Sonntag, 12. Juni 2016

Secrets - ich fühle

 

Allgemeines:

Titel: Secrets - ich fühle
Autor: Heather Anastasiu
Genre: Science-Fiction
ISBN: 978-3-641-11793-1
Preis: 8,99€ (Taschenbuch)
Weitere Bände: Secrets - ich lebe

 
Inhalt:
 

"Kann es ein Verbrechen sein, Gefühle zu haben?"

Wut, Enttäuschung, Schmerz – Gefühle drohten die Menschheit auszulöschen. Ein Chip befreit sie nun von ihren schädlichen Emotionen. Denn selbstständig zu fühlen ist einfach zu gefährlich. Das erfährt Zoe am eigenen Leib, als plötzlich eine Störung an ihrem Chip auftritt. Zum allerersten Mal entstehen in ihrem Kopf eigene Gedanken und unaufhaltsame Gefühle. Zoe muss dieses Geheimnis um jeden Preis bewahren; sollte es gelüftet werden, droht ihr die Auslöschung. Wie durch Zufall schafft es Zoe aber aus dem „Link“, wie die Verbindung von Chip zu Menschen genannt wird, auszubrechen. Immer öfter wird sie wieder menschlich, empfindet Gefühle, sieht Farben und nimmt Gerüche wahr. Vollkommen verwirrt trifft sie zum Glück auf einige Mitstreiter die wie sie „fühlen“.
Doch dann gerät ihr Chip derart außer Kontrolle, dass sie sich nicht länger verstecken kann und für ihr Leben und ihre Freiheit kämpfen muss.
 


Bewertung:
 
"Es war so schrecklich voll wie immer, doch die Menschen, die ein- und ausstiegen, bewegten sich geordnet, in perfekten Reihen, auf genügend Abstand achtend. Ordnung ist unsere Pflicht. Ordnung steht über allem."


Diese Dystopie schien von Beginn an voll und ganz meinen Geschmack zu treffen, doch umso tiefer man in das Leben und die Geschehnisse von der Hauptperson Zoe eintritt, umso seltsamer wird der Verlauf. Es gibt wirklich einige gute Ideen und Ansätze doch sie entwickeln sich fast alle enttäuschend und sind schlecht in die Tat umgesetzt.
Das Cover ist sehr hübsch: Eine junge Frau, präsent in den Vordergrund gestellt. Sie ist dem Leser abgewandt, sodass sie nicht nur über die Schulter schaut, sondern man als Leser auch den technischen Chip sieht, welcher im Nacken besonders stark auffällt. Durch diese Pose erkennt man das Gesicht der Figur, kommt nicht umhin ihn sogleich mit der Protagonistin in Verbindung zu bringen, was zwar eine Identifikation nach sich zieht, aber auch den Raum für die eigene Vorstellungskraft nimmt, was mich irgendwie gestört hat. Ich hätte mir Zoe ohne das Bild wohl etwa anderes vorgestellt. Die körnigen Einschübe auf dem Bild wirken im Vergleich zur makellosen Person wie Dreck, was einem ein wenig Interpretationsfreiheit lässt. Warum genau das Buch "Secrets" heißt, habe ich noch nicht so ganz verstanden. Natürlich hat sie ein gefährliches Geheimnis aber das ist meiner Meinung nach nicht der springende Punkt in der Handlung.
 

"Liebe sollte es nicht geben, aber sie existiert. Sie ist die größte Anomalie, manche würden sogar sagen, der größte Defekt der gesamten menschlichen Rasse. Aber sie ist auch die wunderbarste Anomalie, das habe ich inzwischen begriffen!"

 
Man erfährt von Anfang an nur sehr wenig über die Hauptpersonen und da sie kaum Gefühle und somit Charakter haben, genügen die einzelnen Details und mal eine vereinzelte individuelle Eigenschaft nicht aus, um die Personen für mich authentisch und sympathisch  zu machen. Natürlich muss das so sein, da Gefühle verboten und selten sind, doch so blasse Charaktere waren für die Spannung des Buches, die Grundentwicklung und meine Leselust natürlich nicht gerade förderlich.


