Sonntag, 17. Juli 2016

Elfenfehde - Zweimal im Leben




Allgemeines:

Titel: Elfenfehde - Zweimal im Leben
Autorin: Mariella Heyd
Verlag: Zeilengoldverlag (2016)
Genre: Fantasy
ISBN: 978-1535118903
Seitenzahl: 350 Seiten
Weitere Bände: Elfenfehde - Drei ist einer zu viel
Preis: 8,99 € (Taschenbuch)



Inhalt:
"Geh", sagte Zerdon und schob mich in Richtung Pforte, während sein Blick noch einige Sekunden lang an der Spur des dunkle Blutes haftete..."
Verantwortlich für einen zerstörerischen Meteoriteneinschlag?

Feodora kann die Worte des unglaublich gutaussehenden Fremden Zerdon nicht glauben, der nach der Katastrophe in ihrem Versteck auftaucht und behauptet, dass sie für das Chaos in zwei Welten verantwortlich sein soll. Angeblich stammt Feodora aus der fantasievollen Anderswelt und ist von dort geflohen, um einem mächtigen Dunkelelf Arawn zu entkommen. Ihre einzige Chance, die Welten zu retten, besteht darin, in die Anderswelt zurückzukehren und ihn zu töten.
 Doch kann sie das überhaupt...





Bewertung:


"Die Musik schwoll an und aus dem Lachen wurde ein Kreischen, schrill und boshaft. Ich wurde im Kreis gedreht und sekündlich an einen anderen Partner weitergereicht. Ich fühlte mich, als wäre ich inmitten einer Orgie gelandet..."


Zu aller erst möchte ich hier ein riesiges "Dankeschön"! an die Autorin aussprechen, dass sie uns ihr unglaubliches Buch als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat!!!

Ja und dann muss ich das Cover loben. Es ist ansprechen gestaltet und wunderbar ausgearbeitet, auch wenn ich mir die beiden etwas anders vorstelle. Auch die Darstellung innerhalb des Buches war super! Die Kapitel sind sehr lang und innerhalb dessen immer in kleinere Abschnitte geteilt. Auch innerhalb dieser Abschnitte gibt es noch sehr viele kleine Absätze, was mich am Anfang etwas verwirrt, den Lesefluss aber nicht gestört hat.


Das Buch war auch abseits von allem ästhetischen eine positive Überraschung. Zu Beginn hatte ich noch einige wenige Zweifel. Man erfährt zuerst leider sehr wenig über Feo, ihr Aussehen zum Beispiel wird erst in der Mitte des Buches in einem Nebensatz kurz erwähnt. Das hat leider dazu geführt, dass ich sie mir dunkelhaarig vorstellte und eigentlich ist sie blond. Leider bin ich beim Lesen auch nie auf ihr Alter gestoßen. Sie hat Prüfungen und einen Führerschein also etwa 17 oder 18 Jahre. Ohne erst einmal ihre Familie oder ihren besten Freund kennenzulernen beginnt schon der Plot mit dem Unglück. Man wird ziemlich schnell in ihr Leben geworfen und nach dem Meteoriteneinschlag ist sie kaum bestürzt, dass sie scheinbar die einzige Überlebende ist?? Um noch gleich meine Kritik hinter mich zu bringen bevor ich mit den Lobeshymnen beginne, muss ich noch leider sagen, dass es mehrere kleine Logikfehlerchen gab, doch das haben selbst die "ganz großen"...
 Ich habe also etwas gebraucht um in das Buch einzusteigen, doch als Feo dann mit Zerdon in die "Anderswelt" reist, beginnt das Buch seine Stärken zu zeigen.

 Trotz das es ein Indie-Buch ist, wirkt der Schreibstil sehr erfahren. Feos Gedanken wirken locker und authentisch, wie man es von einer Jugendlichen erwartet und man darf auch des Öfteren schmunzeln. Das Land  "Tír na nóg" wird durch viele kleiner liebevolle Details lebendig gemacht und ausgeschmückt. Von seiner Geschichte, den Bräuchen bis zu den verschiedenen interessanten Einwohnern erfährt man viel, aber nicht alles darüber, was die Geschichte nicht zu überladen aussehen lässt. Meiner Meinung nach ist die Gewichtung perfekt gewählt. Es stört mich oft an sehr umfassenden Fantasy-Wälzern, das vor lauter Details und Informationen etwas die Handlung und somit auch die Spannung leidet. Mit seinen 350 Seiten ist das Buch angenehm lesbar und lässt genug Zeit, die Charakter kennenzulernen.
Trotz am Anfang apokalyptisch angehauchter Szenerie außerhalb der Bibliothek nach dem vermeintlichen Meteoriteneinschlag schafft die Autorin eine gemütliche und geborgene Atmosphäre für die Hauptfigur, als sie sich zwischen ihren Büchern verkriecht. Das hat in mir irgendwie automatisch auch den Wunsch geweckt, ebenfalls in einer Bibliothek verschüttet zu sein. Auch der Bezug zu Fantasy - Büchern, welcher mehrmals aufgegriffen wurde, hat mich als begeisterte Leserin sehr angesprochen. Auch ich habe mir wie Feo als Kind immer gewünscht -und tue es auch heute noch- in meine wundervollen Bücher- und Sagenwelten eintauchen zu dürfen.


