Sonntag, 2. Oktober 2016

Mondschwinge - Die Nacht der Elemente

 
 
 
Allgemeines:
 
Titel: Mondschwinge - Die Nacht der Elemente
Autor: Lia Haycraft
Genre: Fantasy
ISBN: 978-9963530502
Preis: 2,99€ (Kindle-Edition)
11,99€ (Broschiert)
Weitere Bände: Mondtochter;
Sonnenschwinge
 
 
 
Inhalt:
 
 
"Kasumi, ich brauche dich.
Ich werde dir jemanden schicken, der dich zu mir bringt.
Bald.
Deine Großmutter, Analyn"


Kasumis Großmutter verschwand vor gut vierzig Jahren, ohne eine Spur zu hinterlassen. Als sich der Tag ihres Verschwindens jährt, sucht Kasumi für ihren im Krankenhaus liegenden Großvater nach ihr. Sie lernt den charmanten Ivan kennen, ahnt jedoch nicht, dass er der Bote ist, von dem Analyn in ihrer rätselhaften Notiz sprach.
Ivans blaue Augen ziehen Kasumi sofort an, doch wie soll er ihr helfen, ihre Großmutter zu finden? Und warum kann angeblich nur sie Analyn retten?
Es beginnt die gefährlichste Zeit ihres Lebens, denn die Reise zu dem Ort Axikon, wo Analyn gefangen ist, birgt viele Hindernisse. Werden Ivan und Kasumi es schaffen, Analyn zu befreien?
 
 
 
 
Bewertung:
 
DISCLAIMER: Da dieses Buch der zweite Teil einer Trilogie ist, können mögliche Spoiler nicht vermieden werden!!!
 
Dieses Buch ist der zweite Teil der Fantasy Trilogie um die Geschichte der Arantai. Nach dem vorran gestellten Teil "Mondtochter" handelt "Mondschwinge" von anderen Hauptpersonen, lässt aber einige nette und weniger nette Überschneidungen zu. Sander hat eine kurze Rolle, leider treffen wir aber auch wieder auf die abscheuliche und rachsüchtige Umbra.
 
 
"Die Luft flirrte, das Wasser flog näher und Kasumi sah ihr Spiegelbild. Sie schrie, während sie darauf zufiel. (...) Unheimliche Augen starrten Kasumi aus dem Wasser an, sie waren tiefschwarz und hatten weder Pupillen noch einen Streifen weiß darum."
 
 
Das Cover wirkt wieder fantasievoll und verschnörkelt. Wenn nicht schon wieder ein Modelgesicht darauf zusehen wäre, würde ich sagen, es hätte mir sehr gut gefallen. In den selben dunklen Rottönen mit dunklem Grund und hellen Akzenten wird ein Mädchen gezeigt, dass auf dem Boden liegt und von etwas, das an schwarze Federn erinnert, bedeckt wird. Der Titel ziert das Ganze schwungvoll. Es wirkt mysteriös und schwungvoll dynamisch, wie auch der erste Band, was aber meiner Meinung nach atmosphärisch eher nicht so gut passt. Ich hätte eher etwas ruhigeres, klareres erwartet, das zu den Gemütern der Hauptpersonen passt. Trotzdem sehr hübsch anzusehen...
 
Die Geschichte beginnt 19 Jahre nach dem ersten Band.... in Axikon. Ivan, welchen wir schon aus dem ersten Band kennen, hat begriffen, dass Umbra ihn nur ausgenutzt hat und als er auch noch zu Unrecht von der Spiegelinsel verbannt wird, muss er sich nach einem neuen Ort zum Leben umsehen. Als er auf seiner Suche in dem kleinen Dorf Lennoxi auf Analyn trifft, deren Geschichte ihn seltsam rührt, beschließt er, ihr einen Gefallen zu tun und auf die Erde zu reisen. Dort soll er deren Enkelin, Kasumi, einweihen und mit nach Axikon zu ihrer Großmutter bringen, denn nur sie kann ihre Analyn retten. Natürlich hat er nicht damit gerechnet, das diese junge Frau vergessene Gefühle in ihm weckt...
 
 
  Erster Satz: "Kasumi drückte die Klinke hinunter und hielt die Luft an, bevor sie die Tür öffnete und um die Ecke spähte."
 
 
Sehr gemächlich startet das Buch in das Leben der zwanzigjährigen Musikstudentin Kasumi. Die aufgeweckte junge Frau verspricht ihrem Großvater Georg, der nach einem Herzinfarkt im Krankenhaus liegt, seine alljährliche Suche nach seiner lange verschollenen Frau aufzunehmen. Als sie dann eine Nachricht von eben dieser Frau erhält und einen rätselhaften Rabenmann Artus kennenlernt, der ihr kryptisch prophezeit, dass sie bald jemand abholen kommt, ist sie sofort Feuer und Flamme. Um ihrer Großmutter zu helfen und sie wieder mit ihrem Großvater zusammen sie alles tun. Als sie dann auf einer Party den gutaussehenden Ivan trifft, ahnt sie zunächst nicht, dass er der Bote ist, von dem der Rabe gesprochen hat. Die beiden kommen sich rasend schnell näher, was zunächst etwas unrealistisch wirkt, aber sehr romantisch und herzerweichend dargestellt ist. Vom Einstieg her ist das Buch fast wieder wie ein Neustart, da auch Kasumi und der Leser in eine neue Welt eingeführt werden müssen: Axikon. Nachdem ich anfangs Schwierigkeiten mit der Vorstellung dieser Welt hatte, bin ich recht schnell reingekommen und habe begonnen diesen Ort zu lieben. 
 
