensteten und geht sehr einfühlsam mit ihnen um, selbst wenn sie von ihnen enttäuscht wurde. Oft fühlt sie sich eher machtlos als mächtig und zeigt sämtliche Facetten zwischen Zerbrechlichkeit und Stärke. Beinahe jeder im Schloss scheint ihr etwas zu verheimlichen, was nicht nur für sie ein schreckliches Gefühl ist, sondern auch für den Leser. Man leidet unwillkürlich mit, trauert mit ihr, liebt mit ihr, lacht mit ihr.

Denn auch bei der bedrückenden Schwere einiger Themen vergisst die Autorin nie, auch ein bisschen Humor mit einzubauen, der besonders in den Gedanken von Bitterblue zum Ausdruck kommt. Sie kümmert sich um andere, trauert und macht Fehler, dadurch wirkt sie sehr menschlich und überzeugend.
Vor allem ihre Beziehung zu Saf dem Dieb ist sehr interessant, weil Bitterblue durch ihre Lügen zeitweise unehrlicher wirkt als Saf. Er wird leider nicht zur Schlüsselfigur und bliebt nur sehr blass im Hintergrund, aber ich fand ihn trotzdem super.

 Auch die Nebenfiguren wie die Heilerin Madlen, die Dienerin Fox oder der Bibliothekar Todd  überraschen alle immer wieder aufs Neue. König Leck ist auch ständig präsent, wenn auch nur durch seine Untaten, die sich nahezu durch das ganze Buch ziehen. Kaum zu glauben, was er seinen Ratgebern und auch Bitterblues Mutter alles angetan hat.

Was sich langsam herausstellt, ist erschreckend und widerlich und ich habe mich oft gefragt, wie ein Mensch das nur machen konnte. Auch als sie am Ende seine Tagebücher liest, lief es mir kalt den Rücken hinunter. Wie in den ersten beiden Bänden, ist und bleibt Leck natürlich der große Bösewicht, aber ansonsten gibt es keine einfache Schwarz/Weiß-Zeichnung. Die Enthüllungen erfordern zudem immer wieder gute Nerven!

Es gibt viel Spannung und jede Menge Rätsel, Verräter, Geheimschriften, Kämpfe... kurzum, alles was ich an dieser Reihe gern mag. Lediglich der Anteil der Liebesgeschichte ist eher zart und begrenzt, aber eine Königin hat eben gewissen Verpflichtungen und kann sich -leider , seufz- nicht einfach so mit jedem "Dahergelaufenen" einlassen.

Es geht in dem Buch neben dem Offensichtlichen um eine bewegende und emotionale Auseinandersetzung mit den schrecklichen Jahren der Tyrannei, die an einem Volk und an den Menschen nicht spurlos vorüberziehen können. Der zentrale Satz, wird schon ziemlich am Anfang geäußert.

Leck ist tot. Aber wenn Leck tot ist, warum ist es dann nicht vorbei?

Durch die Aufarbeitung des Traumas ist der letzte Teil der Trilogie wesentlich ruhiger als die wilden Vorgängerbände in denen es um Krieg und Überleben geht. Leider macht es genau das in manchen Szenen etwas langatmig, wenn seitenlang chiffriert und diskutiert wird. Trotzdem ist es gerade deshalb so berührend. Es zeigt diesmal in ordentlichem Umfang die Probleme einer jungen Herrscherin auf der Suche zu sich selbst, ein Königreich am Abgrund, dunkle Intrigen, feste Freundesbanden und eine zarte erste Liebe.


Fazit:

Kristin Cashore arbeitet ihre Charaktere und die Landschaften so gründlich und liebevoll aus, dass alles richtig lebendig wirkt und man als Leser schnell alles um sich herum vergisst, während man in zwielichtigen dunklen Kneipen verweilt, durch Labyrinthe und Geheimgänge geschickt wird und versucht rätselhafte Diebstähle aufzuklären.


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