Sonntag, 10. Juli 2016

Isegrim


Allgemeines:

Titel: Isegrim
Autorin: Antje Babendererde
Verlag: Arena (2013)
Genre: Thriller
ISBN: 978-3401067537
Seitenzahl: 416 Seiten
Preis: 16,99€ (gebundene Ausgabe)
12,99€ (broschiert)
Inhalt:

Ein ungesühntes Verbrechen. Ein düsteres Geheimnis. Und ein Mädchen, das nicht bereit ist, wegzusehen.

Der Wald ist Jolas Refugium. Hier kennt sie jeden Winkel, jeden Baum, jedes Tier. Hier ist sie weit weg von ihrer überängstlichen Mutter, der Langeweile in ihrem kleinen Heimatdorf Altenwinkel im Thüringer Wald und dem besitzergreifenden Freund Kai. Doch in der letzten Zeit gehen Veränderungen im Wald vor sich.
Irgendetwas oder irgendjemand treibt hier sein Unwesen, beobachtet sie, folgt ihr. Als sie mit ein paar Klassenkameraden für ihre Seminarfacharbeit auf einen ungelösten Kriminalfall aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs stößt, der sich mitten in Altenwinkel zugetragen hat, sieht sie sich plötzlich den Anfeindungen einiger Dorfbewohner ausgesetzt. Und dann taucht plötzlich Olek mitten im Wald auf, ein Junge voller Geheimnisse. Als Jola auf einen fremden Jungen trifft, der sie seltsam fasziniert, scheint das Rätsel gelöst. Das Unglaubliche: Gefolgt ist ihm eine Wölfin, die sich unbemerkt im militärischen Sperrgebiet angesiedelt hat. Noch während Jola versucht, mehr über Oleks Identität herauszufinden und zur gleichen Zeit den zugezogenen Wolf vor den Dörflern geheim zu halten, fühlt sie sich mehr und mehr verfolgt. Fast zu spät erkennt sie, dass sich ein gewisses Muster zu wiederholen scheint, das vor fünf Jahren zum Verschwinden ihrer besten Freundin geführt hat...


Bewertung:

Das Cover wäre ein großes Pro-Argument für einen Kauf. Diese auf alt gemachte Gestaltung mit dem zerknittert aussehenden Rand passt außerdem perfekt zum Inhalt. Genau wie der Wolf, der da so schön vorne drauf prangt und mit Ranken und Farnen gefüllt ist.
Der Titel "Isegrim" passt ebenfalls sehr gut. Er findet im Inhalt auch mehrmals Bezug und die eigentliche Bedeutung ist ja nun mal "Wolf". Und mit der Signalfarbe rot, passt er da sehr schön auf das Cover.
Da ist es endlich – Antje Babendererdes heißersehntes neues Buch, und diesmal ganz ohne Indianer. Statt in die USA nimmt sie uns diesmal mit in den Thüringer Wald, in das fiktive Dörfchen Altenwinkel, nicht mehr als eine Ansammlung von sechzig Häusern, in denen jeder jeden kennt und sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Eine “Scheißidylle”, wie Jolas Freundin Sassy sagte.
Sehr lebendig beschreibt Antje Babendererde die Einwohner des Dorfes. Ich mochte es, wie sie die unterschiedlichen Charaktere mit Macken, Liebenswürdigkeiten und auch unangenehmen und dunklen Seiten ausstattet. Besonders gefallen hat mir Protagonistin Jola, die mit ihrer Vielschichtigkeit zu einem ganz besonderen Charakter wird. Die schwierige Beziehung zwischen Jola und Kai kommt zum Tragen, ebenso Jolas Probleme mit ihrer angstgestörten Mutter und die Zuflucht, die sie bei ihrer im Gegensatz zu ihr, viel lockeren Tante findet. Im Wald geht sie ihren Gedanken nach und es scheint, als flüchte sie sich dort vor all den Problemen in ihre eigene Welt. Der Wald, in dem Jola umherstromert, steigt mit einer Vielzahl von Farben und Gerüchen aus den Seiten des Buches auf. Die Tiere und Pflanzen sind mit einer wunderbaren Fantasie und mit viel Liebe zum Detail beschrieben worden, dass man wirklich Lust auf einen Waldspaziergang bekommt.


