Montag, 25. Juli 2016

Viren schlafen nicht

 
 
Allgemeines:
 
Titel: Viren schlafen nicht
Autor: Alex Bensson
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform (28. April 2016)
Genre: Thriller, Krimi
ISBN: 978-1532824111
Seitenzahl: 300 Seiten
Preis: 9,99€ (Taschenbuch)
2,99€ (E-Book)
 
 
Inhalt:
 
 
"Das Leben ist süß, der Tod ist es nicht. Mache dir das Leben so süß es geht, damit Du dem Tod widerstehst!"
 
Plötzlich taucht es aus dem Nichts auf: ein mysteriöses, bisher unbekanntes Virus. Der alte Wissenschaftler Professor Löwenstein hat es in seinem Labor entdeckt, zugeschickt von einem unbekannten Absender. Der englische Geheimdienst MI6 beauftragt den jungen Lord Lucius Bromley, der Spur des gefährlichen Virus zu folgen. Doch alle, die mit dem hochansteckenden Virus in Berührung kommen, sterben unaufhaltsam. Und aus jeder brauchbaren Fährte wird eine Falle.
Unterstützt von seinem Team und Claire Hansen, einer deutschen Ärztin und Biologin, jagt Lord Bromley das tödliche Virus quer durch Europa. Wohin sie sich auch wenden, überall stoßen sie auf unüberwindliche Hindernisse, während sich das gefährliche neue Virus rasant ausbreitet. Aus einem gewöhnlichen Auftrag wird innerhalb kürzester Zeit ein Kampf auf Leben und Tod. Das Geheimnis des Virus zu entschlüsseln ist die einzige Chance zu überleben. Lord Bromley muss sofort handeln – die Zeit verrinnt.
Denn die Viren schlafen nicht...
 
 
 
Bewertung:
 
"Langsam, fast behutsam strich er über das Gesicht der Frau.
"Keine Angst", sagte er. "Es tut nicht weh. Das andere war viel schlimmer."
Ihre Augenlieder flackerten im Schlaf.
"Ruhe sanft!"
 
Ich habe das Buch als E-Book ohne Farbe gelesen und war deshalb von den Farben überrascht als ich es das erste Mal sah. Das grelle Gelb auf dem Schwarz wirkt wie eine Art Warnung und erzeugt gleich einen gefährlichen Eindruck, was wirklich sehr passend ist. Eine der stachelballartigen Viren wie sie auch auf dem Cover zusehen sind, ziert immer den Anfang eines neuen Abschnittes. Denn das Buch ist nicht in Kapitel eingeteilt, sondern in Tage, während denen immer wieder die Schauplätze und Uhrzeiten wechseln. Das Design des Buches ist also sehr ansprechend und vor allem passend gestaltet.
 
Wie ich eben schon sagte, wechseln die Schauplätze im Schnitt etwa über fünfzehn Mal in einem Kapitel. Rechts oben steht immer der Ort, Tag und Ortszeit angegeben um dem Leser etwas Orientierung zu ermöglichen. Die einzelnen Abschnitte sind dabei unglaublich kurz, sodass man praktisch in Höchsttempo durch die ganze Welt zu den verschiedensten Personen in den unterschiedlichsten Situationen gejagt wird. Alex Bensson schafft es dabei, die allgemeine Situation aus den abgefahrensten Sichtweisen zu erzählen, sodass ein allübergreifenden Überblick geschaffen wird und man gleichzeitig trotzdem nicht schlauer wird. Geradezu meisterhaft versteht der Autor es, die vielen verschiedenen Namen und Charakter sofort in den ersten Sätzen mit einer Situation, Eigenschaften, Gefühlen oder Zielen so geschickt zu verknüpfen, dass man sie alle als eigenständige Charakter in Erinnerung hat und nicht durcheinanderbringt. Es ist wirklich unglaublich, wie es der Autor schafft in wenigen Sätzen oder Seiten einen komplexen Charakter zu schaffen mit einer Geschichte, Gefühlen, Ängsten, Hoffnungen, Vergangenheit, Familie, Freunden und andere kleinen Details, die sie einzigartig machen. Allein "Ellen" und "Elke" waren mir in der Flut aus Namen doch etwas zu ähnlich, sodass ich erstmal etwas verwirrt war.