"Ich war eine Anomalie, eine Gefahr für die Gemeinschaft."


Zoe ist eigentlich ein starkes und mutiges Mädchen. Sie will nicht in ihr "Zombie-Leben" zurückkehren. Sie will etwas ändern. Sie ist ein sehr guter Mensch und will nicht nur Freiheit für sich, sondern für alle. Doch leider macht sie genau das nicht! In Secrets - ich fühle ist der Titel Programm. Die Hauptprotagonistin fühlt, fühlt und fühlt. Und fühlt... Anstelle über die Dinge in der Dystopie näher nachzudenken, bleibt sie lieber gefangen in ihren Gefühlen, die sich vor allem mit der Liebe beschäftigen, die sie und auch uns so sehr verwirrt, dass sie bald zwischen zwei Männern sitzt und sich nicht entscheiden kann genau wie wir uns überlegen das Buch wegzulegen oder uns weiter zu kämpfen. Sie registriert die Missstände in der Gesellschaft aber beschäftigt sich nur mit sich selbst und ihren Empfindungen sodass kaum etwas passiert in den gut 416 Seiten.


"Ich muss also verdammt noch mal daran glauben, dass die Welt auch anders sein könnte. Dass wir sicher sein könnten und … frei."


Ja und nach solchen Sätzen, musste ich verdammt noch mal daran glauben, dass aus diesem Buch noch etwas richtig Gutes werden konnte. Das Potential zu einer phänomenalen Dystopie ist reichlich vorhanden, aber die Autorin hat es leider nicht geschafft dieses aufzugreifen und umzusetzen.
Spannende und wirklich interessante Szenen empfand ich als abgehackt und ich hätte mir gewünscht mehr darüber zu erfahren, im Gegensatz zu weniger interessanten Sequenzen, die von der Autorin wirklich ins extremste in die Länge gezogen wurde. Es ist nämlich eigentlich schön mit Zoe, ihre Gefühle zum ersten Mal zu erleben. Manche kann sie gar nicht benennen. Sie ist überwältigt, da sie nicht mit Gefühlen aufgewachsen ist. Leider ist es auf Dauer extrem langweilig das nichts passiert als das sie überlegt, was sie fühlt, was sie fühlen darf oder muss oder was weiß ich. Sie sieht ziemlich viel durch eine rosarote Brille, redet sich einiges schön und ist oft naiv.


"Ich hatte in den Archiven so vieles Verwirrende über Emotionen gelesen, aber Liebe war das verwirrendste Gefühl überhaupt."

Und in diesem Buch ist es wirklich verwirrend, denn es gibt da noch Adrien und Max. Die beiden sind Freunde und helfen Zoe gemeinsam. Adrien ist ein Rebell. Er ist willensstark, kämpferisch und für die Menschen, die er liebt, ist er bereit alles zu tun. Er lässt sich nicht unterkriegen wirkt dabei aber eher stur als stark.
Max ist ebenfalls ein Rebell und arbeitet mit Adrien zusammen. Seine exzentrische Art, seinen Willen um jeden Preis durchsetzen zu müssen machen ihn aber nicht sonderlich sympathisch. Da nutzen auch keine "lichten" Momente um ihn netter zu machen. Ich wusste irgendwie von Anfang an nicht so recht, was ich von den beiden halten sollte. Sie sollten natürlich das obligatorische Liebesdreieck darstellen doch ich fand die Auswahl, die Zoe da hatte nicht sehr ansprechend. Max konnte ich nicht wirklich leiden und Adrien soll zwar als der geheimnisvolle Fremde rüberkommen, ist aber in seiner Rolle eher eine Lachnummer. Insgesamt fand ich, dass die Charaktere wirklich mehr Tiefgang hätten haben können.