 „Ich liebe den Wald zu jeder Tageszeit, ob Frühling, Sommer, Herbst oder Winter. Hier bin ich ein Teil dessen, was mich umgibt: ein Baum, ein Grashalm, ein Vogel, ein Schmetterling. Ich atme den würzigen Duft der Kiefernnadeln und fühle mich herrlich leicht. Das ist der Moment, nach dem ich mich den ganzen Tag gesehnt habe.“


Antje Babendererde hat einen ruhigen, unverwechselbaren Schreibstil, den ich schon aus anderen Werken von ihr kenne. Trotz einfacher Sprache nimmt die Geschichte mich mit detaillierten Beschreibungen und einem gewissen Wortwitz gefangen. Sie muss nicht aus Wortgewalt oder spektakuläre Szenarien zurückgreifen, sie schafft es den Leser durch Tiefsinn und gezielt gesetzte Wörter oder Sätze den Leser in ihren Bann zu ziehen, sodass die Geschichte viel Emotionalität besitzt und den Leser berührt.

Die Spannung, die mich beim Lesen an die Seiten geklebt und bis zum Ende nicht losgelassen hat, ensteht anfänglich nicht einmal durch die kriminalistische Handlung, denn die baut sich erst langsam auf. Es sind die komplexen Charaktere, ihre Hoffnungen, Ängste und Geheimnisse und ihre Beziehungen zueinander, die “Isegrim” so bildhaft und realistisch machen. Zwischen durch darf man sich auch mal fragen, ob es bei einem Thriller bleibt oder das Buch nicht doch noch einen kleinen Abstecher hinüber in den Bereich Mysterie/Fantasie macht.


Ein weiteres Thema, das behandelt wird, ist die Rückkehr des Wolfes in die deutschen Wälder. Im Buch wird mehr als deutlich, welche Argumente die verschiedenen Fraktionen -Befürworter und Wolfs-Gegner - vertreten und welche Ängste die Bevölkerung noch immer vor diesen faszinierenden Tieren hegt.
Da ich selbst ein großer "Wolfs-Fan" bin und weiß, mit welchen Schauermärchen vorallem Jäger, Schafzüchter oder Hühnerstallbesitzer gegen die Ansiedlung der Wölfe angehen, finde ich es umso lobenswerter, dass die Autorin diesen Aspekt in ihrem Buch behandelt.

Der Leser wird nach Strich und Faden an der Nase herumgeführt, ebenso wie Jola weiß man nicht mehr, wem zu trauen ist, alles scheint verdächtig, die Beklemmung nimmt stetig zu. Erstaunlich ist auch, mit wie viel Raffinesse Antje Babendererde es schafft, die verschiedenen - zunächst nur nebeneinander herlaufenden - Handlungsstränge gekonnt miteinander zu verweben, um schließlich in einem unerwarteten, komplexen und schockierenden Finale zu enden.


Eine echte Empfehlung für alle, die Lust auf einen atmosphärischen Psycho-Thriller und einen Hauch Märchen, gepaart mit einer geheimnisvollen Liebesgeschichte und interessanten Hintergrundinformationen zum König des Waldes haben. "Aaaahuuuuuu!"


Fazit:

Antje Babendererde ist mit “Isegrim” das Kunststück gelungen, ein dunkles Waldmärchen, eine geheimnisvolle Liebesgeschichte und einen psychologisch dichten Thriller zu vereinen. Ein Wald aus Geheimnissen, ein Dorf voller Lügen und ein Mädchen, dass nicht wegsehen will. Eine wunderbare Liebesgeschichte, ein schleichender, Gänsehaut erzeugender Thriller und nicht zuletzt eine Geschichte von der Rückkehr der Wölfe nach Deutschland.



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