 
"Seine Augen lagen in tiefen dunkelvioletten Höhlen, aus seinem rechten Augenwinkel rann ein dünnes Rinnsal Blut. Seine Arme und Hände, die au der Bettdecke lagen, waren von Handteller großen blauen Flecken übersät.
"Ted!", schrie Monika.
Doch er zuckte nur kurz, schlug aber die Augen nicht auf..."

 
Zu Beginn war es etwas gewöhnungsbedürftig, so von einem zum nächsten zu springen und ich konnte keine wirkliche Verbindung zwischen den einzelnen Personen
erkennen, doch am Ende werden wie bei einem Teppich alle Handlungsstränge kunstvoll ineinander gewoben, sodass plötzlich alles Sinn ergab. Der sonstige Schreibstil war auf jeden Fall angenehm zu lesen, ohne viele komplizierte und verschachtelten Sätzen. Ich muss zugeben, dass ich mich gar nicht genauer dazu äußern kann, da ich mich viel mehr auf die Handlung konzentriert hatte und ganz im Plot versunken war. Zusammen mit den Ermittlern geht man auf die abenteuerliche Reise auf der Suche nach der Wahrheit. Trotz dass man viele zusätzliche Informationen erhält, die sie nicht wissen, geht einem immer in genau den richtigen Momenten ein Lichtlein auf. Wenn das Buch also eines nicht ist, dann durchsichtig!
Die vielen kleinen "Aha-Momente", in denen mein Atem kurz stockte und ich nicht glauben konnte, was mir gerade eingefallen war, haben das Buch für mich zu etwas ganz besonderem gemacht.

 
"Als er die Intensivstation verließ betete er stumm, ohne die Lippen zu bewegen:
...und vergib und unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern..."

 
Und ein zusätzlicher Vorteil hat das Buch ebenfalls: Man lernt eine Menge über Viren, Ärzte, Wunden und Gene im Allgemeinen! Man merkt, dass der Verfasser absolut vom Fach ist, denn die vielen Informationen, mit denen das Buch gespickt ist, sind nachvollziehbar, auf hohem Niveau und korrekt -soweit ich das sagen kann. Doch bevor sich jetzt jemand davon abschrecken lässt: Da die Ermittler selbst keine Ahnung von Molekularbiologie haben erklärt Claire es ihnen ganz langsam und absolut gut zu verstehen. Man sollte aber dennoch etwas an Grundwissen und auch Interesse mitbringen. Man muss kein besonderes Wissen haben um es verstehen zu können, aber was genau eine Zelle oder das Immunsystem ist, sollte man schon verstanden haben. Und wer jetzt immer noch skeptisch ist: ICH habe es verstanden, das sagt ja wohl alles aus ;) .

 
"Die Viren schlafen also in der Wirtszelle?"
"Ich würde es eher ruhen nennen. Viren schlafen nicht!"

 
Über die Spannung muss ich glaube ich gar nicht viel sagen. Durch die schnellen Wechsel der Perspektiven und die vielen Berichte aus der Sicht der Erkrankten entsteht eine gehetzte Stimmung und die katastrophale Wirkung des Virus entgleist langsam wie die Spannung auch. Gerade weil das Gedankenspiel, ein gefährlicher neuer Virus könnte die Weltbevölkerung auslöschen, alles andere als weit hergeholt ist, kann man das Ende kaum erwarten. Man bangt mit dem Ermittlerteam und hofft, auf die schlussendliche Rettung der Welt. Innerhalb von einem Tag hatte ich die 300 Seiten durch. Ich konnte es kaum aus der Hand legen. Und so kann ich mir gutem Gewissen sagen, das es dieser Thriller locker mit Illuminati, 007 oder anderen Hochkarätern aufnehmen kann.

 
"Sie war so müde, so schwer. Zu schwer.
Auf einmal wollte sie auch nicht mehr. Es war ihr egal, dass sie in ihrem dünnen Nachthemd auf dem kalten Boden lag. Sie spürte auch keine Schmerzen. Nur eine unendliche, bleierne Müdigkeit."

 
Die Charakter sind nicht leicht aufzuzählen, weil eigentlich alle nennenswert sind. Mein Lieblingscharakter ist die junge Gynäkologin Claire Hansen aus Deutschland. Die hübsche Frau mit den roten Haaren ist eine ehemalige Schülerin von Professor Löwenstein, welcher das Virus untersuchte, dann aber plötzlich verstirbt. Sie wird vom MI6 angeheuert um dem bunten Ermittlerteam mit Fachkenntnissen und Informationen über ihren toten Lehrer zur Seite zu stehen.