Die Welt in der Zoe und ihre Freunde leben ist grundsätzlich interessant und auch gut beschrieben wobei sich diese zum Teil technischen Erläuterungen wie Kaugummi ziehen und sehr die kaum vorhandene Spannung nehmen. Heather Anastasiu hat einen sehr beschreibenden Stil. Auch die Gefühle, die er Hauptprotagonistin manchmal noch fremd sind, beschreibt sie in all ihrer Fülle. Für mich manchmal zu viel, da sie durch diese Fixierung das aus den Augen verliert, was wirklich interessant ist. Die Idee mit dem "Link" finde ich zwar super, sie wurde aber nicht so gut beschrieben und hatte nicht so viel Relevanz, wie ich gehofft hatte. Zoe lebt mit dem übrig gebliebenen Rest der Menschheit in unterirdischen Einrichtungen und Städten, da die Oberfläche nach einem verheerenden Krieg zerstört worden ist und unbewohnbar zurückgelassen werden musste. Um so ein Ereignis zukünftig zu vermeiden, wurde jedem noch lebenden Menschen ein Chip implantiert, der die Menschen zu einer gehorsamen “grauen Suppe” aus gleichgepolten und nicht mehr selbst denkenden Personen macht. Doch Zoe gelingt es auf unerklärliche Weise, dieser durch den Chip initiierten Verbindung, dem sogenannten Link, zu entkommen, wodurch sie die ganze Situation immer weiter hinterfragt und auf viele unerwartete Ereignisse trifft, die sie für unmöglich gehalten hat.


"Die Verbindung in der Gemeinschaft bedeutet Frieden. Wir sind eine höhere Stufe der Menschheit, denn wir leben in der Gemeinschaft und betrachten Ordnung, Logik und Frieden als unser höchstes Gut. Gemeinschaft ist unserer Pflicht, Gemeinschaft steht über allem!"


Die Handlung an sich hat auch sehr realistische Ansätze, welche mich oft zum Nachdenken animierten, wie es vielleicht in der Entwicklungsphase der Technologie und unserer Gesellschaft früher oder später weiter gehen wird mit uns Menschen.


Abgesehen davon, das es zahlreiche Drehungen und Wendungen in dem Buch gibt, ist nur einzig der Anfang spannend und interessant. Man steigt gleich in die Handlung ein und es wird alles lang und breit erklärt, so das es einem nicht schwer fällt, dem Plot zu folgen, der sich schon am Anfang leicht dahin schleppt. Leider ziehen einzelne Passagen im mittleren Buchteil die Handlung unnötig in die Länge und man muss sich fast zwingen weiterzulesen. Erst am Schluss nimmt das Buch Fahrt auf und es geht Schlag auf Schlag weiter. Das Ende hat mich dann noch einmal wirklich beeindruckt da es einfach so unvorhergesehen kam und ich musste meine Meinung zu dem Buch noch einmal etwas überdenken.

Bleibe ich an der Trilogie dran?
- Schwer zu sagen. Aufgrund des Endes kann man vielleicht vorhersehen, dass sich Band 2 in der oberen Welt abspielen wird. Aber das ist ungewiss! Deshalb lasse ich wenn es soweit ist mein Bauchgefühl entscheiden.


Fazit:
 
Heather Anastasiu hat mit „Secrets – Ich fühle“ eine gute Idee gehabt. Doch leider konnte mich die Umsetzung nicht überzeugen. Zwar haben wir einen spannenden Anfang und auch das Ende spricht für sich, doch leider konnte das mit dem langatmigen Mittelteil und den blassen Charakteren nicht viel rausreißen. Ganz okay, aber leider in meinen Augen nicht mehr, zum Glück sind die Geschmäcker aber verschieden und ich habe auch viele positive Bewertungen gesehen.
 


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