"Hinter der hölzernen Eingangstür hörten wir ein leises Kratzen, das durch alle Gänge und Zimmer kroch. Auch das schrille Quietschen von Fingernägeln auf Glas glaubte ich zu hören..."


Mariella Heyd schafft es, ohne lange umschweifende Beschreibungen eine gewissen Grundspannung zu erzeugen. Es gab einige wirklich spannende Stellen, bei denen es einem kalt den Rücken hinunterlief und man absolut nicht einschätzen konnte, was jetzt passieren würde, jedoch leider aber auch wenige andere, bei denen ich mir noch ein kleines bisschen mehr Gänsehaut- und Gruselfeeling gewünscht hätte. Diese Stellen sind zwar potenziell sehr spannend konstruiert, die Problematik hat sich aber immer ganz schnell wie von selbst aufgelöst.


Die Geschichte wird von Feodora - sie heißt in der "Anderswelt" Ora -  aus der Ich-Perspektive erzählt. Sie ist ein selbstbewusstes, sarkastisches Mädchen, das alles was mit Märchen, Mythen oder Sagen zu tun hat absolut liebt. Man erfährt, dass sie eigentlich eine Halbelfe ist und aus "Anderswelt" stammt. Mit ihrer selbstständigen und witzigen Art hat sie mir sehr gefallen.


"Mir musste niemand etwas vormachen: In Serien folgte auf solche Katastrophen immer eine Zombieapokalypse!"

Zwischen den beiden männlichen Hauptcharakteren konnte ich mich irgendwie nicht so ganz entscheiden. Ihr Wächter oder Beschützer Zerdon wirkt auf mich von Anfang an durch seine eher impulsive Art und seine sich schlagartig ändernde Laune irgendwie etwas kindisch und nicht so, also ob er es wirklich ernst mit Feo meint. Natürlich wirkt er etwas geheimnisvoll aber man weiß nicht so recht, was man von ihm halten soll. Arawn, der Böse, hingegen kommt viel erwachsener und ernsthafter rüber. Er wirkt auf elegante und charmante Weise Intelligent, wenn er zum Beispiel malt, Klavier spielt oder Othello zitiert. Er zeigt Feodora seine Gefühle und Absichten ganz klar von Anfang an, ob diese aber über seine dunkle Seite siegen, bleibt erstmal unklar. Die beiden Persönlichkeiten haben alle ihre Schwächen und Stärken, die sie menschlich erscheinen lassen. Also alles erstmal schön und gut - das Problem ist nur: Er will die Erde und Anderswelt zerstören und Feo muss ihn töten! Dann stellt man sich natürlich die Frage, ob er wirklich so böse ist, wie alle behaupten oder ob in Wirklichkeit Zerdon aus Eifersucht gehandelt hat.


"Hast du Angst im Dunkeln?"
Seine Frage riss mich aus meinen Gedanken. Ich schüttelte den Kopf. (...)
"Gut - denn ich bin die Dunkelheit."


Die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen in diesem Buch sehr leicht und verändern sich immer wieder. Als Feo beispielsweise dem Nachtalb Mahren begegnet, einem eigentlich bösen Nachtgeschöpf, das von den Ängsten anderer lebt, entpuppt dieser sich als Retter in der Not. Mit dem humorvollen Witz seiner anzüglichen Späße, ist er mir trotz kurzem Auftritt in Erinnerung geblieben.
Wer außerdem noch sehr interessant gestaltete Charakter sind, sind die vier Zauberer, die das Gift für Arawn brauen. Die Brüder könnten unterschiedlicher nicht sein, in Absichten, Aussehen und Charakter und doch geben sie dem Plot einen wirklich magischen Flair. Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht zu den Charakter sagen, als: Sie sind super!!!


Das Ende kommt dann sehr überraschend und ist noch einmal sehr schön gestaltet. Einen kleinen Moment schafft es die Autorin, einen an dem ganzen Buch zweifeln zu lassen, ob nicht doch alles nur ein Traum war, was mich wirklich - positiv - geschockt hat. Der letzte Satz kann auch noch als Andeutung verstanden werden und lässt auf einen zweiten Teil hoffen.  Ich würde mir auf jeden Fall noch ein Buch von Mariella Heyd kaufen!


Fazit:

Trotz einiger klitzekleinen Schwächen ein absolut tolles Fantasy-Buch mit vielen interessanten Charakteren in einer gutausgearbeiteten Welt.
Für Freunde und Kenner von irisch/keltischen Mythen, ist das Buch besonders interessant, da viele Figuren, Geschöpfe und Pflanzen daraus tatsächlich in dem Buch vorkommen. Wer nicht, lernt sie eben kennen, denn das ist definitiv eine Bereicherung!


(Bildquelle: Zeilengold)

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