 
"Sie spürte Panik in sich aufsteigen. Sie würde hier nicht herauskommen.
Zumindest nicht lebend!"

 
Dann ist da natürlich Lucius (Lucius Arthur Brandon Nevis-Mayfield, Lord Bromley). Er ist eigentlich der perfekte Agent: intelligent, gutaussehend, aufmerksam, charismatisch, reich und mit vielen guten Beziehungen in die ganze Welt. Ob dieser rein äußerliche Eindruck auch wirklich auf seinen Charakter zutrifft, lässt sich nicht genau sagen, da neben der Handlung und den vielen weiteren Persönlichkeiten nicht sooo genau auf ihn eingegangen wird. Doch wie das Cover und auch das Ende hoffen lassen, wird es vielleicht weitere Teile mit Lord Bromley geben...
 
Mit in dem Team sind dann noch Alexej, der verlässliche Computerspezialist, der sich überall hineinhacken kann aber schon beim geringsten Tropfen Blut kollabiert und allgemeingesagt leicht freakig wirkt; die wunderschöne aber vollkommen uneitele Uriela, die eine erfolgreiche Karriere als Kunstdiebin hinter sich hat; der etwas barsche aber immer topfitte Superagent Michael; sein sympathischer Bruder Raphael und zuletzt -der älteste im Team- Gabriel, der eigentlich alles kann, von Hubschrauber fliegen, über Taschendiebstal bis zu dem Einsatz von Trojanern.
Wie alle anderen auch werden diese fünf im Schnelldurchlauf charakterisiert, bleiben aber eindeutig hängen. Sie sind alle etwas speziell aber absolut liebenswert!

 
"Wir tun alle, was wir können", sagte Alexej.
"Ich weiß", sagte Lucius.
"Ich hoffe, das reicht", dachte er im Stillen.
Er hatte die Besten der Besten um sich versammelt und jetzt mussten sie eben beweisen, was sie konnten."

 
Natürlich ist da noch DER Böse! Ich hatte bis zu den letzten Seiten keine Ahnung, wer hinter all dem stecken sollte, doch als es dann herauskam war es als wäre das letzte Puzzleteil an seinen Platz gerückt worden und mir wurde plötzlich alles klar. Diese Identität ist es, was alle Handlungsstränge miteinander verbindet und als ich es plötzlich wusste, wäre ich fast durchgedreht. Sehr schön finde ich aber, dass auch kurz in das Leben des "Bösen" ein geblickt wird und man seine Sicht durchaus nachvollziehen kann. Deshalb habe ich auch das "Böse" in Anführungszeichen gesetzt, denn wie auch in anderen guten Büchern verschwimmt die Grenze zwischen gut und böse leicht. Es wird das Phänomen der "Mitläufer" aufgezeigt, das der Rebellen, die sich wehren und für ihren Widerstand büßen müssen und einfache leicht beschränkte Marionetten, die einfach kopflos Befehle ausführen.

 
"Genieß die letzten Stunden, die Dir noch bleiben. Wir werden uns nicht mehr sehen.
Aber sei gewiss, ich genieße meinen Triumph. (...)
Er ließ den Hörer fallen. Das Grauen breitete sich auf seinem Gesicht aus."

 
Ja und wenn man dann alles einigermaßen verstanden hat, dann kommt nach einem epischen und spannendem Finale das Ende!
Schonungslos und geradezu grausam offen wird es gelassen und lässt mich auf einen baldigen weiteren Teil hoffen. Die Handlung und das "Virenproblem" ist zwar komplett in sich abgeschlossen, doch was genau mit den Hauptpersonen passiert, bliebt komplett unklar!
 

 
Fazit:
 
Von diesem Buch kann ich getrost sagen, es ist einer der besten Thriller, den ich jemals gelesen habe!!!
Die Art der Erzählung mit den wechselnden Perspektiven hat mich komplett überzeugt, die Charakter begeistert, das Wissen belehrt und die Spannung wuchs immer weiter ins Unermessliche!
Als ich zu Ende gelesen hatte, dachte ich einfach nur: WOW!
Und das ist es, was ein Buch wirklich ausmacht, oder nicht?


Also vielen vielen Dank an Alex Bensson, der so freundlich war, uns sein Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung zu stellen! ;)
 
(Bildquelle: alexbensson.de)

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