 
"Ivan setzte seinen Weg fort. Bald endeten die Dünen und Palmen und riesige Bäume umgaben ihn. Glühende Schmetterlinge flatterten zwischen den segelgroßen Blättern hindurch. Leuchtende Vögel mit bunten Federn stiegen in den dunklen Himmel empor und sahen beinahe aus wie ein Feuerwerk."
 
 
Am Anfang lernt man beide Charaktere in ihrem bisherigen Umfeld kennen, Kasumis normales leben auf der Erde und auf der anderen Seite Ivans Alltag in der Spiegelwelt, bevor sie sich dann schlussendlich treffen und die eigentliche Geschichte beginnt. Der ruhigere und informative Teil verlief relativ schnell und konnte mich gut informieren ohne langweilig zu wirken.
Ab dem Treffen der beiden wird es romantischer und gleichzeitig auch rasanter. Es ergeben sich einige brenzlige Situationen, welche nach und nach gemeistert werden müssen. Ab ihrem ersten Treffen wurde ich praktisch in das Buch hineingesogen und konnte nicht mehr so schnell aufhören zu lesen.
 
Kasumi ist ein Charakter, den man mit seinen liebenswürdigen Wesenszügen schnell ins Herz schließt. Sie ist ein lebendiger und offenherziger Charakter, voller Abenteuerlust und Vertrauen. Anders als die eher mysteriöse und nachtaktive Lucija, ist sie eher der offene und lebenslustige Typ, was mir sehr zugesagt hat. Trotzdem steckt in ihr viel Kraft, sie ist recht impulsiv, was mich doch manchmal etwas schmunzeln ließ. Ihre Liebe zu ihrer Familie und Ivan lässt kaum einen zweifelnden, hinterfragenden Gedanken zu und sie beschließt einfach sofort zu helfen. Das lässt sie zuerst etwas naiv erscheinen, zunächst völlig irritiert und überwältigt von den vielen Begegnungen und Erfahrungen. Im Laufe der Geschichte wandelt sich dies aber enorm. Sie wird stärker und besonnener, macht innerhalb des Romans also eine Entwicklung durch – auch physisch gesehen verändert sich für sie einiges...
 
 "Ich werde dich finden, Analyn. Hoffentlich haben wir dann genug Zeit, uns kennenzulernen. Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, wieder aufzutauchen. Opa geht es nicht gut", flüsterte sie, bevor sie die Wohnung verließ.
 

Ivan hat ja bereits im ersten Band eine Nebenrolle gespielt, doch wie viel wirklich in ihm steckt, kommt erst in diesem zweiten Band richtig zur Geltung. Nachdem er zuerst eine eher negative Mitläuferrolle eingenommen hat, überzeugt er hier mit seinem aufgeschlossenen und fast übermütigem Verhalten, welches vielen Situationen eine gewisse Leichtigkeit verleiht. Trotzdem wirkt er sehr erwachsen mit seinen eigentlich 38 Jahren und kümmert sich verantwortungsvoll um Raja, die vernachlässigte Tochter von Umbra und deren Mann Raoul. Ich mochte Sander zwar sehr, doch Ivan hat mir irgendwie viel besser gefallen.
 
 Wie schon erwähnt, ist Umbra Jones, eine Machthungrige und praktisch der Bösewicht der Geschichte, auch wieder präsent. Sie ist eine Arantai des Wassers und kann das Eis beherrschen. Durch ihre rachsüchtige und bösartige Art kommt man nicht umhin, die Frau mit der eiskalten Aura zu hassen. Anders als im ersten Teil, als sie Sanders vermeintlichen Mord an ihrer Zwillingsschwester rächen wollte, hat sie aber in diesem Teil kein wirkliches Motiv. Was genau sie wirklich will, habe ich zu keinem Zeitpunkt wirklich verstanden, was sie einerseits etwas unrealistisch, andererseits aber durchgedreht und dämonisch erscheinen lässt. In diesem Band hat sie eine Tochter, welche aber aufgrund ihrer Unfähigkeit zu lieben etwas auf der Strecke bleibt.
 
Raja ist ein kleiner Sonnenschein. Die neunzehnjährige sieht Ivan als eine Art Ersatzvater und hat eine Bindung zu ihm aufgebaut. Ihr Charakter ist sehr gewinnend, manchmal kam sie mir aber etwas zu kindlich vor. Immerhin ist sie mit ihren neunzehn Jahren bloß ein Jahr jünger als Kasumi, was auch diese etwas verstört. Dadurch, das alle Arantai körperlich ab 19 aufhören zu altern, sehen alle gleichalt aus, was bei Ivan und Raja etwas seltsam wirkt. Auch als Kasumis Großvater Analyn wieder trifft ist diese äußerlich noch 19. Ein Rätsel ist mir, wie die beiden den Altersunterschied einfach ignorieren können und immer wenn beschrieben wurde, dass sie sich küssen, hatte ich etwas seltsame Vorstellungen im Kopf.
 
 
"Über dem Ufer lag ein feiner Nebelschleier und waberte schwarz um eine dort kauernde Gestalt, deren Haare weiß durch die Dunkelheit leuchteten. Wie in Zeitlupe bewegte sie sich, je näher Ivan und Kasumi dem See kamen. Es war Raja..."
 
 
Auf der Reise durch Axikon lernt man viele verschiedene neue Charaktere kennen. Manche sind recht flach gehalten, aber andere verzaubern dafür umso mehr. Sehr schillernd und verschieden wirken sie dennoch alle samt herzlich und hilfsbereit. Aber etwas mehr Zeit zum vorstellen hätte auch ihnen nicht geschadet.
 
 Das größte Problem des Romans ist meiner Meinung nach die fehlende Zeit, die die Autorin sich und den Charakteren lässt. Anders als beim ersten Buch, als mir der Grundverlauf der Geschichte recht bekannt erschien, trumpft dieser Teil mit vielen neuen Facetten, Überraschungen und Ideen auf. Der Autorin gelingt es immer wieder überraschende Wendungen einzubauen, die das Adrenalin in die Höhe schellen lassen und die Emotionen freilegen. Die Fantasy Elemente die mit eingewoben werden, sind sehr glaubhaft dargestellt und faszinieren auf sehr eindringliche Art und Weise. Interessant, spannend und absolut mitreißend wird das Abenteuer unserer Protagonisten geschildert und man kann gar nicht mehr aufhören zu lesen, ... aber! Vor allem die letzten 60 Seiten wirkten auf mich sehr gehetzt und viel zu schnell. Ich hatte Probleme alles nachzuvollziehen, so schnell veränderten sich die Personen, reisten von Axikon nach Köln, nach London, nach Axikon, auf verschiedene Inseln, auf die Spiegelinsel, wieder nach Köln, ... Wo blieb da die gestalterische und beschreibende Art der Autorin, die sich vor allem auf Gefühle und Atmosphäre konzentrierte? Wahrscheinlich war dieses Empfinden wohl der Tatsache geschuldet, dass ich zuvor ein sehr symbolreicher und tiefgreifender Fantasy-Epos gelesen habe, und so an langsame und detaillierte Entwicklungen gewohnt war. Natürlich hatte auch das rasende Tempo etwas für sich, doch ich hätte mir vielleicht 100 Seiten mehr gewünscht um die vielen Geschehnisse intensiver und näher erleben zu können.
 
 
"Ivan schloss die Augen. Das rauschen begann, Farben sausten an seinen geschlossenen lidern vorbei und kalte Luft raste über seine Haut. Die Zeit setzte aus. Alle Farben wurden zu einer. Es herrschte Rauschen, gefolgt von einer dröhnenden Stille."
 
 
Der Stil der Autorin bleibt sehr mitreißend, geballt und bildgewaltig, wobei ich letzteres vor allem gegen Ende hin etwas vermisst hatte. Sie schafft es auch durch die wechselnden Perspektiven ein umfassendes Bild zu gestalten und mit Fantasie zu füllen.
Was mir sehr gefallen hat, sind einzelne Überschneidungen mit dem ersten Teil. So erfährt man zum Beispiel, dass Lucija und Sander ihr erstes Kind erwarten und trifft den skandinavischen Heiler Are wieder.
 
 Das Ende hat mir in seiner temporeichen Art zwar recht gut gefallen, war aber etwas unübersichtlich. Auch der Epilog war für mich etwas verwirrend, doch es gibt ja noch einen weiteren Teil, der vielleicht einige Fragen zu den Mond- und Sonnenschwingen auflösen könnte, welche dieser Teil noch hinterlässt. Sehr gespannt werde ich an dieser Reihe dranbleiben und rate euch allen, dasselbe zu tun!
 
 
 
Fazit:
 
 
Lia Haycraft hat mit "Mondschwinge" eine fantastische und fesselnde Fortsetzung zu ihrer Paranormal Romance Reihe  geschaffen. Facettenreich, voll überraschender Wendungen und mit vielen faszinierenden neuen Ideen und Entwicklungen, hat mir das Buch besser als sein Vorgänger gefallen, hätte sich aber in der Erzählweise etwas mehr Zeit lassen können.
 
 
Vielen vielen Dank also an Lia Haycraft für das Rezensionsexemplar!!!


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen